Plötzlich nur noch dritte Kraft

Vettels Intuition kaschiert Ferraris Rückschritt

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Nur mit Unterstützung des Wettergottes auf dem Podium: Sebastian Vettel war in Silverstone mit Ferrari eigentlich deutlich langsamer als Mercedes und Williams.

Silverstone - In Silverstone landete Sebastian Vettel einmal mehr auf dem Podium der Formel 1. Dennoch verdeutlichte der Grand Prix den Rückschritt von Ferrari gegenüber Mercedes.

Der erste Jubel bei Ferrari war kaum verklungen, da legte Sebastian Vettel den Finger bereits in die Wunde. Die Rückkehr auf das Podest nach sechs schwierigen Wochen, so der viermalige Weltmeister, sei kein Anlass zur Euphorie - im Gegenteil. „Das war ein perfektes Ergebnis, das wir so eigentlich nicht verdient haben“, sagte Vettel.

Der Heppenheimer hatte die Gefahr erkannt, sein dritter Platz im Chaos von Silverstone war ein vergifteter Erfolg. Für die Scuderia und ihren neuen Star geht es bergab, der Große Preis in England war der nächste Rückschritt.

Mercedes um Heim-Sieger Lewis Hamilton war erneut außer Reichweite für die Roten, und Williams entriss Ferrari vorerst den Status als zweite Kraft der Formel 1 - einzig dem einsetzenden Regen und einem späten Geistesblitz von Vettel war es zu verdanken, dass die Scuderia erstmals seit dem Großen Preis in Monaco Ende Mai an der Siegerehrung teilnehmen durfte.

Vettel ehrlich: "Wetter hat uns geholfen"

„Wir haben sehr vom englischen Wetter profitiert“, sagte Vettel, „es tut mir ja leid für die Fans, die nass geworden sind. Aber uns hat das geholfen.“ Denn kurz vor Rennende fiel Regen aus den dunklen Wolken über Silverstone, Fahrer und Teams standen vor einer kniffligen Entscheidung: Nur einige Stellen der Strecke waren zunächst nass, und nur noch wenige Runden waren bis zur Zielflagge zu überstehen.

„Es wurde in wenigen Minuten ziemlich dunkel, und in dem Moment wusste ich, dass die nächste Entscheidung ganz wichtig ist“, sagte Vettel, „eine gewisse Erfahrung hilft dabei, aber es ist vor allem Intuition.“ Eigentlich nur Sieger Hamilton und Vettel trafen die riskante Bauchentscheidung im richtigen Moment und kamen für den Wechsel auf Intermediate-Reifen früh genug an die Box. Das spülte Vettel an den Williams-Piloten vorbei aufs Treppchen, als der Regen wie vom Hessen erwartet stärker wurde.

Mercedes verleiht Williams Flügel

Die Liste der Probleme bei Ferrari war jedoch lang. „Das Glas ist halb leer, nicht halb voll“, sagte auch Teamchef Maurizio Arrivabene: „Wir waren langsam auf den Geraden und haben auch in den schnellen Kurven nichts aufgeholt. Wenn wir ernsthaft arbeiten wollen, müssen wir uns mit diesen Problemen beschäftigen.“

Denn immer deutlicher wird, dass die Silberpfeile das Entwicklungsrennen vorerst für sich entschieden und damit auch Williams, ihrem stärksten Motorenkunden, Flügel verliehen haben. Seit Mercedes in Sachen Antrieb vor einem Monat in Kanada die nächste Stufe gezündet hat, verliert die Scuderia an Boden. Die Wirkung der zeitgleich umgesetzten Ferrari-Updates an Motor und Aerodynamik verpufft dagegen - Rückschritte statt Aufholjagd für den Rennstall aus Maranello, es droht eine schwierige zweite Saisonhälfte.

„Wir müssen uns auf jeden Fall verbessern“, sagt Vettel daher: „Wenn man sich die Abstände anschaut, dann konnten wir nicht mithalten. Wir waren langsamer als in den vorherigen Rennen.“ In der Theorie sollte zumindest die fließende, kurvige Strecke beim kommenden Grand Prix in Ungarn (26. Juli) Ferrari besser liegen als den stark motorisierten Williams. Im letzten Rennen vor der Sommerpause wäre ein erneuter Rückschritt daher ein echtes Alarmsignal.

SID

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