Regionalität stärken im Bergischen Städtedreieck

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Das Bergische Land rund um das Städtedreieck Solingen, Remscheid und Wuppertal ist eine vielfältige Kulturlandschaft mit großem Potenzial für die Regionalvermarktung ihrer Produkte.

Aus dem Lebensmittelhandel sind sie inzwischen kaum mehr wegzudenken, denn seit Jahren wächst das ökologische Bewusstsein der Verbraucher: Die Rede ist von regionalen Produkten, die direkt aus der näheren Umgebung bezogen werden können.

Solingen mag international zwar hauptsächlich für seine Klingenherstellung bekannt sein, hat als Teil des Bergischen Städtedreiecks aber durchaus auch einen Anteil an der Versorgung der Region mit Nahrungsmitteln.

Regionale Vermarktung made in NRW

Mit der Produktion alleine ist es natürlich nicht getan, vielmehr geht es im wirtschaftlichen Wettbewerb auch um eine möglichst gute Positionierung der eigenen Produkte. Als übergreifende Institution wurde daher schon im Jahr 2005 der Bundesverband der Regionalbewegung e.V. gegründet. Er dient den unterschiedlichen regionalen Akteuren seither als Dachverband und Unterstützer von verschiedenen Initiativen zur nachhaltigen Regionalentwicklung und Stärkung ländlicher Räume. 

Die Nahversorgung mit Lebensmitteln ist dabei nur eines der Themen, dessen sich die Bewegung annimmt. Neben dem Erhalt von Kulturlandschaften – die vor allem als Lebensraum für zukünftige Generationen bewahrt werden sollen – stehen auch regionale Schulentwicklung, regionale Finanzdienstleister, erneuerbare Energien und das Handwerk auf der Agenda. Die verschiedenen Regionen erhalten mit dem Dachverband zudem eine Möglichkeit der Vernetzung und zum Austausch von Ideen und Impulsen für weitere Entwicklungsinitiativen.

Den Regionalbewegungen kommen in diesem Zusammenhang mehrere Aufgaben zu:

1. Gewinn der Verbraucher für einen regionalen Einkauf

So sehr das Bewusstsein für die Vorteile regionaler Produkte inzwischen auch gewachsen sein mag, es besteht nach wie vor Bedarf, eben jene Vorteile in der Öffentlichkeit wach zu halten und weiterzutragen. Vom Erfolg solcher Produkte in den Märkten hängt letztlich auch der Erfolg der Initiativen selbst ab.

2. PR in eigener Sache

Gleichzeitig gilt es im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit aktuelle Ereignisse und Aktionen im Zusammenhang mit den Zielen der Regionalbewegung regelmäßig und rechtzeitig zu kommunizieren.

3. Zusammenarbeit mit der Wissenschaft

Um die Bedeutung regionaler Wirtschaftskreisläufe weiterhin untermauern zu können, gilt es in Kooperation mit der Wissenschaft entsprechend aussagekräftige Daten zu gewinnen.

4. Vernetzung

Die Regionalbewegung sorgt außerdem für die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs zwischen den verschiedenen Regionalinitiativen, die daraus resultierende Vernetzung soll in der Folge die Ideenfindung und bundesweite Verbreitung unterstützen. 

Die Aufgabe der Landesverbände besteht unter anderem darin, regionale Vermarktungsstrategien zu finden, um Lebensmittel aus umwelt- und sozialverträglicher Produktion im Wettbewerb zu stärken. In Nordrhein-Westfalen wurden zu diesem Zweck im Rahmen des Fachkongresses „regional is(s)t besonders“ verschiedene Ansätze entwickelt.

bergisch pur

Für Solingen und das Bergische Land ist die eigens auf die Region zugeschnittene Qualitätsmarke bergisch pur, die gleichzeitig einen Verbund unterschiedlicher Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter darstellt, ein wichtiger Vermarktungsweg. Seit nunmehr fast 30 Jahren liefert der Zusammenschluss Lebensmittel unter folgenden Prämissen.

  • Alle Produkte stammen von ausgesuchten Betrieben, die strenge Richtlinien hinsichtlich artgerechter Tierhaltung, naturnaher Bewirtschaftung und Transparenz bei der Verarbeitung erfüllen müssen. Die teilnehmenden, meist kleineren und mittleren Betriebe, profitieren umgekehrt von den besseren Vertriebsmöglichkeiten und können dadurch beispielsweise die Produktpalette in den regionalen Filialen der großer Einzelhandelskonzerne mit ihren vielfältigen Erzeugnissen erweitern. Die Herkunftsauslobung auf der Verpackung hilft übrigens nicht nur in Supermärkten im Bergischen Land, sondern selbstverständlich bundesweit dabei, Lebensmittel aus der jeweiligen Heimatregion gleich zu erkennen.
  • Die Produktion und der Vertrieb sowie der Großteil der dazu notwendigen Betriebsstoffe stammen direkt aus dem Bergischen Land – das Ziel ist hier ein aktiver Klimaschutz durch eine Verkürzung von Transportwegen, was wiederum zu einer Verminderung der CO2-Belastung beiträgt.
  • Generell haben die an bergisch pur angeschlossenen Betriebe ihre landwirtschaftliche Produktion so naturnah und artgerecht wie irgend möglich zu gestalten, gemäß den Qualitätsrichtlinien des Verbundes. Das heißt unter anderem: keine reine Stallhaltung bzw. ein großzügiges Platzangebot, sollte sie jahreszeitbedingt doch notwendig werden; Verzicht auf Soja, genmanipulierten Mais und Antibiotika bei der Fütterung; Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel etc. Damit wird gleichzeitig für eine langfristige Förderung der bergischen Kulturlandschaft gesorgt.
  • Überhaupt ist der Erhalt der Natur ein zentrales Thema bei allen Bemühungen von bergisch pur, potenzielle Maßnahmen zum Erhalt der Kulturlandschaft werden zu diesem Zweck mit den Biologischen Stationen in der Region abgestimmt: Die Pflege der heimischen Flora gehört ebenso dazu wie die Förderung von Wildtierbeständen und der Gewässerschutz.

Biologische Station Mittlere Wupper

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) gehört nicht nur zu den Förderern von regionalen Zusammenschlüssen wie bergisch pur, er unterstützt zudem auch die Biologischen Stationen in NRW, wie etwa die an der Mittleren Wupper. In deren Zuständigkeitsbereich fällt das Betreuungsgebiet rund um die Städte Wuppertal, Remscheid und Solingen. Wie alle Biostationen geht auch die Station Mittlere Wupper drei unterschiedlichen Aufgaben nach:

  • Schutzgebietsbetreuung, darunter fallen Natura 2000- und Naturschutzgebiete;
  • Vertragsnaturschutz, der Einwerben, Beratung und fachliche Betreuung umfasst;
  • Natur- und Umweltbezogene Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit.

Zu den konkreten Themenfeldern der Biologischen Station Mittlere Wupper zählen neben einer ganzen Reihe weiterer die Beratung der Landwirtschaft im Rahmen des besagten Vetragsnaturschutzes und die Hilfe bei der Regionalvermarktung landwirtschaftlicher Produkte. In Zusammenarbeit mit dem LVR begleitet die Biostation innerhalb des Netzwerks Umwelt einige Projekte wie die Förderung von Obstbaumbeständen mit dem Ziel einer verstärkten Vermarktung regionaler Streuobstprodukte.

Der Solinger Obstweg: Lebensraum und Kulturlandschaft zugleich.

Tatsächlich wurde dieses Unternehmen schon im Jahr 2004 begonnen, der „Arbeitskreis Obstwiesen Bergisches Städtedreieck“ informiert seitdem über die Obstwiese als Lebensraum, gibt Tipps bezüglich der Pflanzung und der Pflege – beispielsweise hinsichtlich der am besten für die regionalen Bedingungen geeigneten Sorten – und hilft auch gleich bei der Ernte und der Vermarktung. Hierfür wurden im Städtedreieck eigens Sammelstellen eingerichtet, die der Bergische Naturschutzverein (RBN) unterhält. Wer keine Gelegenheit hat, eine dieser Sammelstellen anzulaufen, kann seine Äpfel möglicherweise alternativ in einem der Saftmobile zu Most oder Saft verarbeiten lassen. 

Sinnigerweise gehört die Biologische Station Mittlere Wupper außerdem zu der Kooperationsgemeinschaft, die sich im Zuge der Förderung der Regionalvermarktung im Bergischen Land auch der Unterstützung der ausführlich beschriebenen Regionalmarke bergisch pur verschrieben hat. Den beteiligten Stationen kommt hierbei vor allem die Koordination, Organisation und die Öffentlichkeitsarbeit zu, mit einem besonderen Schwerpunkt auf gastronomischen und verarbeitenden Betrieben sowie dem Einzelhandel für Lebensmittel. 

Langfristig wird zu den Aufgaben wohl auch die Erschließung neuer Produzenten und damit neuer Produkte für den regionalen Markt zählen. Die Solinger Bürger wie auch die übrigen Menschen aus dem Bergischen Städtedreieck werden also auch in Zukunft beim Einkauf regionale Erzeugnisse vorfinden und somit ihren Beitrag zum Erhalt der heimischen Kulturlandschaft leisten können.

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