Prominent besetztes Drama

"Maps to the Stars" entzaubert Hollywood

München - Im neuen Drama "Maps to the Stars" mit Julianne Moore und John Cusack geht es um eine typische Hollywood-Familie, deren Glanz langsam zu bröckeln beginnt. Die ausführliche Kritik zum Film:

Im Vorspann ist es einer dieser Stadtpläne, die Touristen in Hollywood kaufen, um die Villen der Stars zu finden; im Nachspann eine Sternenkarte vom Firmament. Doch beides sieht nicht zufällig identisch aus: David Cronenberg behandelt die Filmindustrie in L.A. wie einen eigenen Kosmos, die „Reichen und Schönen“ wie wahrhaft Außerirdische.

Das Drehbuch von Bruce Wagner („Wild Palms“), das seine Ursprünge noch in den 1990ern hat, war wohl einst als nachtschwarze Hollywood-Satire gedacht. Doch den Zahn zieht ihm Cronenberg weitgehend. Er inszeniert gewohnt spröde, gegen jedes komödiantische Timing, gegen naturalistisches Schauspiel; er bläst die Bilder so klinisch frei von Geheimnis, Schlupfwinkeln, allem Uneindeutigen, dass sie schon wieder rätsel- und geisterhaft wirken.

Es geht in „Maps to the Stars“ vor allem um Familien-Konstellationen: Da ist die alternde Diva Havana Segrand (Julianne Moore, Cannes-prämiert) – die in einem Film ihre berühmte, einst durch Feuer umgekommenen Mutter darstellen will. Da ist die von Brandnarben entstellte Agatha (Mia Wasikowska), die zu Havanas Assistentin wird. Agatha ist gerade nach langem Psychiatrie-Aufenthalt zu Eltern und Bruder zurückkehrt: der Vater (John Cusack) ein Esoterik-Psycho-Guru, die Mutter (Olivia Williams) Managerin ihres Sohns, eines egomanischen Kinderstars zwischen Macaulay Culkin und Justin Bieber. Zwischen allen spukt eine unausgesprochene Vergangenheit herum, lodert etwas Verdrängtes.

Cronenberg gibt einmal mehr den kühlen Kartografen psychischer Deformationen. Dabei verweigert er so sehr den, sei’s hassend oder liebevoll, emotionalen Spott der Satire, dass, ehrlich gesagt, manchmal schwer ist zu entscheiden, was absichtlich kantig-ungelenk und was schlicht misslungen ist.

„Maps to the Stars“

mit Julianne Moore, Mia Wasikowska und John Cusack Regie: David Cronenberg

Ihnen gefallen, wenn Sie „Cosmopolis“ oder „Eastern Promises“ mochten.

von Thomas Willmann

Rubriklistenbild: © Caitlin Cronenberg/MFA / dpa

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