Kinotrailer und Filmkritik

"Im Herzen der See": "Moby Dick"-Abenteuer mit Chris Hemsworth

Ron Howards „Moby Dick“-Aufguss "Im Herzen der See" bietet einen Cocktail aus Liebe, Sehnsucht und Action, berührt aber kaum.

Es ist die Geschichte zweier Männer. Ach, aber leider wurde sie schon so oft erzählt. Hier der Kapitän (Benjamin Walker) aus angesehenem Hause, der seinen Posten nur seiner Abstammung verdankt. Da der Erste Offizier (Chris Hemsworth), der als Seemann versierter ist, aber für die Chefposition nicht das nötige Stammbuch vorweisen kann. Klassenkampf heruntergebrochen auf zwei Individuen. Vereint auf einem Boot. Nicht auf irgendeinem, sondern auf der Essex – jenem Walfängerschiff, dem Moby Dick einst zum Verhängnis wurde. So erzählt es Herman Melville in seinem Roman von 1851.

Regisseur Ron Howard nimmt sich fast 200 Jahre später den Stoff um dieses Ungetüm ebenfalls vor, nutzt aber eine andere Vorlage. Nathaniel Philbricks Sachbuch „Im Herzen der See“ gewann 2000 den National Book Award, Drehbuchautor Charles Leavitt („Blood Diamond“) zimmerte daraus eine Seefahrergeschichte, wie Hollywood sie liebt: Überlebenskampf, Gesellschaftskritik, Herzschmerz-Cocktail aus Ehrgefühl, Liebe, Sehnsucht, Heimweh. Wie gemacht für die große Leinwand. Leider will es Howard („A beautiful Mind“) jedoch zu groß. Er setzt auf den mächtigen Wirbelsturm, doch versäumt es, in die Tiefe, unter die aufgepeitschten Wellen zu blicken.

Diese wahre Erzählung über eine Horde Testosteron-geladener Männer, deren Schiff vom Wal zerstört wurde und die nun drei Monate (!) lang auf See versuchen, irgendwie zu überleben, hat viel Potenzial für das Ausleuchten menschlicher Seelen. Wenn der Tod lauert, zeigt sich der wahre Charakter. Wie weit ist es noch mit der Moral bestellt, wenn Essen und Trinken ausgehen? Sollte man einem Verletzten, der sowieso schon die letzten Atemzüge tut, noch von den knappen Wasserreserven geben? Wirft man die Toten über Bord – oder isst man sie lieber auf?

All das wird nur angetippt. Irgendwie kommt nicht mehr heraus als eine Mischung aus „Cast away“ und „Fluch der Karibik“. Richtig berührend ist das nicht. Da kann auch die 3D-Technik nicht helfen. Die Wassertropfen auf der Kameralinse brechen den Realismus, und so werden wir stets daran erinnert, alles durch die Kamera zu betrachten. Ein ziemlich gewöhnlicher, technisch und schauspielerisch einwandfreier Blockbuster, der nicht langweilt, aber auch nichts hinterlässt.

von Katja Kraft

„Im Herzen der See“

mit Chris Hemsworth

Regie: Ron Howard

Laufzeit: 122 Minuten

Ein Film, der das Überleben auf hoher See tiefgründiger behandelt, ist „Kon-Tiki“.

Rubriklistenbild: © Warner Bros./dpa

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