„Back to Black“

"Amy": Denkmal für eine Außergewöhnliche

Asif Kapadia zeigt das Leben der Sängerin Amy Winehouse und setzt ihr damit ein bewegendes Denkmal. Ein außergewöhnliches Talent das 2011 im Alter von nur 27 Jahren starb.

Der dicke Lidstrich war ihr Markenzeichen. Ebenso wie die üppig auftoupierte Hochsteckfrisur. Und natürlich ihre Stimme. Diese kraftvolle, einfühlsame und bebende Stimme, die Hits sang wie „Back to Black“ und „Rehab“. Amy Winehouse war eines der größten Musiktalente ihrer Generation, sie gewann zahlreiche Grammys, und ihre Lieder dominierten lange die internationalen Hitparaden. Doch dann beherrschte die Soulsängerin die Schlagzeilen immer mehr mit ihren Drogen- und Alkoholeskapaden. 2011 starb sie mit nur 27 Jahren in London an einer schweren Alkoholvergiftung. Der britische Regisseur Asif Kapadia setzt ihr nun mit seinem Dokumentarfilm „Amy“ ein bewegendes Denkmal.

Kapadia, der zuletzt mit dem Film „Senna“ über den Formel-1-Fahrer Ayrton Senna (1960–1994) auf sich aufmerksam gemacht hatte, mischt dafür private, bisher unveröffentlichte Aufnahmen der jungen Winehouse mit späteren Fernsehauftritten und unterlegt diese Bilder mit aktuellen Interviews ihrer Wegbegleiter. Er zeigt den Aufstieg der Künstlerin, ihre ersten Auftritte als Jugendliche, ihren internationalen Durchbruch, aber auch ihren Fall. Bulimie und Drogensucht sind in diesen 127 Minuten ebenso Thema wie fragwürdige Entscheidungen, etwa die Wahl ihres Mannes Blake Fielder-Civil, der sie mit Drogen in Kontakt brachte, und der Einfluss, den sie ihrem Vater gewährte.

Unterschiedliche Perspektiven

Unsicherheiten, der Hang zur Selbstzerstörung, Ausnutzung durch andere, das Bedrängen und Einengen durch die Medien: Die Gründe für Winehouses Absturz werden in diesem Film komprimiert mehr als klar. Kapadia bezieht bei all dem keine klare Position, sondern lässt unterschiedliche Perspektiven zu. Und doch entsteht auch der Eindruck, dass Winehouse ein Opfer war, zu vielem gedrängt wurde und besser hätte geschützt werden müssen. Dazu passt die Reaktion ihres Vaters Mitch. Er soll, obwohl er Kapadia für Gespräche zur Verfügung stand, nicht mit dem Werk einverstanden sein.

Dem Regisseur gelingt es mit „Amy“ allerdings eindrucksvoll, das aus den Medien hinlänglich bekannte Bild der Künstlerin zu ergänzen. Ihre Kollegen etwa erzählen von einer begeisterten Jazzmusikerin, für die Nummern wie „Back to Black“ Ausdruck intimster Emotionen waren. Vor allem aber zeigt Kapadia die private Amy Winehouse, eine lebenslustige, humorvolle, charismatische und unfassbar talentierte junge Frau. So erinnern sich enge Freunde an eine freche, sehr herzliche Amy mit einem durchdringenden Lachen. Genau diese Bilder bleiben beim Verlassen des Kinos in Erinnerung – und machen den Verlust umso mehr deutlich. 

Von Aliki Nassoufis

„Amy“

Regie: Asif Kapadia

Laufzeit: 127 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie etwas über den Menschen hinter der öffentlichen Amy Winehouse erfahren wollen.

Rubriklistenbild: © PROKINO Filmverleih/dpa

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