Nach Franchise-Skandal

60 Jahre Burger King: Wie geht es weiter?

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Burger King feiert am Donnerstag sein 60-jähriges Jubiläum.

Miami - Am Donnerstag feiert Burger King sein 60-jähriges Bestehen. Doch die Feierlaune wird in Deutschland durch Scherereien mit dem Franchisenehmer Yi-Ko getrübt. Wie geht es weiter mit der Whopper-Braterei?

Im Wettstreit der Fast-Food-Giganten stand Burger King stets im Schatten von McDonald's. Die US-Kette zählt aber immerhin mehr als 13.000 Schnellrestaurants in 95 Ländern. Am Donnerstag ist es 60 Jahre her, dass in der ersten Burger-King-Filiale in Miami Hackfleischscheiben auf dem Grill brutzelten. Die Feierlaune zum Jubiläum wird in Deutschland allerdings durch Scherereien mit dem größten Franchisenehmer Yi-Ko getrübt. In der Heimat wehrt sich das Unternehmen gegen den Vorwurf, seinen Sitz aus Steuergründen nach Kanada zu verlegen.

Genau genommen beginnt die Geschichte von Burger King bereits 1953, als sich die Geschäftsleute Keith Kramer und Matthew Burns vom McDonald's-Konzept inspirieren ließen und in Jacksonville im Bundesstaat Florida ein Schnellrestaurant mit dem Namen Insta-Burger King gründeten. Auf der offiziellen Website von Burger King fehlt dieser Prolog zur Unternehmenshistorie, die dort direkt mit James McLamore und David Edgerton beginnt.

McLamore und Edgerton eröffneten als Franchisenehmer die Filiale in Miami, übernahmen das Unternehmen und verkürzten den Namen auf Burger King. Das Menü war in der Anfangszeit übersichtlich, neben Hamburgern und Pommes gab es Limonaden und Milchshakes. Ab 1957 verkaufte Burger King dann seinen Whopper, der zum Vorzeige-Fleischklops des Unternehmens avancierte. Als der US-Lebensmittelkonzern Pillsbury die Kette 1967 übernahm, hatte Burger King bereits 274 Filialen mit rund 8000 Angestellten.

In der Folge expandierte der Burgerbrater international, der erste Ableger in Europa eröffnete 1975 in Madrid. Ein Jahr später machte am Kurfürstendamm in West-Berlin der erste Burger King in Deutschland auf. Durch Übernahmen und Zusammenschlüsse wechselte die Fast-Food-Kette mehrfach den Besitzer, ehe Burger King im Mai 2006 in New York an die Börse ging.

Fusionspläne sorgen für scharfe Kritik

Schwierigkeiten während der Wirtschafts- und Finanzkrise führten vier Jahre später zum Kauf durch die brasilianische Investmentfirma 3G Capital, die das Unternehmen für eine Restrukturierung zwei Jahre von der Börse nahm. Das jüngste Kapitel der turbulenten Unternehmensgeschichte begann im August, als Burger King die Übernahme der kanadischen Kaffee- und Donutkette Tim Hortons ankündigte.

Durch den gut elf Milliarden Dollar schweren Deal würde die drittgrößte Schnellrestaurant-Gruppe der Welt entstehen. Noch steht die Billigung durch die kanadischen Wettbewerbsbehörden aber aus. Das Gemeinschaftsunternehmen hätte mehr als 18.000 Filialen in einhundert Ländern. Beide Marken sollen bestehen bleiben, der Firmensitz allerdings von Miami nach Kanada verlegt werden.

Kritiker werfen den Burger-King-Besitzern vor, mit dem Umzug vor allem Steuern sparen zu wollen. Die Unternehmenssteuer in Kanada beträgt 15 Prozent, in den USA fallen 35 Prozent an. Der demokratische Senator Sherrod Brown rief gar zu einem Boykott von Burger King auf, als die Übernahmepläne bekannt wurden.

Burger King hält dagegen, dass Kanada der größte Markt des fusionierten Unternehmens mit den meisten Filialen sein werde. Außerdem erwarte das Unternehmen unterm Strich keine bedeutenden Steuerersparnisse. "Bei dieser Transaktion geht es nicht um Steuersätze, sondern um Wachstum", sagte Burger-King-Chef Dan Schwartz, der im Sommer 2013 mit erst Anfang 30 an die Unternehmensspitze gerückt war.

Von den mehr als 13.000 Burger Kings weltweit wurden zuletzt nur etwa 50 vom Unternehmen betrieben. Die Fast-Food-Kette funktioniert nach dem Franchise-Prinzip, bei der Geschäftsleute Filialen selbständig führen und die Marke gegen eine Gebühr nutzen dürfen. Vergangenen Monat kündigte Burger King seinem größten deutschen Franchisenehmer Yi-Ko wegen Verstößen gegen die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter, außerdem gab es Berichte über Hygienemängel. Betroffen von der Schließung sind 89 Filialen mit rund 3000 Angestellten.

Jeder dritte Deutsche hat keine Lust mehr auf Burger King

Die Negativschlagzeilen haben den Ruf von Burger King in der Bundesrepublik laut einer Umfrage für das Magazin "Stern" spürbar ramponiert. Jeder dritte Kunde will demnach vorerst keine Whopper-Braterei mehr aufsuchen.

Auch bei den Mitarbeitern wird die Stimmung immer schlechter. Die Gewerkschaft sieht eine zunehmende Unruhe bei den Beschäftigten des umstrittenen Franchisenehmers Yi-Ko. „Das ist momentan eine böse Hängepartie für die Beschäftigten, nachdem letzte Woche der Anschein bestand, dass es gegebenenfalls zeitnah eine Lösung geben könnte“, sagte Gastronomie-Experte Guido Zeitler von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch. Die rund 3000 betroffenen Mitarbeiter des Franchisers wüssten wenige Wochen vor Weihnachten noch immer nicht, wie es für sie weitergeht.

Auch international gibt es Probleme

Auch international scheinen die fetten Zeiten für Buger King vorbei zu sein.

Denn auch operativ lief es zuletzt nicht rund. Im dritten Quartal enttäuschte Burger King mit magerem Umsatz und roten Zahlen. In den reichen Industriestaaten stehen „Whopper“ und Co. vor allem bei jüngeren Kunden nicht mehr sonderlich hoch im Kurs. "In Nordamerika und Europa ist gesünderes und organisches Fast Food gefragt“, heißt es in einer Studie der Firma Transparency Market Research. Für die etablierten Branchenriesen wie Burger King sei die Wachstumsschwäche aber auch in den aufstrebenden Schwellenländern schwer zu kompensieren. „Es gibt viele Anbieter, der Konkurrenzkampf ist gnadenlos.“ Fazit der Analyse: Es fehlt eine langfristige Wachstumsstrategie.

Verschiedene Krisenstrategien

Burger King hat bereits etliche Versuche unternommen, sich den veränderten Vorlieben der Verbraucher anzupassen. Mit „Whopper Bars“, in denen Kunden Burger nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen und auch Bier dazu ordern können, wollte der Konzern auf den „Lounge“-Zug aufspringen. Zudem wurden etliche Experimente an der Produktpalette vorgenommen - so bot das Unternehmen die Diät-Pommes „Satisfries“ an und zog sie dann wegen geringer Nachfrage wieder aus dem Verkehr.

Eine Kalorienbombe namens „Chicken Fries“ (Hähnchenpommes) verbannte Burger King aus dem Angebot und führte sie dann nach Social-Media-Protesten zwischenzeitlich wieder ein. Für Verwirrung bei der Kundschaft sorgte im Herbst 2013 auch ein PR-Stunt um eine vermeintliche Umbenennung in „Fries King“. Damit sollte die Einführung des Pommes-Flops „Satisfries“ beworben werden.

Nun sucht der Konzern sein Heil in Expansion und Erschließung neuer Geschäftsbereiche. Burger King schluckt für mehr als 11 Milliarden Dollar die kanadische Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons, die Kosten für die Übernahme sorgten zuletzt für einen Quartalsverlust von mehr als 20 Millionen Dollar. Der Zukauf hat nicht nur produktstrategische Gründe: Burger King kann seinen Firmensitz dadurch ins steuergünstigere Kanada verlagern und dem US-Fiskus entgehen.

AFP, dpa

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