Trailer und Kritik

Bogdanovichs "Broadway Therapy": Wunderbare Wirrnisse

Peter Bogdanovich legt nach zwölfjähriger Kino-Pause die charmant altmodische Komödie „Broadway Therapy“ vor.

Ist ein Film gut, kann er Fenster aufstoßen. Bei „Broadway Therapy“ etwa öffnet sich die Leinwand, und wir blicken auf eine Zeit, die vorbei zu sein schien. Wenn überhaupt, dann benutzt als Deko, maximal als Zitat. Doch hier lebt die Vergangenheit. Peter Bogdanovich hat einen übermütigen und charmant altmodischen Film gedreht, der in keinem Augenblick altbacken ist. Ein Widerspruch?

Nein, „Broadway Therapy“ ist eine Screwball-Komödie, wie man sie heute eigentlich nur von Woody Allen erwarten würde. Der aber inszeniert in jüngster Zeit vor allem seiner vergangenen Form hinterher. Bogdanovichs Arbeit ist frech, wortwitzig, skurril, voller (erotischer) Verwirrspiele – und zugleich eine Hommage ans Hollywood-Kino der Dreißiger- und Vierzigerjahre. Kein Wunder, ist doch Irving Berlins „Cheek to Cheek“ mit der berühmten Liedzeile „Heaven, I’m in heaven“ das musikalische Leitmotiv dieser 90 Minuten. Fred Astaire sang die Nummer, als er mit Ginger Rogers übers Parkett schwebte, 1935 in „Top Hat“ und – nach etlichen Verwechslungen – den deutschen Titel jenes Films Wirklichkeit werden ließ: „Ich tanz’ mich in dein Herz hinein“.

Wunderbare Wirrnisse haben auch Bogdanovich und seine Co-Autorin und Ex-Frau Louise Stratten ins Skript von „Broadway Therapy“ hineingeschrieben: Im Zentrum steht Izzy, die als Escort-Girl arbeitet, aber eigentlich Schauspielerin werden möchte; Imogen Poots spielt sie mit wunderbar herbem Charme. Izzy kann ihren Traum verwirklichen, als ihr der Broadway-Regisseur und Frauen-Freund Arnold (Owen Wilson, wie wir ihn kennen) am Ende einer heißen Nacht einen Haufen Geld schenkt. Als Izzy jedoch einige Zeit später ausgerechnet für eine Rolle in Arnolds nächster Inszenierung vorspricht, ist dieser nicht begeistert. Im Gegensatz zu seiner Frau und Hauptdarstellerin Delta (Kathryn Hahn mit Würde, Herz, Hirn), die von der jungen Kollegin ebenso angetan ist wie Arnolds Kumpel und zweiter Hauptdarsteller Seth. Rhys Ifans spielt ihn mit dem Habitus des Playboys, der sich schlicht weigert, das Verfallsdatum seines Sex-Appeals zu akzeptieren.

Um dieses Quartett gruppiert sich eine Riege herrlich skurriler Nebenfiguren. Die sind jedoch nie nur Stichwortgeber, sondern werden von ihren Darstellern liebevoll gestaltet und in ihren jeweiligen Neurosen ernstgenommen: So scheint etwa Jennifer Aniston als überspannte Psychotherapeutin die Rolle ihres Lebens zu spielen.

Bereits 1972 lotete Bogdanovich in „Is’ was, Doc?“ mit Barbra Streisand und Ryan O’Neal aus, wie Screwball-Komödien funktionieren. Sein Film wurde ein Kassenschlager. Mit „Broadway Therapy“ überprüft er jetzt nach zwölfjähriger Kino-Abstinenz seine Definition und liefert eine kurzweilige Variation des Geschlechterkampfs neurotischer Großstädter. Hier wird gezofft und geflirtet, verwechselt und vertuscht, gegockelt und geliebt – Tempo, Witz, Wendungen passen, das spielfreudige Ensemble liefert punktgenau, und für alle Cineasten im Publikum zitiert Bogdanovich fleißig die Filmgeschichte. Deshalb heißt es am Ende nicht nur für seine Figuren: „Heaven, I’m in heaven“. (In München: Astor Cinema Lounge, Leopold, Atelier.)

„Broadway Therapy“ mit Owen Wilson, Imogen Poots, Rhys Ifans, Jennifer Aniston

Regie: Peter Bogdanovich

Laufzeit: 93 Minuten

Rubriklistenbild: © wild bunch/central

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