Leichtathletik-EM

"Oben-ohne-Jubler" sorgt erneut für Wirbel

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Mahiedine Mekhissi-Benabbad jubelte diesmal angezogen, aber provokant.

Zürich - "Oben-ohne-Jubler" Mahiedine Mekhissi-Benabbad ließ diesmal sein Trikot an, trotzdem sorgte der umstrittene Franzose erneut für Aufregung im Letzigrund.

Der 29-Jährige ließ der Konkurrenz um den deutschen WM-Fünften Homiyu Tesfaye (Frankfurt) keine Chance und legte auf den letzten Metern deutlich in Führung liegend einen provozierenden Jubel hin. Wild mit den Armen gestikulierend, trabte Mekhissi-Benabbad nur noch ins Ziel (3:45,60 Minuten). Von den Zuschauern wurde er für seine Gesten mit Pfiffen abgestraft.

„Ich war sehr motiviert und bin mit Wut im Bauch gelaufen. Ich bin sehr stolz“, sagte Mekhissi-Benabbad: „Ich habe wie ein Champion auf meine Disqualifikation reagiert. Es gibt nicht viele Athleten, die in der Lage sind zu schaffen, was ich geschafft habe.“

Das deutsche Trio um Tesfaye verpasste eine Medaille. Der gebürtige Äthiopier Tesfaye (3:46,46) wurde erneut Fünfter, nachdem ihm im Schlussspurt die Kraft gefehlt hatte. Der deutsche Meister Timo Benitz (LG Nordschwarzwald) wurde Siebter (3:47,26), Florian Orth (Regensburg) landete auf Rang zehn (3:54,35). Silber ging an den Titelverteidiger Henrik Ingebrigtsen (3:46,10/Norwegen) vor Chris O'Hare (3:46,18/Großbritannien).

Schon am Donnerstagabend hatte Mekhissi-Benabbad für einen kleinen Eklat gesorgt, als er im Siegestaumel bei der EM in Zürich Kontrolle und Anstand verlor, sich auf der Zielgeraden des 3000-m-Hindernis-Finals das Trikot vom Leib riss, halbnackt zum vermeintlichen Titel stürmte und deshalb disqualifiziert wurde. Es war nicht das erste Mal, dass der Franzose negativ auffiel.

Sportlich ist der 29-Jährige aus Reims ein Großer: Zweimal Hindernis-Europameister, zweimal Olympiazweiter, zweimal WM-Dritter. Doch gleichzeitig ist seine Karriere eine einzige Aneinanderreihung von Auffälligkeiten und Aussetzern. Freunde hat Mekhissi-Benabbad in der Szene deshalb kaum.

2011 beim Diamond-League-Meeting in Monaco gerieten er und sein Landsmann Mehdi Baala sich im Ziel des 1500-m-Rennens in die Haare. Aus einer hitzigen Debatte wurde ein veritabler Faustkampf, der live in Dutzende Länder übertragen wurde. Für beide Streithähne gab es zehn Monate Sperre, 1500 Euro Geldstrafe und 50 Stunden Sozialarbeit.

Neben Konkurrenten bekamen vor allem Maskottchen regelmäßig die Wut Mekhissi-Benabbads zu spüren. Zürichs Mottotier „Cooly“ kam nach der Disqualifikation des Hindernis-Stars zwar ungeschoren davon, seine beiden Vorgänger hatten allerdings weniger Glück.

„Appy“ zum Beispiel, Maskottchen der EM 2012 in Helsinki, wollte Mekhissi-Benabbad nach dessen Sieg im Ziel eine Geschenk-Tüte überreichen. Der Franzose schlug dem freundlichen Gratulanten den Beutel aus den Händen und stieß „Appy“ mit beiden Händen um. Dass im Kostüm ein 14-jähriges Mädchen steckte, machte die Aktion nicht sympathischer - zumal der Übeltäter auf eine Entschuldigung verzichtete.

Zwei Jahre zuvor hatte es bereits „Barni“, das Maskottchen der EM 2010 in Barcelona, erwischt. Als dieses Sieger Mekhissi-Benabbad zu stürmisch umarmte, befahl der Franzose „Barni“ auf die Knie - schubste ihn Boden. Das spanische Publikum reagierte zumindest irritiert.

sid

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