Reit-EM in Aachen

Wieder Silber: Bröring-Sprehe vertreibt Totilas-Frust

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Kristina Bröring-Sprehe strahlt übers ganze Gesicht. 

Aachen - Dressur-Party nach dem Totilas-Aus: Kristina Bröring-Sprehe hat dem deutschen Team bei der Reit-EM in Aachen am Abschlusstag doch noch eine Feierstunde und beinahe sogar noch Gold beschert.

Die 28-Jährige holte in der Kür mit Desperados hervorragende 88,804 Punkte und musste sich damit nur ganz knapp der Britin Charlotte Dujardin mit dem diesmal nicht haushoch überlegenen Valegro (89, 054) geschlagen geben. „Ich freue mich natürlich über Silber, aber dass ich so knapp Gold verpasst habe, ärgert mich schon ein bisschen“, sagte Bröring-Sprehe.

Beim Glanzritt der derzeit besten deutschen Dressurreiterin befand Totilas-Reiter Matthias Rath schon auf dem Weg in den Urlaub. Dafür war Fußball-Weltmeister Thomas Müller Zaungast in der Soers und lächelte nach Bröring-Sprehes gelungenen Kür genauso fröhlich wie die Reiterin in die Runde.

Vor knapp 40.000 Zuschauern im Aachener Springstadion kam die starke Spanierin Beatriz Ferrer-Salat (82,741) mit Delgado auf Rang drei. Die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg/82, 482) folgte nach einer starken Vorstellung mit dem 14 Jahre alten Wallach Don Johnson auf Rang vier, nur hauchdünn geschlagen. Jessica von Bredow-Werndl (Aubenhausen/80,214) kam mit dem niederländischen Hengst Unee auf Rang sieben.

Bröring-Sprehe und ihr 14 Jahre alter Hengst Desperados harmonierten ähnlich gut wie bei Platz zwei im Special miteinander und sind auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Laufbahn angekommen. „Das heute wieder eine Toprunde, ich hatte ein fantastisches Gefühl“, sagte Silber-Kristina.

Werth freut sich über den vierten Platz

Für „Deutschlands schönste Reiterin“ (Bild) scheint nur Dujardin noch unerreichbar zu sein. Die Britin reitet seit Jahren in einer eigenen Liga und darf sich jetzt viermalige Europameisterin, zweimalige Weltmeisterin und Doppel-Olympiasiegerin nennen.

Grund zur Freude hatte auch Werth, obwohl sie ihre 19. EM-Medaille knapp verpasste. „Johnny hat heute die Kür seines Lebens geritten. Es war ein großartiges Erlebnis in diesem Stadion. Dieses Moment nimmt mir keiner mehr“, sagte Werth, die seit 1989 bei Europameisterschaften reitet. Nach der trüben Stimmung wegen des Ausfalls von Totilas sagte sie: „Ich wünsche ihm einen schönen Abschied. Ich glaube, dass das Thema Totilas in Zukunft kein Thema mehr sein soll.“

Bereits am Vortag hatte Werth Klartext gesprochen. Nachdem sie sich mit „Johnny“ im Special einmal verritten hatte, meinte die 46-Jährige: „Ich wollte mal die dümmste Blondine sein, die hier rumläuft.“ Zum Abschluss in der Kür machte sie mit ihrem Zweitpferd Don Johnson alles wieder gut. Bei Olympia in Rio im kommenden Sommer will die 46-Jährige Juristin wieder ihre noch verletzte Stute Bella Rose satteln.

Auch von Bredow-Sprehe war mit ihrer Vorstellung zufrieden. „Es war nicht unsere allerbeste Kür, aber unter den Umständen mit der Achterbahnfahrt der Gefühle in der vergangenen Woche ist es ok“, sagte die 29-Jährige, die erstmals bei einem Championat dabei war: „Klasse, bombastisch, diese Stimmung. Und dann alles im eigenen Land“, sagte die Reiterin aus Bayern.

Sorge um Totilas

Deutschlands vierter Reiter Matthias Rath war wegen während der Kür nicht mehr im Stadion und schon auf dem Weg in den Süden. Totilas musste nach Bronze im Grand Prix wegen einer Unreinheit im Takt aufgeben. Die Diagnose nach einer Untersuchung in einer Klinik in Belgien war ernüchternd. Knochenödem im linken Hinterbein - das Karriere-Aus droht. Über ein mögliches Comeback sagte selbst Bundestrainerin Monica Theodorescu: „Ehrlich gesagt, das wird ganz schwer.“

Auch Totilas' niederländischer Trainer Sjef Janssen blickte angesichts der langen Leidenszeit besorgt in die Zukunft. „Er kämpft ständig mit Robben-Verletzungen“, sagte Janssen dem TV-Sender NOS in Anspielung auf Bayern Münchens Starfußballer Arjen Robben: „Er hat eine Verletzung nach der anderen, aber wir hatten ihn wieder in Form gebracht. Da wird man wahnsinnig. Vielleicht müssen wir ihm sein Altenteil gönnen.“

SID

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