Wilde Spekulationen

Stühle rücken in der Chinesischen Zentralbank

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Der langjährige Zentralbankchefs Zhou Xiaochuan.

Peking - Wilde Spekulationen um den Personalwechsel: Der oberste Banker Zhou Xiaochuan gilt als Reformer, genießt international Respekt. Was kommt nach ihm?

Chinas Führung erwägt offenbar die Ablösung des langjährigen Zentralbankchefs Zhou Xiaochuan. Der mögliche Personalwechsel löst Spekulationen über Differenzen oder gar eine Lockerung der Geldpolitik der zweitgrößten Volkswirtschaft aus, doch rechnen Experten nach dem Abgang des 66-Jährigen nicht mit einem Kurswechsel. „Er geht bald“, sagte ein ausländischer Firmenvertreter mit engen Kontakten zu Chinas Wirtschaftslenkern am Donnerstag.

Nachfolger soll demnach voraussichtlich der ehemalige Chef der Wertpapieraufsicht und Vizegouverneur der Notenbank, Guo Shuqing, werden. Der 58-Jährige ist heute Gouverneur der Provinz Shandong. Der Wechsel könnte auf dem 4. Plenum des Zentralkomitees vollzogen werden, das Mitte Oktober in Peking zusammenkommen soll.

Mit elf Jahren in der Position ist Zhou Xiaochuan, der international großen Respekt genießt, der am längsten amtierende Zentralbankchef Chinas. Wegen seiner Erfahrung hatte der neue Staats- und Parteichef Xi Jinping beim Regierungswechsel 2013 eine seltene Ausnahme gemacht und ihn im Amt belassen, obwohl er das Rentenalter erreicht hatte.

Die erste Nachricht von der bevorstehenden Ablösung im „Wall Street Journal“ beflügelte die Aktienmärkte, die auf eine lockerere Geldpolitik spekulieren. Das Blatt schrieb, die Pensionierung des 66-Jährigen dürfte mit seinem Alter begründet werden, doch steckten Differenzen über den finanzpolitischen Kurs dahinter.

Zhou Xiaochuan dringe auf Marktreformen wie eine Liberalisierung der Zinsen, doch befürchte die Führung eine Belastung für die ohnehin langsamer wachsende chinesische Wirtschaft, schrieb das Blatt unter Berufung auf Parteivertreter. Auch wachse der Druck, den Geldhahn aufzudrehen, während die Zentralbank für gezielte Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft plädiere.

Mehrere ausländische Banken- und Unternehmensvertreter widersprachen aber dieser Darstellung. Sie erwarten eher Kontinuität und keinen Kurswechsel. Der potenzielle Nachfolger Guo Shuqing wurde als „Schützling“ von Zhou Xiaochuan beschrieben. Wie der langjährige Zentralbanker gehöre der Bankenexperte zu den Reformkräften, die bis zum früheren Regierungschef Zhu Rongji zurückgingen, der bis 2003 marktwirtschaftliche Umstrukturierungen vorangetrieben hatte.

Guo Shuqing zählt demnach wie Zhou Xiaochuan zur Fraktion des Präsidenten sowie des einflussreichen Wirtschafts- und Finanzpolitikers Wang Qishan, der heute als oberster Korruptionsbekämpfer im engsten Führungszirkel sitzt.

dpa

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