Auch Brustimplantate und Revolver geprüft

50 Jahre Stiftung Warentest: Die Zukunft ist digital 

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Die erste Ausgabe der Zeitschrift "Der Test" vom April 1966.

Berlin/Osnabrück - Das Urteil ist oft entscheidend für den Erfolg eines Produkts. Die Stiftung Warentest ist so bekannt wie keine andere Prüfinstitution in Deutschland. In 50 Jahren gab es aber auch einige skurrile Tests.

Die Stiftung Warentest will ihre Bewertungen künftig deutlich stärker über das Internet verbreiten. „Das wichtigste Projekt für uns ist der Ausbau des Internetangebotes“, sagte der Chef der Warentester, Hubertus Primus, am Donnerstag laut Pressemitteilung zum 50. Gründungstag der Stiftung. Das Angebot über interaktive Produktdatenbanken werde ständig erweitert. „Den Verbraucher mit aktuellen, individuellen Testergebnissen täglich zu begleiten - das ist die Strategie der Zukunft.“

Primus sagte, die Qualität der getesteten Produkte habe sich über die Jahrzehnte „deutlich verbessert“. Dazu hätten auch die Tests beigetragen, weil die Hersteller bei der Entwicklung die Testkriterien berücksichtigten.

In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) betonte Primus mit Blick auf die Produktqualität aber auch: „Das heißt aber nicht, dass sie in allen Bereichen in Ordnung ist.“ Prüfer fänden zum Beispiel noch immer Schadstoffe in Spielzeug.

Im Rückblick räumte er einige Fehler in den Bewertungen ein. 1998 wurden Rollstühle nicht gründlich genug getestet. 2002 musste Stiftung Warentest einen Rechenfehler bei der Untersuchung von Riester-Rentenprodukten korrigieren. Kürzlich sei die negative Bewertung einer Schokolade nicht zutreffend gewesen.

In den frühen Jahren von Warentest standen laut Primus Sicherheit und Funktion eines Produkts im Vordergrund. Dann sei die Handhabung immer wichtiger geworden. Seit den 1980er Jahren rückte auch der Umweltschutz in den Blickpunkt, inzwischen geht es auch um Schadstoffuntersuchungen.

Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Primus, für Kunden sei die Welt komplexer geworden. „Der Verbraucher muss heute wesentlich mehr Entscheidungen selber treffen als noch vor 50 Jahren, als es zum Beispiel nur einen Telefonanbieter gab, den lokalen Stromversorger und als die Altersvorsorge durch die Rente und die Kapitallebensversicherung abgedeckt war.“

Selbstironisch erläuterte Primus auch die „größte Fehleinschätzung der Stiftung“. Im Oktober 1984 lautete demnach eine Überschrift: „Man braucht es nicht und trotzdem wird es wie verrückt verkauft. Was ist das? Ein Heimcomputer.“ Das damalige Fazit habe gelautet: „Wer auf die elektronische Aufrüstung seines Heimes verzichtet, büßt keine Lebensqualität ein.“ Nun fügte Primus hinzu: „Aber vielleicht war das auch prophetisch.“

50 Jahre Stiftung Warentest: Die skurrilsten Tests

50 Jahre Stiftung Warentest: Die skurrilsten Tests

Die Stiftung Warentest wurde am Donnerstag 50 Jahre alt. Seit ihrer Gründung am 4. Dezember 1964 hat sie in 5500 Tests etwa 100 000 Produkte geprüft. Dazu kommen rund 2500 Tests von Dienstleistungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte die Stiftung Warentest am Donnerstag bei einer Feierstunde als „verlässliche Säule der Verbrauchermündigkeit“. Die gemeinnützige Organisation könne helfen, den Verbrauchern „so etwas wie ein verlässliches Kooordinatensystem zur Orientierung an die Hand zu geben“, sagte Merkel.

Der Stiftung gelinge es immer wieder, aktuelle verbraucherpolitische Themen aufzugreifen. So berücksichtige sie seit Mitte der 80er Jahre verstärkt das Umweltbewusstsein. Seit gut zehn Jahren baue sie soziale und ethische Aspekte der Unternehmensverantwortung in ihre Analysen ein, sagte Merkel.

Es sei richtig, dass der Bund die Stiftung Warentest als Anwalt des Verbraucherschutzes weiterhin finanziell unterstütze. Das sichere die Unabhängigkeit der Stiftung. „Um die Unabhängigkeit gar nicht erst in Frage zu stellen, hält sich die Politik aber konsequent aus der Geschäftspolitik der Stiftung heraus“, fügte die Kanzlerin hinzu.

dpa

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