In eigener Sache

Warum Journalismus auch digital einen Wert hat

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Michael Boll, Verleger und Herausgeber des Solinger Tageblatts.

Bezahlmodelle für digitale Nachrichtenmedien sind auf dem Vormarsch.

Von Michael Boll

Anfang des Jahres haben wir unserer Website solinger-tageblatt.de inhaltlich und technisch einen deutlichen Schub nach vorne gegeben: Modernes Design, hohe Aktualität, deutlich mehr Inhalte und – nicht zuletzt – mehr Spaß beim Lesen unabhängig vom Endgerät dank „responsive Webdesign“. Denn: Mehr als ein Drittel der Nutzung unserer Website findet bereits über Smartphones statt – Tendenz steigend. Gleichzeitig haben wir eine Registrierungspflicht eingeführt und angekündigt, dass wir im Laufe des Jahres einen Teil unserer digitalen Inhalte bezahlpflichtig machen werden. Nun ist es soweit: Ab heute können die mit einem blauen Plus gekennzeichneten lokalen und regionalen Inhalte von solinger-tageblatt.de nur noch nach Abschluss eines entsprechenden Abonnements gelesen werden.

Warum tun wir das? Der Medienwandel ist im vollen Gange. Das Gute daran: Entgegen landläufiger Vorurteile lesen heute mehr Menschen denn je Zeitung. Während 1998 die gedruckte Zeitung 79 Prozent der Menschen erreichte, kommen die Zeitungen heute laut der aktuellen, repräsentativen b4p-Studie 2015-I auf 86 Prozent Reichweite in der Gesamtbevölkerung (64 Prozent gedruckt, 56 Prozent digital, mit Überschneidungen). Das Schlechte daran: Bisher ist es den Zeitungen – das gilt nicht nur für das ST – nicht gelungen, mit der Vermarktung der digitalen Reichweite den hohen technischen und personellen Aufwand komplett zu finanzieren. Nur einer Handvoll großer, nationaler Medienmarken ist es bisher gelungen, die Kosten ihrer Websites allein durch Werbung zu decken.

ST bietet das größte lokale Informationsangebot

Das liegt auch daran, dass über die Hälfte der digitalen Werbeerlöse auf die Internet-Giganten Google und Facebook entfallen. Diese erbringen in ihrem jeweiligen Kerngeschäft zwar auch gute Dienstleistungen, beschäftigen aber eben nicht wie ein lokales Medienhaus zahlreiche Redakteure, Reporter und Fotografen vor Ort, die Nachrichten aus der weiten Welt und – noch viel wichtiger – aus der unmittelbaren Nachbarschaft sammeln, aufbereiten, analysieren und multimedial verbreiten sowie als Ansprechpartner für die Menschen zur Verfügung stehen. In Solingen bietet das Solinger Tageblatt – gedruckt und digital – das mit Abstand größte Informationsangebot zum lokalen Geschehen.

Aus den oben genannten Gründen ist es deshalb unausweichlich, auch die digitalen Leser an der Finanzierung von Zeitungsinhalten zu beteiligen. Gleichzeitig ist es auch eine Frage der Gerechtigkeit, da die Leser der Druckausgabe sowieso schon immer für unsere Inhalte bezahlt haben. Über 100 deutsche Zeitungen sind diesen Weg inzwischen auch gegangen: von der Lokalzeitung bis zum überregionalen Titel. International sind Bezahlmodelle für digitale Nachrichtenmedien ebenfalls auf dem Vormarsch.

Deutlicher Preisvorteil für Print-Abonnenten

Obwohl die digitalen Angebote von solinger-tageblatt.de mit erheblichem zusätzlichen Aufwand gegenüber der reinen Produktion einer gedruckten Zeitung hergestellt werden, hätten wir unseren Print-Abonnenten gerne einen kostenlosen Zugang zu den Web-Inhalten eingeräumt. Hier macht uns jedoch leider der Staat einen Strich durch die Rechnung. Dies hängt mit den unterschiedlichen, rational nicht erklärbaren Mehrwertsteuersätzen für gedruckte (7 Prozent) und digitale Zeitungen (19 Prozent) zusammen. Wenn wir unseren Print-Abonnenten einen kostenlosen Zugang zu den Web-Inhalten einräumen würden, müsste ein erheblicher Teil des Gesamtabopreises mit dem höheren Mehrwertsteuersatz belastet werden. Dies würde zu einer deutlichen Verteuerung des Abo-Preises führen – auch für Abonnenten, die unter Umständen gar kein Interesse an dem Zugriff auf die digitalen Inhalte haben.

Deshalb sind wir leider gezwungen, unseren Print-Abonnenten bei entsprechender Bestellung einen „symbolischen“ Preis von 90 Cent pro Monat für den Webzugriff zu berechnen. Gegenüber den reinen Digitalkunden ist das ein klarer Preisvorteil. Diesen bieten wir die Nutzung unseres Portals für fünf Euro pro Monat an.

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