Grand Prix in Sotschi

Hamilton siegt - Rosberg verliert WM-Titel aus den Augen

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Lewis Hamilton beim Grand Prix in Sotschi.

Sotschi - Nico Rosberg hat bei der Russland-Premiere der Formel 1 trotz einer spektakulären Aufholjagd die nächste schmerzhafte Niederlage gegen Stallrivale Lewis Hamilton kassiert und verliert den WM-Titel immer mehr aus den Augen.

 Nach einem verheerenden Bremsfehler in der ersten Runde betrieb der Mercedes-Pilot beim Sieg von Hamilton als Zweiter nur Schadensbegrenzung. Vor den Augen von Russlands Präsident Wladimir Putin sicherten sich die Silberpfeile zudem vorzeitig als erstes deutsches Team überhaupt die Konstrukteurs-WM.

Während Hamilton (291 Punkte) eine Woche nach dem Horror-Crash von Jules Bianchi seine Titelambitionen mit dem vierten Sieg in Folge eindrucksvoll unterstrich, wuchs Rosbergs (274) Rückstand in der Gesamtwertung drei Rennen vor Schluss auf 17 Punkte. Nach einem wilden Bremsmanöver bei knapp 300 km/h musste der Wiesbadener schon nach einer Runde mit einem Bremsplatten an die Box - er hatte sich die Reifen ruiniert und fiel zunächst ans Ende des Feldes zurück.

Trotzdem sicherte sich Mercedes, das den neunten Doppelsieg der Saison feierte, den ersten wichtigen Titel und löste Sebastian Vettels Red-Bull-Rennstall nach vier Jahren als bestes Team ab. Der viermalige Weltmeister Vettel, der 2015 angeblich zu Ferrari wechseln soll, landete auf seiner Abschiedstour nach einer durchwachsenen Vorstellung auf Rang acht. Dritter hinter den Silberpfeilen wurde Valtteri Bottas im Williams.

Rosberg war kurz nach dem Start zwar kurz an Polesetter Hamilton vorbeigezogen, doch durch den Patzer mit anschließendem Boxenstopp wurde er bis auf Rang 20 durchgereicht. „Ich spüre Vibrationen“, hatte Rosberg an die Box gefunkt.

Während Ex-Weltmeister Hamilton auf dem nagelneuen Kurs in Sotschis Olympiapark an der Spitze souverän seine Runden abspulte, musste sich Rosberg mühsam nach vorne arbeiten. Unterdessen konnte einzig der Finne Bottas an der Spitze Schritt halten, der Rest der Piloten hatte schnell mehr als zwölf Sekunden Rückstand auf Hamilton.

Rosberg hatte die Vorgabe, reifenschonend zu fahren, um nicht ein zweites Mal an die Box kommen zu müssen - 20 Runden vor Schluss war der 29-Jährige nach einer starken Aufholjagd dennoch zurück auf Rang zwei. Trotzdem kostete den Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg einmal mehr ein eigener Fehler ein besseres Resultat. Während Hamilton eiskalt und hochkonzentriert agiert, könnten die eigenen Schwächen Rosberg nun die WM-Krone kosten.

Vor den abschließenden Rennen in den USA, Brasilien und Abu Dhabi ist Hamilton, Champion von 2008, der klare Favorit. „Ich will diesen Titel unbedingt“, hatte er vor dem Start in Sotschi gesagt. Mit seiner kontrollierten aber trotzdem aggressiven Fahrweise verlieh er seinen Worten Nachdruck. Es scheint momentan niemand in der Lage zu sein, mit ihm auf der Strecke Schritt zu halten.

Nico Hülkenberg im Force India wurde nur Zwölfter, auch Adrian Sutil (Sauber) verpasste als 16. ebenfalls deutlich die Punkte.

Bei perfekten Bedingungen mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von 22 Grad drückte das Schicksal des in der Vorwoche schwer verunglückten Marussia-Piloten Jules Bianchi weiter auf die Stimmung. Alle Fahrer gingen am Schwarzen Meer mit Grußbotschaften an Helm oder Auto auf die Jagd nach WM-Punkten.

Unmittelbar vor dem Start hatte das gesamte Fahrerfeld mit einer gemeinsamen Aktion seine Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. Die 21 Piloten standen in einer Kreisformation zusammen. Außerdem stand auf der Zielgeraden in großen Buchstaben „Jules we are all supporting you“ („Jules, wir alle unterstützen Dich“) geschrieben.

Bianchis Marussia-Team hatte auf den Einsatz eines zweites Autos verzichtet und schickte lediglich Max Chilton auf die Strecke. „Wir sind in Gedanken voll und ganz bei Jules, auch wenn wir hier einen Job zu machen haben“, sagte Rosberg. Der Franzose Bianchi hatte sich bei dem Unfall, bei dem er unter ein Abschleppfahrzeug gerast war, schwerste Kopfverletzungen zugezogen und kämpft in einer Klinik in Japan weiter um sein Leben.

sid

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