Frankenstärke beschert Schweizer Notenbank Milliardenverlust

+
Euro-Münze und Schweizer Franken: Die Schweizer Notenbank muss einen Milliardenverlust verkraften. Foto: Oliver Berg

Die Schweiz hat eine der konkurrenzfähigsten Volkswirtschaften der Welt. Auch den "Frankenschock" hat sie relativ gut verkraftet. Das zeigen die Jahresbilanzen der Notenbank und des Arbeitsmarktes.

Zürich/Bern (dpa) - Die starke Aufwertung des Franken gegenüber Euro und Dollar sowie der sinkende Goldpreis haben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 2015 ein Minus von 23 Milliarden Franken eingebrockt (21,18 Mrd Euro).

Das teilte die Notenbank am Freitag in Zürich mit. Hauptursache ist der "Frankenschock" - das Erstarken der Eidgenossen-Währung nach der überraschenden Aufhebung des festen Mindestwechselkurses zum Euro durch die SNB vor einem Jahr.

Die Folgen der dadurch ausgelösten Verteuerung Schweizer Exporte für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt halten sich allerdings immer noch in deutlichen Grenzen: Die Arbeitslosenquote der Schweiz sei 2015 lediglich geringfüging auf 3,3 Prozent gestiegen, teilte am Freitag in Bern das Staatssekretariat für Wirtschaft

Zudem sorgte das relative Erstarken von Euro und Dollar in den letzten Monaten dafür, dass der für das Gesamtjahr ausgewiesene Buchverlust der Nationalbank geringer ausfiel, als noch im Sommer befürchtet worden war. Für das erste Halbjahres 2015 hatte die SNB noch - maßgeblich durch den Wertverfall ihrer Fremdwährungsanlagen - einen Verlust von 50,1 Milliarden Franken ausweisen müssen.

Später im Jahr schrieb die SNB aber auch wieder schwarze Zahlen. Erstmals seit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses kehrte sie im dritten Quartal in die Gewinnzone zurück und verringerte den Verlust dank eines deutlichen Gewinns von 16,2 Milliarden Franken - davon allein 15,9 Milliarden bei den Einlagen in Fremdwährung. Vor dem 15. Januar 2015 hatte die Zentralbank enorme Mengen an Euro aufgekauft, um den von ihr selbst festgesetzten Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro verteidigen zu können.

Nach der Aufgabe dieser Bindung an den Euro am 15. Januar 2015 war die Schweizer Währung sprunghaft um rund 20 Prozent im Wert gestiegen. Zeitweise erreichte sie die Parität zur europäische Gemeinschaftswährung, an einigen Tagen gab es für ein Euro sogar bloß noch 0,98 Franken. Am Freitag lag die Interbankrate für einen Euro bei 1,087 Franken.

Der Löwenanteil des Verlustes geht auf die Fremdwährungspositionen zurück. Allein dort schrieb die SNB für 2015 rote Zahlen von 20 Milliarden Franken. Aus der Bewertung des Goldbestands ergab sich ein Verlust von 4 Milliarden Franken. Dem steht ein Gewinn bei den Positionen in Schweizer Währung von unter dem Strich einer Milliarde Franken gegenüber.

Angesichts dessen sieht sich die SNB laut Mitteilung entgegen früheren Befürchtungen nun doch in der Lage, einen Gewinn an den Bund und die 28 Kantone auszuschütten. Dieser werde voraussichtlich eine Milliarde Franken betragen. Endgültige Zahlen sollen Anfang März vorgelegt werden.

Derweil entwickelt sich der Arbeitsmarkt für die Schweiz etwas weniger erfreulich, aber immer noch vergleichsweise stabil: Mit mehr als 220 000 Personen lag die Zahl der Arbeitsuchenden Ende Dezember so hoch wie seit April 2010 nicht mehr. Gleichzeitig ging die Zahl offenen Stellen um 1432 auf 8033 zurück, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft mitteilte. Die Arbeitslosenquote legte von 3,4 Prozent im November auf 3,7 Prozent zu. Im Jahresdurchschnitt stieg die Quote jedoch nur 3,3 Prozent - ein Wert, von dem fast alle anderen europäischen Länder nur träumen können.

SNB-Mitteilung

Mitteilung Staatssekretariat für Wirtschaft

Mehr zum Thema

Kommentare

Meistgelesen

News-Ticker: Merkel will Telekom-Hacker jagen
News-Ticker: Merkel will Telekom-Hacker jagen
Auch McDonald's will Essen nach Hause liefern lassen
Auch McDonald's will Essen nach Hause liefern lassen
Nach 38 Jahren: Air Berlin fliegt nicht mehr nach Mallorca
Nach 38 Jahren: Air Berlin fliegt nicht mehr nach Mallorca
Auslaufmodell: Philip Morris denkt über Ende der Zigarette nach
Auslaufmodell: Philip Morris denkt über Ende der Zigarette nach
Verbraucherschützer sorgen sich um Altpolicen
Verbraucherschützer sorgen sich um Altpolicen