Portrait eines Psychiaters

Eine Reise in die menschliche Psyche

Der neue Dokumentarfilm "Yaloms Anleitung zum Glücklichsein" ist ein intimer Einblick in das Leben und Arbeiten des berühmten Psychiaters Irvin D. Yalom. Die Kritik zum Film:

Tja, was braucht’s zum Glücklichsein? Die eine Antwort darauf finden wir in diesem Film nicht. Aber: die dringende Aufforderung, sich mit Fragen wie dieser auseinanderzusetzen. Denn Leben nach dem Tod hin oder her – eines ist sicher: Sterben müssen wir alle. Vorher glücklich und alles ausschöpfend zu leben, das ist das Ziel.

Die Schweizer Regisseurin Sabine Gisiger ist nicht immer ganz glücklich mit der Übersetzung des Titels ihres Dokumentarfilms über den wohl bedeutendsten Vertreter der existenziellen Psychotherapie, Bestsellerautor Irvin D. Yalom. Die Parallele zu Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“, die gefällt ihr; gleichzeitig hat sie etwas Sorge, dass es sich wie ein billiger Ratgeber anhören könnte. Denn das ist dieser Film nicht. Sondern eine philosophische Reise in die Welt eines Menschen, der schon alles durchdacht zu haben scheint.

Dieser alte, man darf in diesem Fall wohl sagen: weise Mann, der mit Büchern wie „Die Schopenhauer-Kur“, „Und Nietzsche weinte“ oder „Die rote Couch“ einem sehr breiten Publikum bekannt geworden ist, hat viel zu sagen über Leben und Tod, Liebe und Freundschaft, Reue und Vergebung. Es ist Gisigers Verdienst, dass es ihr gelungen ist, aus all den Gedanken, die Yalom ihr bei den gemeinsamen Gesprächen vermittelt hat, die entscheidenden herauszufiltern; es ist gewissermaßen die Essenz der wichtigsten Botschaften seiner Bücher. Die besondere Stärke aber sind die Pausen, die die Regisseurin setzt. Wenn die Kamera minutenlang wogende Meeresfluten einfängt, dann zwingt sie auch den Zuschauer dazu, innezuhalten und über all das Gesagte nachzudenken. Was müsste man heute tun, um in einem Jahr keine Reue mehr zu empfinden? Wo will man hin? Was ist der Sinn des Lebens? Die Antworten muss jeder selber finden.

„Yaloms Anleitung zum Glücklichsein“

Regie: Sabine Gisiger

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie die Bücher von Irvin D. Yalom schätzen.

von Katja Kraft

Rubriklistenbild: © DasKollektiv/Alamode Film

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