Bauernverband fordert Überprüfung des Russland-Embargos

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Zum Bauerntag werden rund 600 Delegierte erwartet, die über eine "Erfurter Erklärung" beraten. Foto: Uwe Anspach

Niedrige Milchpreise, trübe Ernteaussichten und wachsende Kritik an ihrer Arbeit treiben Deutschlands Bauern um. Für die Zukunft setzen sie größere Hoffnungen auf den Export und stehen deswegen dem geplanten Handelsabkommen mit den USA aufgeschlossen gegenüber.

Erfurt (dpa) - Bauernpräsident Joachim Rukwied hat "brutale" Folgen durch die Russland-Sanktionen für die Landwirtschaft beklagt und eine Überprüfung gefordert.

Das Embargo Russlands sei Hauptursache dafür, dass die Preise für Schweine eingebrochen und die Milchpreise kräftig unter Druck geraten seien, sagte er beim Deutschen Bauerntag in Erfurt. "Am Ende sind die Bauernfamilien die Leidtragenden." Wegen des hierzulande stagnierenden Marktes knüpfen die Bauern größere Hoffnungen auf den Export. Daher sind sie offen für das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP.

Russland hatte als Reaktion auf Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise vorigen Sommer einen Importstopp für Lebensmittel verhängt. Die Delegierten des Bauerntages riefen die Politik zu Initiativen auf, "die zur Aufhebung des russischen Import-Embargos führen".

Laut Bauernverband haben sich die deutschen Agrarexporte in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Sorgen bereiten ihnen jedoch gesunkene Milchpreise, die den Angaben nach derzeit deutlich unter 30 Cent je Kilogramm liegen. "Die Ursache ist nicht das Ende der Quote, die Ursache liegt in schwächelnden Märkten", konstatierte Rukwied. Die Milchquote hatte in den vergangenen Jahrzehnten die Produktion in der EU gedeckelt. Außerdem befürchten die Bauern eine geringere Getreideernte von mindestens 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bei den Bauern wächst auch der Unmut über zunehmende Kritik an ihrer Arbeit. Thüringens Verbandspräsident Helmut Gumpert sprach von einer "Schlacht" der Medien und Nichtregierungsorganisationen gegen seinen Berufsstand. Rukwied lehnte schärfere Gesetze etwa in der Tierhaltung ab. "Wir als Bauern sind bereit, für noch mehr Tierwohl zu sorgen - das muss aber auch honoriert werden." Er verwies auf die zu Jahresbeginn gestartete Initiative Tierwohl. Sie müsse auf breitere Basis gestellt und das Fleischerhandwerk sowie die Systemgastronomie für den Fonds gewonnen werden. Die Fastfood-Kette McDonald's kündigte Gespräche mit der Initiative an.

Für eine nationale Nutztierstrategie sprach sich der Präsident des Thünen-Instituts, Folkhard Isermeyer, bei einem Kongress Europäischer Milchbauern in Rostock aus. Die Diskussion um ethische Standards in der Tierhaltung sei Aufgabe der gesamten Gesellschaft und könne nicht allein den Bauern überlassen werden. Ähnlich der Tierwohl-Initiative für Schweine und Geflügel regte er ein Vorgehen auch für Kühe an.

Mit der Initiative sei "Pionierarbeit" geleistet worden, heißt es in der "Erfurter Erklärung", die die fast 600 Delegierten des Bauerntages verabschiedet haben. Darin sprechen sie sich gegen "starre Bestandsobergrenzen" in der Viehhaltung aus, ebenso dafür, dass "ein verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika" möglich bleiben müsse. Auch wird ein schlüssiges Konzept gegen den Flächenverbrauch im Straßen- und Siedlungsbau zulasten der Landwirtschaft gefordert.

Zu TTIP werden in der Erklärung auch Chancen für die heimische Landwirtschaft gesehen. Doch müssten europäische Standards etwa bei der Gentechnik und beim Verzicht von Hormonen in der Tierhaltung erhalten bleiben. Das gilt auch für den Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen wie Spreewaldgurke oder Nürnberger Bratwurst.

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