Trübe Aussichten in China: EU-Firmen treten kürzer

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Arbeiter auf einer Baustelle in Shanghai. Foto: Ole Spata

Die goldenen Zeiten in China sind vorbei. Das Wachstum ist schwächer, aber die Kosten steigen. Nötige Reformen bleiben aus. Die Zuversicht unter Unternehmen aus Europa und den USA nimmt ab. Jetzt werden Investitionen aufgeschoben oder der Rotstift angesetzt.

Peking (dpa) - Der Wirtschaftsstandort China verliert für Firmen aus Europa an Attraktivität.

Das langsamere Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft mache den EU-Firmen im Reich der Mitte am meisten zu schaffen, ergab die jährliche Umfrage der EU-Handelskammer über das Geschäftsklima in China, die am Mittwoch in Peking vorgelegt wurde.

Ihre pessimistischen Erwartungen für Wachstum und Profitabilität veranlassten die Unternehmen, neue Aktivitäten zurückzustellen und Einsparungen besonders bei der Zahl ihrer Beschäftigten zu planen.

"Die Unternehmen fahren ihre Investitionen zurück und planen Kürzungen", sagte EU-Kammerpräsident Jörg Wuttke der Deutschen Presse-Agentur in Peking. 44 Prozent der befragten Firmen beschrieben das mit 7,0 Prozent im ersten Quartal langsamste Wachstum seit der globalen Finanzkrise 2009 als größte Herausforderung. Die wachsenden Personalkosten rückten auf Platz zwei der größten Sorgen (24 Prozent) vor, obwohl sie im Vorjahr nicht einmal unter den ersten zehn waren.

Hohe Arbeitskosten und rechtliche Unsicherheit sind auch für amerikanische Unternehmen die größten Investitionshemmnisse in China, wie eine ähnliche Umfrage der US-Handelskammer mit dem Unternehmensberater Bain and Company ergab. Mehr als 30 Prozent wollten ihre Investitionen 2015 nicht verstärken. Das ist der höchste Wert seit der globalen Wirtschaftskrise 2009. 29 Prozent beschrieben ihr Engagement in China als nicht profitabel. "Viele Unternehmen warten zurzeit ab, was der Umbau der chinesischen Wirtschaft in der Praxis bedeutet", sagte Armin Schmiedeberg von Bain and Company.

Der schlechte Zustand der Weltwirtschaft (24 Prozent) sowie die Marktbarrieren und Investitionsbeschränkungen in China (23 Prozent) bereiten vielen Unternehmen aus Europa zusätzlich Kopfschmerzen. Sie beklagten, dass sich trotz aller Versprechen der Regierung die Wettbewerbsbedingungen und der Marktzugang nicht verbessert hätten. Auch ließen die Ende 2013 groß angekündigten Wirtschaftsreformen, die dem Markt eine stärkere Rolle einräumen sollen, auf sich warten.

Mehr als die Hälfte der EU-Unternehmen sei zwar noch zuversichtlich, "aber Optimismus über Wachstum und Profitabilität sind auf den bisher tiefsten Stand gefallen", heißt es in der Studie, die mit dem Unternehmensberater Ronald Berger erstellt wurde. "Während sie gewöhnlich ein halb volles Glas sahen, sehen sie es jetzt halb leer."

31 Prozent der europäischen Unternehmen wollen ihre Tätigkeiten in China nicht ausbauen - 6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und sogar 25 Punkte mehr als noch 2013. 39 Prozent (plus 15 Prozentpunkte) wollten ihre Kosten in China reduzieren, davon fast zwei Drittel durch eine Verringerung von Personal (61 Prozent). Zumindest 16 Prozent (plus 5 Punkte) zögen Investitionen aus China ab, um sich anderen Wachstumsmärkten zuzuwenden, geht aus der Erhebung hervor.

Immer mehr EU-Unternehmen tun sich wegen der hohen Luftverschmutzung in China auch schwer, Personal in das Land zu schicken. 74 Prozent (plus 6 Prozent) nennen den Smog als eines von drei Problemen, Talente anzuwerben. Zudem beeinträchtigt die chinesische Zensur im Internet ihre Innovationsbemühungen. 57 Prozent sehen ihr Geschäft in China durch die Blockaden beeinträchtigt. Dabei zähle Innovation "zu den wichtigsten Triebkräften, um Chinas Wirtschaft in der Wertschöpfungskette nach oben zu bringen".

Wie in den Vorjahren beklagen die Unternehmen ein "unberechenbares gesetzgeberisches Umfeld" (57 Prozent), "behördliche Probleme" (52 Prozent) und "willkürliche Umsetzung von Vorschriften" (48 Prozent). Mehr Rechtsstaatlichkeit sehen 78 Prozent als Wachstumsmotor an, doch liegen die Fortschritte hier für 39 Prozent unter den Erwartungen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) fühlen sich wie im Vorjahr im Vergleich zu chinesischen Unternehmen diskriminiert.

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