Investigativ und virtuos

Unser Film der Woche: "Spotlight" - Großartiges Schauspielerkino

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Ein investigatives Reporterteam deckte 2001 einen Missbrauchsskandal auf. 

München - Thomas McCarthys „Spotlight“ kommt mit klaren Bildern, schnellen Schnitten und einer guten Story ganz ohne visuelle Mätzchen aus. Ein heißer Oscar-Kandidat.

Was für die „Washington Post“ 1972 die Watergate-Affäre war, bedeutete 2003 für den „Boston Globe“ ein gigantischer Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in den USA. Als Marty Baron (Liev Schreiber) 2001 neuer Chefredakteur des „Boston Globe“ wird, setzt er die Redaktion „Spotlight“, ein Reporterteam voller Spitzenkräfte, auf eine bisher weitgehend unbeachtete Geschichte an. Eine kleine Meldung war es, die Baron kurz zuvor ins Grübeln brachte, und siehe da – der Mann hatte den richtigen Riecher. Nach ausführlicher Recherche türmen sich die Beweise zu Bergen.

Es gibt innerhalb der katholischen Kirche, das ergeben die Nachforschungen des Teams, nicht nur einen Fall von Kindesmissbrauch durch einen katholischen Priester. Die Zeugenaussagen decken und verdichten sich, bis sich ein verheerendes Bild ergibt. Wo zu Beginn der Recherchen nur ein einzelner Priester im Mittelpunkt stand, sind es nun außerdem mehr als 80 seiner Kollegen. Pädophile überall. Und die Kirche hat nicht nur dazu geschwiegen, sondern ihre schwarzen Schäfchen auch wissentlich geschützt und schnell versetzt, wenn sich in einer Gemeinde die Gerüchte zu massiven Vorwürfen erhärteten.

Das Aufdecken der alle US-Bundesstaaten übergreifenden, viele Jahre verschwiegenen Missbrauchsfälle zog nach der umfassenden Artikelserie des „Globe“ vor knapp 15 Jahren weite Kreise. Die investigativen Journalisten wurden 2003 mit dem Pulitzer-Preis belohnt. Thomas McCarthy hat aus der wahren Geschichte, angereichert mit aus rein dramaturgischen Gründen nötiger Fiktion, einen im besten Sinne altmodischen Film gemacht. Mit einer Verbeugung vor Klassikern des Genres wie Alan Pakulas „Die Unbestechlichen“ von 1976 beschreibt McCarthy, wie investigativer Journalismus funktioniert. Und verdeutlicht damit auch, was mit einem Wegfall dieser Art des Journalismus verloren gehen würde. Er setzt auf klare Bilder. Allein der geschickte Schnitt sorgt gelegentlich für ein beachtliches Tempo. Seine Story ist so gut und das Drehbuch so geschliffen formuliert, da sind Spezialeffekte und andere visuelle Mätzchen gar nicht nötig.

„Spotlight“ ist virtuos in Szene gesetztes, großartiges Schauspielerkino. Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn sich am Sonntag nicht einige der Oscarnominierungen in goldene Trophäen verwandeln werden.

„Spotlight“

mit Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams

Regie: Thomas McCarthy

Laufzeit: 128 Minuten

Hervorragend 

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Die Unbestechlichen“ mochten.

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