Weltmeister feiert Geburtstag

Auch mit 50 teilt Berthold immer noch aus

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Thomas Berthold beendete seine Profikarriere beim VfB Stuttgart.

Frankfurt/Main - Thomas Berthold wurde Weltmeister sowie Pokalsieger in Deutschland und Italien. Neben dem Platz fiel der Ex-Nationalspieler vor allem durch seine deutlichen Worte auf - und als „Golfprofi“.

Um deutliche Worte war Thomas Berthold nie verlegen. Vor 20 Jahren, nach der gescheiterten Titelverteidigung bei der WM-Endrunde in den USA, gab der damalige Noch-Nationalspieler dem Spiegel ein folgenreiches Interview. Nach seinen Aussagen über den damaligen Bundestrainer Berti Vogts durfte Berthold nie mehr für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bund (DFB) auflaufen. Und noch heute teilt der Weltmeister von 1990, der am Mittwoch (12. November) seinen 50. Geburtstag feiert, als Kolumnist und Kommentator aus.

Im Internet (Sport1), in Fachmagazinen (kicker) sowie TV-Expertenrunden sagt und schreibt der dreimalige WM-Teilnehmer, was er über die Fußball-Protagonisten der Gegenwart so denkt. Dabei sind weder Trainer noch Profis vor den harten Worten des 62-maligen Nationalspielers (1 Tor) sicher - im vergangenen Jahr nahm Berthold sogar die Fußballerinnen bei der EM-Endrunde in Schweden als Eurosport-Experte ins Visier

Dabei war der Fußballprofi Berthold selbst nicht unumstritten. In seiner letzten Saison für Rekordmeister Bayern München (1992/93) wurde er von Trainer Erich Ribbeck nach Meinungsverschiedenheiten aussortiert. Auf der Tribüne kassierte er trotzdem Gehalt und Prämien. Der damalige Bayern-Schatzmeister Kurt Hegerich bezeichnete Berthold deswegen als den „bestbezahlten deutschen Golfprofi nach Bernhard Langer“.

„So ein Ausspruch klebt dir über Jahre auf der Stirn“, sagte Berthold, der sich zwischen 2003 als Manager bei Fortuna Düsseldorf versuchte, in jenem Spiegel-Interview: „Ich werde nie verstehen, dass Manager und Trainer ihre Spieler in der Öffentlichkeit schlecht machen.“

Als Mitspieler war Berthold für einen der wohl bekanntesten Spitznamen im deutschen Fußball mitverantwortlich. „Es stimmt, dass ich ihm irgendwann einmal den Namen “Käthe' verpasst habe. Mittlerweile kann ich mich gar nicht mehr genau daran erinnern, wann das war„, sagte der dem Magazin 11Freunde über seinen alten Kumpel Rudi Völler: `Aber bei uns in Hessen ist “Käthe' ein geflügeltes Wort, ein Spitzname. Das ist weder positiv noch negativ, sondern das ruft man sich schon einmal so zu. Wie dann 'Tante Käthe' daraus wurde, muss dann eine Sache der Medien gewesen sein.„

Mit dem späteren DFB-Teamchef und heutigem Sportchef von Bayer Leverkusen erlebte Berthold beim AS Rom (1989 bis 1991) eine erfolgreiche Zeit im Ausland. `Rudi und ich hatten schon unsere Bars, Kneipen und Clubs, in die wir abends gingen“, sagte er: „In Italien hatte man als Fußballer VIP-Status, überall gab es für uns einen abgetrennten Bereich. Alles in allem haben wir sehr, sehr schöne Jahre in Italien verlebt.“

1991 feierte Berthold mit der Roma den italienischen Pokalsieg, so dass die Bayern den beinharten Verteidiger unbedingt zurück nach Deutschland holen wollten. Nach dem letzten Jahr als „Golfprofi“ in München wurde der in Hanau geborene Abwehrspieler aber erst in Stuttgart wieder glücklich. Nach dem Pokalsieg 1997 war 2001 endgültig Schluss - zumindest auf dem Rasen.

Danach zog es den Veganer Berthold unter anderem zum Motorsport - mit fast verheerenden Folgen: Im April 2012 wollte Berthold eine Rennlizenz erwerben und verunglückte beim Training in Oschersleben. Zum Glück erlitt er bei dem Aufprall in die Mauer „nur“ drei Rippenbrüche und eine Lungenquetschung - seine spitze Zunge blieb heil...

sid

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