Studie: Schwarzarbeit rückläufig wegen guter Konjunktur

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Voraussichtlich wird die Schattenwirtschaft an der Wirtschaftsleistung 2016 um 0,4 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent sinken. Foto: Patrick Pleul

Die Putzfrau wird bar bezahlt, der Klempner arbeitet ohne Rechnung - Schwarzarbeit ist auch in Deutschland Usus. In Zeiten höherer Einkommen verliert sie etwas an Bedeutung. Doch wie steht es mit Schwarzarbeit von Flüchtlingen?

Tübingen/Linz (dpa) - In Deutschland sind in diesem Jahr einer Studie zufolge weniger Menschen illegal beschäftigt. Grund sei die brummende Konjunktur, heißt es in der Analyse des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz.

"In der guten Wirtschaftslage verdienen die Beschäftigten mehr, ihr Stundenlohn steigt oder sie können bezahlte Überstunden machen", sagt Autor Friedrich Schneider. "Dadurch wollen weniger Menschen in ihrer Freizeit schwarzarbeiten."

Den Berechnungen und Schätzungen zufolge wird der Anteil der sogenannten Schattenwirtschaft an der Wirtschaftsleistung 2016 schätzungsweise um 0,4 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent sinken. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt wäre damit so niedrig wie noch nie seit Beginn der Studienstatistik 1995.

In der Schattenwirtschaft werden in diesem Jahr der Schätzung zufolge Leistungen im Wert von 336 Milliarden Euro erbracht, 3,35 Milliarden Euro weniger als 2015. Unter Schattenwirtschaft versteht man Schwarzarbeit - also zumeist Bezahlungen in bar ohne Rechnung -, aber auch andere Formen der illegalen Beschäftigung, etwa wenn ausländische Subunternehmer auf deutschen Baustellen den Mindestlohn unterschreiten.

Der Rückgang der Schwarzarbeit könnte den Studienautoren zufolge allerdings durch den Flüchtlingszuzug abgebremst werden. Sie rechnen verschiedene Modelle durch, denen zufolge zwischen 100 000 und 300 000 Flüchtlinge illegal beschäftigt sein werden, etwa als Putzkraft oder Hilfsarbeiter auf dem Bau. "Wegen der fehlenden Deutschkenntnisse vieler Schutzsuchender ist es wahrscheinlich, dass es zunächst Jobs im Niedriglohn-Sektor sein werden", sagt Schneider.

Am plausibelsten sei wohl die Zahl 300 000. Das entspräche einer Wertschöpfung von 2,16 Milliarden Euro. "Die Flüchtlinge sind monatelang in ihren Unterkünften zum Nichtstun verdammt, also ist es doch naheliegend, dass sie irgendwann raus wollen und sich als Schwarzarbeiter verdingen", sagt der Linzer Professor für Volkswirtschaftslehre.

Schneider und Co-Autor Bernhard Boockmann appellieren an die Politik, eine rasche legale Beschäftigung zu ermöglichen. "Man sollte darüber nachdenken, Flüchtlingen schnell eine zeitlich begrenzte Arbeitserlaubnis zu erteilen", sagt Schneider. Eine solche eingeschränkte Erlaubnis könnte zunächst für einfache Tätigkeiten gelten. Später könnten die Flüchtlinge die Erlaubnis erhalten, auch höherwertige Stellen anzutreten, wenn entsprechende Qualifikationen nachgewiesen seien - etwa als Handwerker, Arzt oder Verkäufer.

Klaus Salzsieder von der Generalzolldirektion in Bonn verweist darauf, dass der Umfang der Schwarzarbeit nicht genau bekannt sei. Es sei aber klar, dass sie ein großes Problem sei - der Zoll habe die Anzahl der Kräfte zur Schwarzarbeits-Bekämpfung in gut zehn Jahren auf knapp 7000 mehr als verdoppelt (2004: 3000). Dies liege auch an neuen Aufgaben, etwa Kontrollen zur Einhaltung des Mindestlohns. Und haben Zöllner Flüchtlinge bei illegaler Beschäftigung erwischt? Solche Verstöße seien 2015 statistisch nicht erfasst worden, sagt Salzsieder. "Tatsächlich scheint sich die Zahl der diesbezüglichen Feststellungen jedoch in einem sehr geringen Umfang zu bewegen."

Auf der Arbeitgeberseite wurden die Ergebnisse der Studie kritisch betrachtet. Der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Dieter Diener, wies darauf hin, dass es klassische Hilfsjobs auf Baustellen kaum noch gebe. "Wenn solche Kräfte doch gebraucht werden, würde der deutschsprachige Bewerber bevorzugt und ein Flüchtling hätte schlechtere Karten." Generell sei das Ausmaß der Schwarzarbeit auf Baustellen gering, auch weil drohende Strafen sehr hoch seien.

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