Fünf Tore in 8:59 Minuten

Lewandowski schreibt BL-Geschichte: "Wahnsinn"

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Robert Lewandowski im Torrausch.

München - Robert Lewandowski beschert der Fußball-Bundesliga mit fünf Treffern in neun Minuten einen historischen Abend. Nicht nur der VfL Wolfsburg rätselt, wie so etwas passieren konnte.

„Wahnsinn“, „unglaublich“, „so etwas habe ich noch nie erlebt“: Nach einem verrückten Spiel, in dem Robert Lewandowski mit fünf Treffern in gerade mal 8:59 Minuten die Rekordlisten der Bundesliga zu Altpapier schredderte, gingen Beteiligten und Beobachtern schnell die Superlative aus. Am einfachsten machte es sich schließlich Lewandowski selbst: Er postete ein Foto von sich und seiner Frau Anna, er hielt die fünf Finger der rechten Hand hoch, sie die fünf Finger der linken - Kommentar dazu: keiner.

Drei Treffer in 3:22 Minuten, vier in 5:42, fünf in 8:59 - von der 51. bis zur 60. Minute dieses denkwürdigen 5:1 (0:1) des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg gelang „Lewangoalski“, was noch keinem in über 52 Jahren Bundesliga gelungen war. Es sei ja fast „wie früher bei Gerd Müller gewesen“, sagte Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, „er stand immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Der „Bomber“ hat es zwar auf viermal fünf Treffer in einem Bundesliga-Spiel gebracht, aber nie so schnell.

Das Verrückte: In der 68. und 80. Minute besaß Lewandowski zwei weitere Großchancen, doch den Rekord von Dieter Müller von sechs Treffern in einem Spiel (17. August 1977 beim 7:2 des 1. FC Köln gegen Werder Bremen) verfehlte der Pole. Was Philipp Lahm zu der scherzhaften Bemerkung veranlasste: „Da muss man kritisch bleiben. Er hätte ja mit sieben heimgehen können.“ Lewandowski wollte es sogar: „Nach dem fünften Tor habe ich gedacht, ich versuche, noch ein Tor zu schießen.“

Doch auch „5 in 9“ waren schon atemraubend genug. Zumal von Trainer Pep Guardiola bis zu sämtlichen Wolfsburgern keiner so recht wusste, woher dieser „Tor-nado“ auf einmal gekommen war. Eine Halbzeit lang spielten die Bayern planlos und zu statisch, lagen 0: 1 zurück durch den Treffer von Daniel Caligiuri (26.) und hatten dann Glück, dass Josuha Guilavogui nach einem aberwitzigen Ausflug von Manuel Neuer (39.) zur Mittellinie aus gut 55 Metern nur den Pfosten traf.

Aber dann: wechselte Guardiola Lewandowski ein, stellte Douglas Costa auf links und Mario Götze auf rechts, und der Sturm zog auf. „Ich weiß nicht, ich habe keinen Grund“, gab Guardiola zu, als er erläutern sollte, was danach passierte - und den Wolfsburgern erging es nicht besser. „Ich habe keine Erklärung“, sagte der zunächst starke Julian Draxler. „Nach dem 1:1 waren wir geschockt, ich weiß auch nicht, was in diesen neun Minuten passiert ist“, ergänzte Caligiuri.

„Wir haben viel investiert in der zweiten Halbzeit“, sagte Thomas Müller, der wie alle Münchner unumwunden zugab, dass die erste Halbzeit aus ihrer Sicht zum Vergessen war. In dieser zweiten Halbzeit aber nahm unter anderem Costa über links Christian Träsch auseinander, Angriffe der Bayern waren nun wuchtiger, schneller, variantenreicher. „Die ganze Mannschaft“, hob Müller bei all dem Wirbel um Lewandowski hervor, „war wie entfesselt.“

Und Wolfsburg? War plötzlich wie von allen guten Geistern verlassen. „Wir haben das“, erklärte Sport-Geschäftsführer Klaus Allofs in einer betont unaufgeregten Tonlage, „nicht im Stile einer Spitzenmannschaft gemacht.“ Von dieser Rolle ist der Vizemeister weit entfernt, nach nur sechs Spieltagen beträgt der Rückstand auf den FC Bayern schon sieben Punkte. Allofs sagte dennoch tapfer: „Ich bin nicht pessimistisch, was unsere Mannschaft angeht.“

Auch die Bayern bemühten sich, diesen ganzen unglaublichen, nie gesehenen Wahnsinn schnell herunterzufahren. „So eine zweite Halbzeit gegen einen superstarken Gegner hat man nicht alle Tage“, sagte Müller sachlich, „aber wichtig ist, dass wir das Spiel gewonnen haben.“ Und Lewandowski? Postete noch ein zweites Bild - und schrieb darunter: „Wir spielen alle drei Tage, und ich muss mich jetzt auf das nächste Spiel fokussieren!“

SID

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