Kommerz schlägt Herz: Formel-1-Klassiker als Sorgenfall

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Weltmeister Lewis Hamilton (M.) genießt den Fan-Andrang beim Großen Preis von Spanien. Foto: Alejandro Garcia

Für die Grand-Prix-Klassiker der Formel 1 wird das Überleben immer schwerer. Vor dem Europa-Auftakt in Spanien wächst die Sorge, dass immer mehr Traditionsrennen vom Heimatmarkt verschwinden.

Barcelona (dpa) - Das milchig-gelbe Sonnenlicht über den Hügeln vor Barcelona ist für die Formel 1 die Farbe der Nostalgie. Die Rennserie ist zurück im alten Europa, das immer noch die gefühlte Heimat des Grand-Prix-Sports ist.

Doch in den mobilen Team-Palästen, die nur auf dem Kernmarkt das Fahrerlager säumen, ist die Sorge um die geliebten Klassiker-Rennen größer denn je. Dass Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone jüngst auch das Italien-Spektakel in Monza als Streichkandidaten nannte, ist noch ein Alarmzeichen mehr. 

"Silverstone, Spanien, Italien, Deutschland, das sind Fundamente dieser Sportart", mahnt WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton vor dem fünften Saisonlauf am Sonntag auf dem Circuit de Catalunya. Deutschland ist für dieses Jahr schon weggebrochen, weil weder der Nürburgring noch Hockenheim die Millionen-Gage für Ecclestones Zirkus aufbringen konnten. 

Frankreich ist seit 2008 ein weißer Fleck auf der Formel-1-Landkarte, auch der 27-malige Gastgeber Imola findet seit langem schon keinen Platz mehr im Kalender. Spa schreibt seit Jahren mit seinem Grand Prix rote Zahlen, nicht einmal Silverstone kann mit ausverkauftem Haus kostendeckend wirtschaften. Muss 2016 nun in Monza ein weiterer Traditionskurs weichen? "Niemand ist unersetzlich. Wir haben prima andere Rennen, die da einspringen können", sagt Ecclestone. 

Kommerz schlägt Herz. Legenden und Erinnerungen sind für den Formel-1-Besitzer, die Investmentgesellschaft CVC, keine gültige Währung. So sucht Statthalter Ecclestone weiter nach immer neuen Gastgebern, die ohne Rücksicht auf Verluste seine Millionen-Forderungen erfüllen können. 

Für 2016 ist der Vertrag mit Aserbaidschan schon festgezurrt, einem Land mit höchst bedenklicher Menschenrechtsbilanz. China, Bahrain, Wladimir Putins Russland, Singapur und Abu Dhabi - die Welttournee der Formel 1 nimmt keine Rücksicht auf moralische Bedenken. Katar würde lieber heute als morgen mit Ecclestone ins Geschäft kommen. Und jetzt plant angeblich auch der Iran eine Rennstrecke auf einer Insel im Persischen Golf. 

Die Sehnsucht der Fahrer, auf den Klassiker-Kursen auf den Spuren ihrer Idole zu fahren, überhört Ecclestone bei seinen Deals für gewöhnlich. "Natürlich ist Monza wichtig für den Formel-1-Kalender, genauso wie das Deutschland-Rennen", sagt Mercedes-Pilot Nico Rosberg und schwärmt von den fanatischen Tifosi im Königlichen Park. 

Fernando Alonso, an diesem Wochenende der gefeierte Hausherr in Barcelona, indes kennt die Grenzen solcher Plädoyers. "Nico hat ja gesagt, dass auch der deutsche Grand Prix wichtig ist, und der ist dieses Jahr nicht mehr dabei. Also, wer weiß", erklärt der McLaren-Fahrer. Ecclestone hält Zweiflern an seiner Strategie zumeist nur lakonisch entgegen: "Wir müssen uns da keine Sorgen machen. Alle werden sich freuen."

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