Zu viele Krisenherde

Deutsche spenden mehr für Irak - weniger für Syrien

Berlin - Weinende Mütter, hungernde Kinder - die Bilder von den Krisenherden dieser Welt gleichen sich. Doch die Ursachen für das Elend sind unterschiedlich.

Durch die akuten Krisen im Irak und im Gazastreifen ist die Spendenbereitschaft der Deutschen für die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge stark gesunken. „Wir beobachten aktuell so etwas wie eine Konkurrenz der Krisen, die nicht nur uns betrifft, sondern auch andere Hilfsorganisationen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von World Vision in Deutschland, Christoph Waffenschmidt, am Dienstag in Berlin.

„Wie wir erfahren haben, plant auch die Bundesregierung, ihre Mittel für die Syrien-Hilfe 2015 zu kürzen - das darf nicht geschehen“, sagte Waffenschmidt bei der Vorstellung der Jahresbilanz der christlichen Hilfsorganisation. Die überwiegende Mehrheit der 1,4 Millionen syrischen Flüchtlingskinder im Libanon, in Jordanien und der Türkei besuche derzeit keine Schule. „Da wächst eine verlorene Generation heran“, warnt die Organisation.

Ähnlich gering wie im Falle Syriens sei das Spendenaufkommen derzeit auch für Hilfsprojekte im Südsudan. In dem Staat, der erst vor drei Jahren unabhängig geworden war, drohe schon im September eine große Hungersnot. „Bisher konnten wir für unsere Projekte im Südsudan nur gut 150 000 Euro sammeln“, erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist laut World Vision bei Naturkatastrophen sehr groß. Wenn Menschen durch bewaffnete Konflikte in Not gerieten, seien die Spender dagegen eher zögerlich. „Sie sind verunsichert, weil sie oft nicht genau wissen, wer in einem Konflikt die Schuldigen sind“, erklärte Waffenschmidt. Seine Organisation habe nach dem verheerenden Taifun Haiyan auf den Philippinen binnen zwei Monaten genauso viel Spenden gesammelt wie innerhalb von zwei Jahren für die Opfer des Syrien-Konfliktes gespendet worden sei.

Dieses Spenderverhalten ist nach Angaben von World Vision auch der Grund dafür, dass die Einnahmen der Organisation im vergangenen Jahr als es weniger Naturkatastrophen gab als 2012 - von 82,3 auf 80,5 Millionen Euro sanken. Für 2014 wird mit 85 Millionen Euro gerechnet.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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