Magere Ernte und Russland-Embargo machen Bauern zu schaffen

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Die Wetterextreme des Frühjahrs und Sommers ließen die Getreideernte einbrechen. Foto: Jens Wolf

Die schlechte Getreideernte trifft die Landwirte in diesem Jahr besonders hart. Denn auch die Preise für Milch und Schweinefleisch sind im Keller. Das wirkt sich auf Investitionen aus.

Berlin (dpa) - Hitze, Trockenheit und das Russland-Embargo bringen die deutschen Bauern zunehmend in finanzielle Bedrängnis. "Die Preise sind massiv eingebrochen und zwar in allen Sektoren", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied.

Der Preisverfall bei Milch, Schweinefleisch, Getreide, Obst und Gemüse habe die Landwirte seit Jahresbeginn im Vergleich zu 2014 schon deutlich mehr als drei Milliarden Euro gekostet. Das entspreche etwa einem Drittel des gesamten Einkommens.

Die Investitionsbereitschaft der Landwirte werde dadurch spürbar gedämpft: Im zweiten Halbjahr wollen sie nur noch vier Milliarden Euro statt üblicherweise etwa sechs Milliarden in die Hand nehmen.

Die Wetterextreme des Frühjahrs und Sommers ließen die Getreideernte im Bundesdurchschnitt um elf Prozent auf 46,5 Millionen Tonnen einbrechen. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: In der Mitte Deutschlands, wo besonders wenig Regen fiel, müssen manche Betriebe laut DBV Einbußen von 40 bis 50 Prozent wegstecken.

Feuchter war es im Süden Bayerns und Baden-Württembergs sowie in Schleswig-Holstein, dort fuhren die Bauern eine normale bis gute Ernte ein. Die Rapsernte fällt mit knapp fünf Millionen Tonnen unterdurchschnittlich aus.

Mit steigenden Getreidepreisen rechnet der Bauernverband trotzdem erst einmal nicht. Die Versorgungslage sei nach den Rekordernten des vergangenen Jahres noch insgesamt gut.

Wegen des trockenen und heißen Augusts zeichnen sich außerdem Einbußen bei Mais und Zuckerrüben ab, die später im Jahr geerntet werden. Der Mais habe zum Teil gar keine Kolben ausgebildet, schilderte Rukwied. In manchen Anbauregionen wie der Rheinebene rechnet er mit massiven Ausfällen von 50 bis 100 Prozent. Die Bauern befürchten, dass deshalb auch das Futter für die Rinder im nächsten Winter knapp wird. Denn auch das Grünland sei braun und vertrocknet.

Agrarminister Christian Schmidt (CSU) teilte mit, derzeit werde geprüft, "ob in Einzelfällen sehr außergewöhnliche Notlagen vorliegen und womöglich - auf Grundlage der eingespielten Mechanismen zwischen EU, Bund und Ländern - staatliche Unterstützungen möglich sind". Für eine abschließende Bewertung der Ernte sei es aber noch zu früh.

Die Trockenheit im Frühjahr hat vor allem Winterweizen, Roggen und Sommergerste geschadet. Beim Winterweizen, der wichtigsten deutschen Getreidesorte, werden aller Voraussicht nach 24,6 Millionen Tonnen geerntet, 2,8 Millionen Tonnen weniger als 2014. Beim Roggen brachen die Erträge um 15 Prozent ein. Bei der Wintergerste konnten die Verluste zum Teil durch größere Anbauflächen wettgemacht werden.

Die Export-Verluste durch das Russland-Embargo bezifferte Rukwied auf 600 bis 700 Millionen Euro. Moskau lässt seit gut einem Jahr keine Lebensmittel aus der Europäischen Union und den USA mehr ins Land, eine Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen in der Ukraine-Krise. Mit der Schweiz und den USA gehört Russland zu den wichtigsten Exportmärkten für deutsche Bauern außerhalb der EU.

Mitteilung zur Getreideernte

Mitteilung zur Obst- und Gemüseernte

Mitteilung zu Preiseinbrüchen

Zweiter Erntebericht des Bauernverbands, 30. Juli

Erster Erntebericht des Bauernverbands, 15. Juli

DBV-Präsentation zum Ernte-Auftakt, 30. Juni

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