Viele Skandale, aber keine großen Siege

Das deutsche Profiboxen hängt in den Seilen

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Boxweltmeister Sturm wegen Dopings.

Berlin - Das deutsche Profiboxen steckt tief in der Krise. Die negativen Schlagzeilen häufen sich, die sportlichen Erfolge bleiben aus.

Schlechte Quoten, ein laxer Umgang mit dem Dopingproblem - und nur noch ein Weltmeister: Das deutsche Profiboxen hängt mächtig in den Seilen, die einst so profitable Branche kämpft mehr denn je ums Überleben. Nach der Rückgabe des WM-Gürtels durch Felix Sturm und der jüngsten WM-Niederlage von Jürgen Brähmer gibt es in Jack Culcay in den großen Verbänden nur noch einen deutschen Box-Champion, den aber die breite Öffentlichkeit kaum kennt.

Die Quoten strafen den Sport ab

Für die Altstars ist die Krise hausgemacht. "Das Boxen tritt seit geraumer Zeit nicht mehr überzeugend auf", sagte Ex-Weltmeister Henry Maske dem SID: "Der Zuschauer hat uns eine klare Antwort gegeben. TV-Quoten unter zwei Millionen Zuschauern sind kein gutes Argument." Es werde viel über Skandale geredet, aber nur wenig über Sport, kritisierte Maske: "Das Boxen rückt wieder in die Schmuddelecke, wo es vor 1990 schon einmal war."

Auch Graciano Rocchigiani lässt kein gutes Haar am Zustand des deutschen Profiboxens. "Es wimmelt von völlig sinnlosen Titelkämpfen, es wimmelt von Pseudo-Champions, die früher bei einer Amateurmeisterschaft die erste Runde nur mit einem Freilos überstanden hätten", sagte "Rocky" der Berliner Morgenpost. Ex-Champion Sven Ottke überrascht die Krise ebenfalls nicht: "Dass wir ein Nachwuchsproblem bekommen, war schon länger abzusehen."

Probleme auch bei den Stars

Doch auch die "Alten" haben Probleme. Sturm (37) war bei seinem Punktsieg gegen den Russen Fedor Tschudinow am 20. Februar positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet worden. Das Ergebnis der B-Probe wird für kommende Woche erwartet. Seinen WM-Gürtel hat der Supermittelgewichtler zurückgegeben, allerdings mit der offiziellen Begründung, er könne wegen einer Ellenbogen-Operation in diesem Jahr nicht mehr kämpfen.

Selbst wenn ihn auch die B-Probe als Dopingsünder entlarven sollte, droht Sturm vom Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) höchstens eine Einjahressperre. "Mein nächster Kampf Mai/Juni 2017 in Sarajevo", ließ der gebürtige Leverkusener mit bosnischen Wurzeln bereits über Twitter verlauten.

"Der BDB weigert sich beharrlich, die Regeln der NADA und WADA anzuerkennen und umzusetzen", kritisierte Lars Mortsiefer, Vorstand bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. Mehr Ungemach droht Sturm durch die Kölner Staatsanwaltschaft, die wegen des Dopingverdachts gegen ihn ermittelt. Seit Dezember 2015 ist Doping in Deutschland im Strafrecht verankert.

Es fehlt der Nachwuchs

So oder so: Weder der 37-jährige Sturm noch der ein Jahr ältere Brähmer, der seinen WM-Titel am vergangenen Wochenende wegen einer Ellenbogenverletzung an Nathan Cleverly verloren hatte, können die Trendwende im deutsche Profiboxen einleiten. Brähmers verlorenen WM-Kampf wollten nur 1,87 Millionen TV-Zuschauer sehen.

Auch der entthronte "König Arthur" Abraham (36) und Marco Huck (31), Weltmeister des unbedeutenden IBO-Verbandes, sind keine Gallionsfiguren mehr. Tyron Zeuge (24) und Vincent Feigenbutz (21) haben Talent, das Format eines Champions haben sie aber noch nicht. "Wir müssen hoffen, dass irgendwann wieder ein Rohdiamant rausfällt", sagte BDB-Präsident Thomas Pütz.

Großbritannien setzt seit Jahren nicht nur auf das Prinzip Hoffnung, sondern auf systematische Talent- und Trainerförderung. Der Lohn: Aktuell befinden sich 15 WM-Gürtel in den Händen britischer Boxer. Davon kann Box-Deutschland zurzeit nur träumen.

SID

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