Marvels Superhelden im Kino

Unser Film der Woche: „Fantastic Four“

Regisseur Josh Trank tippt in seiner Superhelden-Comicverfilmung „Fantastic Four“ auch tiefer gehende Themen an.

Im November 1961, noch vor den „X-Men“ und den „Avengers“, veröffentlichte die Comic-Schmiede Marvel eine Geschichte mit den „Fantastischen Vier“. Zum ersten Mal stand eine Gruppe von Helden im Mittelpunkt. Die vier, allesamt hoffnungsvolle Jungwissenschaftler, fliegen gemeinsam ins All. Nach einem Unfall kehren sie, durch kosmische Strahlung verändert, als Superhelden auf die Erde zurück. Jeder von ihnen besitzt auf einmal eine besondere Fähigkeit, die sich an die vier Elemente anlehnt. Johnny Storm (Michael B. Jordan) kann sich fortan als „Die menschliche Fackel“ in Flammen setzen. Johnnys Schwester Susan (Kate Mara) steht als Unsichtbare für das Element Luft. Reed Richards (Miles Teller) ist als „Mr. Fantastic“ dehnbar bis zum Zerfließen. Und Ben Grimm (Jamie Bell), jetzt nur noch „Das Ding“ genannt, ist zu einem wandelnden Steinhaufen geworden.

Anschließend retten sie die Menschen auf der Erde vor dem Weltuntergang, den Victor von Doom (Toby Kebbel), der ehemals Fünfte im Bunde, herbeiführen möchte. Der war mit im All, trägt seitdem eine Metallmaske und kann elektrische Strahlung abgeben und umleiten. Das sieht in Josh Tranks Inszenierung sehr wirkungsvoll aus. Allein Johnny als „menschliche Fackel“ kann bei seinen Kämpfen mit spektakulären Effekten punkten. Die Auftritte von Mr. Fantastic mit seinen langen Armen und Beinen scheinen dagegen eher aus der Mottenkiste der Spezialeffekte gefischt. Die zwei vorherigen Adaptionen des Superhelden-Quartetts, die Tim Story 2005 und 2007 drehte, waren schon der unbeholfenen Regie wegen ein Ärgernis und zu Recht schnell vergessen.

Regisseur Josh Trank soll die Ehre der Marvels mit dieser Neuauflage, dem groß angekündigten „Reboot“, retten. Im Vergleich zu den Vorgängern bietet Trank eine stabilere Geschichte und verleiht den vieren stimmige Charakterzüge. In seiner jüngsten Arbeit „Chronicle – Wozu bist du fähig“ gelang es Trank souverän, ernste Themen wie Träume, Ängste und erlittene Verluste seiner Helden organisch zwischen Szenen mit Superheldenkraft zu setzen. Ähnliches gelingt ihm auch bei den „Fantastic Four“, die nicht nur ein rauschendes Spezialeffekte-Feuerwerk abfeiern, sondern tatsächlich tiefer gehende Probleme antippen.

Das macht „Fantastic Four“ noch nicht zum anspruchsvollen Kino, und auch von den jüngsten „Spiderman“- oder „Batman“-Verfilmungen mit ihrer intelligenten Vielschichtigkeit ist man weit entfernt. Dennoch ist in Tranks Arbeit spürbar, dass es bei den Superhelden heute nicht einfach nur krachen darf bis zum Abwinken. Ohne Überlegungen zum ewigen Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit gerät eine Comic-Adaption – wie oft in jüngster Zeit – einfach zu flach.

„Fantastic Four“

mit Kate Mara, Miles Teller

Regie: Josh Trank

Laufzeit: 106 Minuten

Rubriklistenbild: © Constantin Film Verleih/dpa

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