ZDF löscht Beitrag

Türkei-Botschafter: Böhmermann-Satire grenzt an Rassismus

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"Ich denke, wir haben heute am 1. April 2016 gemeinsam mit dem ZDF eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind. Endlich!", sagt Jan Böhmermann zu dem vom ZDF zensierten Satire-Beitrag über Erdogan.

Mainz - Jan Böhmermann hat wieder einmal provoziert. Diesmal ging es etwas weit. Das ZDF zeigt einen seiner Beiträge nicht noch einmal.

Das ZDF hat in der Nacht zu Samstag in Jan Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale“ einen Beitrag gestrichen. Wie vom Sender angekündigt, war das Schmähgedicht des Satirikers und Grimmepreisträgers über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan darin nicht mehr zu sehen. Wegen einer Programmänderung nach dem Tod von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher verschob sich die Sendung außerdem von Mitternacht auf 1.15 Uhr. In der ersten Ausstrahlung auf ZDFneo am Donnerstag las Böhmermann das Gedicht vor, wies aber selbst darauf hin, dass solche Schmähkritik in Deutschland nicht erlaubt sei. „Das kann bestraft werden.“ Die Verse enthalten zahlreiche Formulierungen, die unter die Gürtellinie zielen.

Der türkische Botschafter in Berlin, Hüseyin Avni Karslioğlu, sagte dem Magazin jetzt , der Beitrag grenze an das Rassistische. Hunderte Beschwerde-Anrufe habe er dazu bekommen.

Böhmermann nahm mit dem „Schmähkritik“ überschriebenen Gedicht Bezug auf das NDR-Fernsehmagazin „extra 3“, das zuvor einen umstrittenen satirischen Beitrag über Erdogan ausgestrahlt hatte. Der türkische Präsident hatte erbost darauf reagiert, der deutsche Botschafter in Ankara wurde einbestellt.

Solche Beiträge seien in Deutschland durch die Kunst- und Pressefreiheit gedeckt, hatte Böhmermann in der Erstausstrahlung erläutert. „Das darf man hier.“ Anders als herabwürdigende Schmähkritik, die nicht erlaubt sei. „Vielleicht erklären wir das an einem praktischen Beispiel“, kündigte der Satiriker an und trug dann das „Schmähkritik“-Gedicht vor - mit dem Hinweis „Was jetzt kommt, das darf man nicht machen“.

Das ZDF hatte am Freitag mitgeteilt, der Beitrag im „Neo Magazin Royale“ entspreche nicht den Ansprüchen, die der Sender an die Qualität von Satiresendungen stelle und angekündigt, die Passage zu entfernen. Auch in der ZDF-Mediathek und im YouTube-Kanal von „Neo Magazin Royale“ war er nicht mehr abrufbar. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler erklärte in einer Stellungnahme: „Wir sind bekannt dafür, dass wir bei unseren Satire-Formaten breite Schultern haben und den Protagonisten große Freiräume geben.“ Es gebe aber Grenzen der Ironie und der Satire.

„Unter Umständen nimmt man's aus der Mediathek.“

In der Nacht zum Samstag war in der Sendung weiterhin ein Erdogan-Foto im Hintergrund zu sehen, auch der Titel lautete nach wie vor „Böhmerwie, Böhmerwo, Böhmermann“, eine Anspielung auf den „extra 3“-Beitrag „Erdowie, Erdowo, Erdowan“ - nur der Beitrag mit dem Gedicht fehlte. Unklar ist, inwieweit Böhmermann mit der Provokation genau das erreichen wollte, was dann eingetreten ist. „Was könnte da jetzt passieren?“ fragte er nach dem Vorlesen des Gedichts bei der Erstausstrahlung. Sein Partner Jan Kabelka mutmaßte: „Unter Umständen nimmt man's aus der Mediathek.“ So kam es dann auch.

Das Team der Satire-Kollegen von der „heute show“ twitterte am Freitagabend: „Das war die #heuteshow! Hoffentlich darf sie auch ungekürzt in die Mediathek.“ Jan Böhmermann kommentierte das nicht - schickte aber einen Retweet an seine Follower.

Jan Böhmermanns Managerin kommentierte den Vorfall nicht und verwies auf die entsprechenden Erklärungen des Senders in Mainz. Auf seiner Facebook-Seite war am Abend folgender Eintrag zu lesen: "Ich denke, wir haben heute am 1. April 2016 gemeinsam mit dem ZDF eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind. Endlich!"

dpa/wes

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