Kugelrundes Jubiläum

50 Jahre Lottoziehung im TV: Pleiten, Glück und Pannen

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Franziska Reichenbacher verkündet die Lottozahlen seit 1998 im Fernsehen.

Wiesbaden - Jahrzehntelang war es für viele Menschen einer der spannendsten Momente in der Woche: Die Ziehung der Lotto-Zahlen im Fernsehen. Vor 50 Jahren kullerten die Kugeln zum ersten Mal über den Bildschirm.

Das Klackern der Kugeln in der polierten Plexiglas-Trommel und das „Plopp“ bei jeder gezogenen Gewinnzahl haben viele Menschen im Ohr. Am 4. September 1965 übertrug die ARD erstmals live im Fernsehen die Ziehung der Lottozahlen aus dem Studio des Hessischen Rundfunks in Frankfurt. Bis zum Ende der Live-Lotto-Ziehung im Juni 2013 wurden viele Spieler zu Millionären, es gab aber auch einige Pannen. Kurioses und Wissenswertes aus fünf Jahrzehnten:

ARD-PANNEN: Sie sind bei der Ziehung der Glückszahlen selten, sorgten aber manches Mal für viel Wirbel. Eine denkwürdige Panne ereignete sich im Februar 1999. Bei der Live-Ziehung für die Zusatzlotterie „Spiel 77“ brach eine Kugel beim Mischen entzwei und lag in der Trommel. Die Ziehung wurde für ungültig erklärt und nach der Live-Sendung wiederholt. „In der Kürze der Zeit konnten wir den Zuschauern das aber nicht vollständig erklären und so blieb das Fernsehpublikum ratlos zurück. Es gab eine Riesen-Aufregung und Schlagzeilen in den Zeitungen“, erinnert sich Lottofee Franziska Reichenbacher. „Die Geschichte stand danach sogar in Indonesien in der Zeitung, in der Jakarta Post, wie ich später erfahren habe.“

Im Jahr 2011 blieb dann bei der Ziehung der Superzahl die Kugel in der Röhre stecken und fiel nicht in den Behälter, wie Reichenbacher schildert. „Da wir das aber noch in der Live-Sendung erklären konnten und der Aufsichtsbeamte die Korrektheit der gezogenen Zahl bestätigen konnte, gab es da keine Irritation beim Publikum.“

Im Mai 2005 kam es auch zu einem Patzer. Reichenbacher verlas die falsche Zusatzzahl. Schuld war aber nicht die Lottofee. Die zunächst korrekt gezogene Zusatzzahl „18“ wurde wegen einer technischen Panne hinter den Kulissen auf einer Tafel als „8“ eingegeben. So nannte Reichenbacher eine „8“ statt einer „18“. Prompt riefen aufgebrachte Zuschauer beim Sender an.

ZDF-PANNEN: Bei der bisher wohl größten Panne in Deutschland rollten beim Mittwochslotto im ZDF am 3. April 2013 nicht alle Kugeln in die Trommel, zwei hingen fest. Die Zahlen wurden für ungültig erklärt, die Ziehung wurde wiederholt. Wenige Monate später wurde die Sendung abgesetzt.

Am 19. November 2014 ging im ZDF der Beitrag mit den Zahlen der Vorwoche auf den Sender. Nach einer knappen halben Minute wurde die Ausstrahlung gestoppt. Es folgte ein Programmhinweis. In der anschließenden „heute“-Sendung wurden dann die richtigen Zahlen verbreitet.

HÖCHSTE GEWINNE: Ob Lotto „6 aus 49“ oder Eurojackpot: Die richtigen Zahlen haben schon so manchen Deutschen zum Multimillionär gemacht. Im Dezember 2014 räumte ein Handwerker aus Hessen beim Eurojackpot 58,7 Millionen Euro und damit den größte Lottogewinn ab, der jemals in Deutschland ausgeschüttet wurde. Der mit 45,4 Millionen Euro höchste Lotto „6 aus 49“-Gewinn ging im Dezember 2007 an drei Tipper aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Den höchsten Einzelgewinn von 37,7 Millionen Euro sahnte 2006 ein Krankenpfleger aus Nordrhein-Westfalen ab.

ENDE EINER FERNSEH-ÄRA: Seit Sommer 2013 ist die Ziehung der Lotto-Zahlen nicht mehr live im Fernsehen, sondern nur noch im Internet zu sehen. Jeden Mittwoch um 18.25 Uhr und jeden Samstag um 19.25 Uhr rollen die Kugeln nun dort. Allerdings kommen die Klicks lange nicht an die Einschaltquoten in der ARD heran: Durchschnittlich sehen 24 000 Nutzer die Ziehung live im Internet, wie die federführende Saarland Sporttoto mitteilte. Bei der ARD-Fernsehsendung „Lotto am Samstag“ waren es bei den letzten zehn Ziehungen zwischen 1,7 und 3,7 Millionen Zuschauer gewesen.

Die bekanntesten Lottofeen in der ARD

Eine Lottofee gibt es im deutschen Fernsehen seit fast 50 Jahren. Den Satz „Der Aufsichtsbeamte hat sich vor dieser Sendung von dem ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes und der 49 Kugeln überzeugt.“ haben schon mehrere Moderatorinnen dem ARD-Publikum versichert. Drei von ihnen wurden damit sehr bekannt.

Karin Dinslage ließ ab der Premiere 1965 die Kugeln rollen, Karin Tietze-Ludwig (Aufnahme vom Mai 1978) wurde die Lottofee schlechthin.

Karin Dinslage war am 4. September 1965 die erste Dame neben der Lostrommel im TV. Als Fernsehansagerin war sie 1963 zum Hessischen Rundfunk gekommen. Die Frau mit dem Pagenschnitt war ausgebildete Grafikdesignerin, aber auch in einer Augenarztpraxis tätig. Und sie schrieb Kurzgeschichten. Von 1967 an wechselte sich Dinslage mit Karin Tietze-Ludwig ab, bevor sie die Moderation 1971 komplett abgab.

Karin Tietze-Ludwig wurde in ihrer Amtszeit von 1967 bis 1998 die Lottofee schlechthin. In all den Jahren passierte der blonden Westfälin eine einzige Panne, ausgerechnet in der ersten Sendung. Da war sie 26. Die Lichtreflexion im Studio störte sie derart, dass sie die 6 mit der 9 verwechselte. „Viele Zuschauer haben mir nach diesem kleinen Lapsus sehr nette Briefe geschickt“, sagte sie später. Vor ihrer TV-Karriere war sie Sekretärin bei einer Fluggesellschaft.

Franziska Reichenbacher verkündet die Lottozahlen seit 1998 im Fernsehen - allerdings seit Mitte 2013 nicht mehr live, sondern nach der Ziehung. Auch sie tippt. „Ich spiele einen Systemschein mit meinen sieben ganz persönlichen Glückszahlen. Ein paar Mal schon hatte ich damit drei Richtige. Auf den großen Gewinn warte ich noch.“

dpa

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