"Massives Problem": Ex-FIA-Chef warnt vor F1-Kollaps

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Max Mosley empfiehlt für die Formel 1 eine Budgetgrenze einzuführen. Foto (2009): Gerry Penny Foto: epa Gerry Penny

Die Krisensymptome der Formel 1 sind schon lange nicht mehr zu übersehen. Max Mosley, der frühere Präsident des Weltverbands, fordert endlich gemeinsame Gegenmaßnahmen. Sein Notfall-Rezept hat die Formel 1 aber schon einmal fast zerrissen.

Berlin (dpa) - Die Formel 1 steuert nach Ansicht des früheren Weltverbandschefs Max Mosley auf einen Crash zu. "Wenn es so weitergeht, dann bricht die Formel 1 zusammen", sagte der Brite der Deutschen Presse-Agentur vor dem Großen Preis von China am Wochenende.

Die Ursachen der Krise sind für Mosley klar: ungerechte Verteilung der Einnahmen, völlig überhöhte Ausgaben und zu viel Macht in den Händen von Chefvermarkter Bernie Ecclestone und den Top-Teams.

"Man muss alle Teams an einen Tisch bringen und ihnen erklären, dass die Formel 1 ein massives Problem hat, weil einige genug Geld haben, die meisten aber nicht", mahnte Mosley rasches Handeln an.

Spätestens mit der Insolvenz der Rennställe Caterham und Marussia am Ende der Vorsaison zeigte sich die wachsende Notlage am hinteren Ende des Feldes. Manor ist in dieser Saison mit der Erbmasse von Marussia weder finanziell noch sportlich konkurrenzfähig.

Auch die Teams Sauber, Force India und Lotus haben schon länger Geldsorgen und können nur dank der Millionen, die sogenannte Bezahlfahrer mitbringen, den Rennbetrieb sichern. "Wenn ein Team fünfmal soviel Geld hat, ist der Effekt der gleiche, als wenn sie einen größeren Motor hätten. Das ist unfair", urteilte Mosley.

Selbst Ecclestone hatte jüngst die bedrohliche Lage seines Vollgas-Geschäfts eingeräumt. "Wir reparieren seit Jahren ein altes Haus. Das ist falsch", bekannte Mosleys langjähriger Weggefährte.

Ecclestone fürchtet um die Attraktivität seines Produkts. Sinkende Zuschauerzahlen auf einigen Märkten, die gescheiterte Rettung des Deutschland-Rennens für dieses Jahr und die jüngste Debatte um einen Ausstieg von Renault sind bedenkliche Signale. Die Formel 1 sei ein kranker Patient, konstatierte Ecclestone.

Als Gegenmittel empfiehlt Mosley ein Rezept, das er der Formel 1 am Ende seiner 16-jährigen Amtszeit als Präsident des Internationalen Automobilverbands FIA selbst verordnen wollte: die Budgetgrenze. "Was passieren muss, ist, dass das Geld, was durch Bernie Ecclestones Vermarktung in die Formel 1 kommt, unter allen Teams gleichmäßig verteilt wird und die Teams nicht spürbar mehr als das ausgeben dürfen", erklärte der 74-Jährige. 900 Millionen Dollar schüttet Ecclestone pro Jahr an die Rennställe aus, das allermeiste jedoch an die Branchenriesen wie Ferrari und Red Bull.

2008 war Mosleys Vorstoß für ein Ausgabenlimit auf heftigen Widerstand gestoßen, einige der großen Teams drohten gar mit der Gründung einer eigenen Rennserie und kippten so die Pläne. Inzwischen sieht sich Mosley in seiner damaligen Politik bestätigt. "Also müssen alle gemeinsam an einem Wandel mitwirken", forderte Mosley.

Tiefgreifende Reformen zur Sanierung der Rennserie aber scheiterten zuletzt an der fehlenden Einigkeit. "Verträge können nur geändert werden, wenn alle zustimmen", erklärte Mosley. Auch Ecclestone wirft den Teams Egoismus vor. "Sie tun nichts für den Sport, nur für sich selbst. Es gibt Leute im Fahrerlager, die nicht über das nächste Rennen hinausdenken", klagte Ecclestone.

Der gesunkene Einfluss der FIA auf den Regelprozess ist laut Mosley einer der Gründe für die Probleme der Formel 1. "Man braucht ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Sport und dem Geld", erklärte der Jurist, der über Jahrzehnte als Mitgründer des March-Teams und Funktionär in der Formel 1 engagiert war. Diese Macht-Balance sei seit seinem Abschied offenbar verloren gegangen. Dennoch sei eine Bewältigung der Krise durchaus möglich. "Aber man muss es den Leuten wirklich glasklar machen", betonte Mosley.

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