Verbraucherzentralen: Mehr Transparenz beim Dispozins

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Auf einem Kontoauszug sind die Zinsen für den Dispositionskredit markiert. Foto: Jens Kalaene

Berlin - Wenn unerwartet größere Ausgaben anstehen, ist der Dispokredit eine praktische Sache. Hohe Zinsen sind Verbraucherschützern aber ein Dorn im Auge. Informations- und Beratungspflichten für die Banken wären aus ihrer Sicht zumindest ein erster Schritt.

Die Verbraucherzentralen appellieren an Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), bei seinen Plänen für transparentere Dispozinsen keine Zugeständnisse an die Banken zu machen.

"Entscheidend ist, dass das Ministerium nun nicht unter dem Branchendruck einknickt", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. "Dass wir eine verbraucherfreundliche, transparente Regelung bekommen, ist das Mindeste, was wir erwarten."

Inhaber eines Girokontos können dieses in der Regel bis zu einer vertraglich festgelegten Summe überziehen. Für diesen Dispokredit berechnen Banken und Sparkassen aber Zinsen, die meist höher sind als bei anderen Kreditformen. Die Stiftung Warentest hatte im Sommer 2014 für die Zeitschrift "Finanztest" die Zinssätze von rund 1500 Banken verglichen - damals lag der Spitzenreiter bei 14,25 Prozent, der günstigste Anbieter verlangte 4,9 Prozent Zinsen.

Um die Verbraucher vor hohen Belastungen und dauerhafter Verschuldung zu schützen, will Minister Maas die Kreditinstitute verpflichten, ihre aktuellen Zinssätze im Internet zu veröffentlichen. Kunden sollen so besser vergleichen können. Außerdem sollen Banken und Sparkassen künftig eine Beratung über kostengünstigere Alternativen anbieten müssen, wenn jemand einen Dispokredit länger als ein Vierteljahr in Anspruch nimmt oder sein Konto stark überzieht. Einen entsprechenden Entwurf hatte das Ministerium im Dezember vorgelegt.

Den Verbraucherzentralen gehen die Pläne nicht weit genug. Sie machen sich für einen zusätzlichen Beratungsanspruch der Bankkunden stark. Außerdem sollte der Gesetzgeber aus ihrer Sicht für die Zinssätze eine maximal zulässige Höhe vorgeben, also einen "Deckel" einziehen.

"Das wäre konsequent gewesen, um das Marktversagen zu bekämpfen", sagte Müller. Dennoch versprächen die Pläne einige Verbesserungen. Position des vzbv sei deshalb: "Dann nehmen wir den Spatz in der Hand - und an der Taube auf dem Dach arbeiten wir noch."

Eine Abschaffung des Dispokredits hält Müller nicht für sinnvoll. "Das Schöne am Dispo ist: Er ist so bequem und einfach", sagte er. In anderen Ländern, die ein solches Modell nicht hätten, sei das Leben schlichtweg komplizierter. Verbraucher müssten aber wissen, dass in fast allen Fällen ein günstigerer Ratenkredit zu bekommen sei, wenn etwa für eine Autoreparatur oder eine neue Küche unerwartet hohe Ausgaben anstünden. Dafür müsse man allerdings etwas Zeit aufwenden.

Fundierte Zahlen dazu, wie viele Menschen in Deutschland ihr Konto überziehen, gibt es nach Angaben des vzbv nicht. Das Volumen aller eingeräumten Dispo-, Überziehungs- und Rahmenkredite habe laut Bundesbank im Februar bei rund 34,9 Milliarden Euro gelegen. Tatsächlich überzogen wurden deutsche Konten nach Zahlen aus dem Dezember aber nur um rund 10,7 Milliarden Euro.

dpa

Justizministerium zu den Gesetzesplänen

Referentenentwurf als pdf, Beratungspflicht S. 89-92 u. Informationspflicht S. 109/110

Koalitionsvertrag zu Dispozinsen, S. 64

Verbraucherzentralen zu Gesetzesplänen

vzbv-Stellungnahme zum Referentenentwurf, Dispozinsen ab S. 22

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