Trotz Machtwechsel

Darum sehen Anleger Griechenland-Wahl gelassen

Frankfurt/Main - Droht der Zusammensturz des Euro-Raumes? Es gab Zeiten, da schien dies durch eine Griechenland-Pleite denkbar. Doch trotz des Machtwechsels bleiben die Anleger ruhig.

Es gab Zeiten, da schien das Schicksal Europas von einem kleinen Mittelmeerland abzuhängen. Doch dass jetzt in Griechenland die Spargegner die Macht übernehmen, lässt Anleger überwiegend kalt. Wo sind die Sorgen geblieben, dass das hoch verschuldete Land nun aus dem Euroraum austritt („Grexit“) und sich die Krise im Währungsraum wieder verschärft?

An Börsen werden Erwartungen gehandelt. Anders als in den Jahren 2010 bis 2012 schätzen Investoren heute das Risiko als gering ein, dass ein Kurswechsel in Griechenland für einen Flächenbrand sorgen könnte. Drei Gründe dafür:

BRANDMAUERN VON EU UND EZB: Aus dem Notfalltopf ESM können Staaten mit bis zu 500 Milliarden Euro unterstützt werden. Und die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Versprechen, den Euro um jeden Preis zu schützen, gerade mit einem neuen Billionenprogramm bekräftigt.

WENIGER ABHÄNGIGKEIT: Ausländische Banken sind nicht mehr in dem Maße in Griechenland engagiert wie noch vor ein paar Jahren. Das hilft, Probleme in Griechenland auf das Land einzugrenzen. Zudem haben Länder wie Spanien, Irland oder Portugal Reformen durchgesetzt, ihre Volkswirtschaften gesunden.

WAHLKAMPFRHETORIK: In Wahlkämpfen wird oft viel versprochen. „Die neue Regierung wird schnell in der Realität ankommen“, meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Die Kasse des Finanzministers ist fast leer.“ Zudem hatte der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras vom Linksbündnis Syriza vor der Wahl zuletzt Verhandlungsbereitschaft signalisiert. „Befürchtungen, Tsipras könnte sämtliche Vereinbarungen mit der EU konsequent aussetzen, scheinen sich in den Tagen vor der Wahl deutlich gemildert zu haben“, erklären Volkswirte der Privatbank Metzler.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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