Funktionäre und Politiker äußern sich

Stimmen zum FIFA-Skandal: UEFA fordert Verschiebung der Wahl

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Die UEFA unter Michel Platini will die Wahl um das Amt des FIFA-Präsidenten verschieben lassen.

Berlin/Zürich - Der jüngste FIFA-Skandal erschüttert die Fußballwelt. Nun äußern sich immer mehr Funktionäre und Politiker. Die UEFA fordert angesichts der Ereignisse, die anstehende Präsidentschaftswahl zu verschieben. 

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) will die Präsidenten-Wahl des Fußball-Weltverbands FIFA wegen des jüngsten Skandals verschieben lassen. „Die UEFA ist der Meinung, dass der Kongress verschoben und die Wahl des Präsidenten innerhalb der nächsten sechs Monate stattfinden sollte“, sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino nach einem Treffen des Exkos vor dem Europa-League-Finale in Warschau.

Das Statement der UEFA im Wortlaut:

"UEFA zeigt dieser FIFA die Rote Karte

Die heutigen Vorfälle sind ein Desaster für die FIFA und beflecken das Image des Fußballs in seiner Ganzheit.

Die UEFA ist zutiefst erschüttert und betrübt.

Die Vorgänge zeigen, einmal mehr, dass Korruption in der FIFA-Kultur tief verwurzelt ist.

Es ist notwendig, dass ein „Neustart“ der kompletten FIFA erfolgt und eine echte Reform durchgeführt wird.

Beim anstehenden FIFA-Kongress besteht die Gefahr einer Farce. Deshalb werden sich die europäischen Verbände genau überlegen müssen, ob sie überhaupt am Kongress teilnehmen sollen, um ein System zu verwarnen, welches - insofern es nicht gestoppt wird - den Fußball letztendlich töten wird.

Die UEFA-Mitgliedsverbände treffen sich morgen im Vorfeld des FIFA-Kongresses. Zu diesem Zeitpunkt werden die europäischen Verbände entscheiden, welche weiteren Schritte notwendig sind, um den Fußball zu beschützen.

Aktuell sind die Mitglieder des UEFA-Exekutivkomitees davon überzeugt, dass es zwingenden Bedarf für einen Führungswechsel in dieser FIFA gibt und dass der FIFA-Kongress verschoben werden sollte, um innerhalb der nächsten sechs Monate eine neuerliche FIFA-Präsidentschaftswahl zu organisieren.“ 

Am Mittwochabend nahm FIFA-Präsident Blatter selbst zu den Vorfällen Stellung. „Das ist eine schwierige Zeit für den Fußball, die Fans und die FIFA“, gestand Blatter: „Es sollte aber klar sein, dass wir die Untersuchungen der Schweizer und US-Behörden begrüßen.

Politiker fordern Neuvergaben der Weltmeisterschaften 2018 und 2022

Auch Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich zum FIFA-Skandal geäußert.

FIFA-Spitzenfunktionär Theo Zwanziger hält das juristische Vorgehen gegen den Fußball-Weltverband für überfällig. „Ich bin froh, dass endlich etwas passiert“, sagte der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Zuvor war unter anderem FIFA-Vize Jeffrey Webb in Zürich festgenommen worden. Das US-Justizministerium beschuldigt insgesamt 14 Personen des organisierten Verbrechens und der Korruption. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten zum FIFA-Skandal

„Das ist ein großer Sumpf“, sagte Zwanziger, der noch Mitglied der FIFA-Exekutive ist. Das Problem sei allerdings nicht damit erledigt, die Wiederwahl des umstrittenen FIFA-Chefs Joseph Blatter am Freitag zu verhindern. Er will sich erneut an die Spitze der FIFA wählen lassen. „Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen“, sagte Zwanziger.

Der 69-Jährige unterstützt auch weitreichende Ermittlungen zu den Vergaben der WM-Turniere 2018 und 2022 an Russland und Katar. „Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden“, forderte Zwanziger. In Deutschland haben sich außerdem mehrere Bundestagsmitglieder, darunter die Grünen-Sportexperten Özcan Mutlu und Monika Lazar, für eine Neuausschreibung der beiden Turniere ausgesprochen.

 Deutschlands Justizminister Heiko Maas fordert nach dem erneuten Skandal beim Fußball-Weltverband FIFA umfassende Ermittlungen. „Die Fans haben ein Recht darauf, dass das jetzt umfassend aufgeklärt wird“, sagte Maas laut der Nachrichtenagentur SID: „Korruption darf im Fußball keinen Platz haben.“

Unterstützung aus Brasilien, Kritik aus Russland

In anderen Ländern weltweit wird zum Teil höchst unterschiedlich auf die Affäre reagiert. WM-Ausrichter Russland forderte die USA auf, den „illegalen, exterritorialen Gebrauch der US-Rechtsprechung“ zu unterlassen. Washington solle „die Versuche stoppen, seine Gesetze weit außerhalb der eigenen Grenzen zu benutzen“, teilte das russische Außenministerium in einer Stellungnahme mit.

Dagegen hat der brasilianische Fußball-Verband CBF hat nach der Festnahme seines früheren Präsidenten Jose Maria Marin die volle Unterstützung bei den Ermittlungen angekündigt. Der Verband sprach von „schwerwiegenden Ereignissen in Zürich“, warnte jedoch vor einer Vorverurteilung. „Ohne dass ein Urteil über Schuld oder Unschuld gefällt worden ist“, werde keine abschließende Beurteilung der Situation stattfinden, teilte der Verband mit.

Weitere Stimmen zum FIFA-Skandal

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): „Es ist schockierend und schädlich für den gesamten Fußball, was sich in Zürich zwei Tage vor dem FIFA-Kongress abspielt. Es wäre erschütternd, wenn sich die im Raum stehenden, schweren Vorwürfe gegen Mitglieder der FIFA als richtig herausstellen. In der UEFA werden wir angesichts dieser Vorkommnisse beraten, wie wir uns auf dem bevorstehenden FIFA-Kongress verhalten.“

Prinz Ali bin Al Hussein (Jordanien/Gegenkandidat von Joseph S. Blatter bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten):  „Ein trauriger Tag für den Fußball.“ Theo Zwanziger (ehemaliger DFB-Präsident und scheidendes Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee/ in der Rheinische Post): „Das ist ein großer Sumpf. Das Problem ist nicht damit erledigt, dass man Sepp Blatter als Präsident verhindert. Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen.“

Sylvia Schenk (Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International/ bei Sport1):  „Ich schließe nicht völlig aus, dass es Blatter sogar stärkt. Viele Delegierte könnten sich nach einem sehnen, der weiß, wie er die FIFA zu führen hat. Die Ermittler pokern, dass es Blatter daran hindert, nochmal anzutreten und dass es Druck auf die FIFA macht. Wenn sie etwas gegen Blatter in der Hand hätten, dann würden sie gegen ihn ermitteln. Und zwar auch schnell genug, dass sie das vor der Wahl rausbekommen. Insofern glaube ich nicht, dass sie die großen Fakten gegen Blatter haben. Es ist ein politisches Spiel.“

Simone Peter (Bundesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen): „Es wird Zeit, den FIFA-Korruptionssumpf in Gänze trockenzulegen. Dabei kann das eingeleitete Strafverfahren rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar nur ein Anfang sein. Es braucht einen umfassenden Personal- und Strukturwechsel in dieser Organisation, die sich noch vor wenigen Monaten mittels einer angeblich unabhängigen Ethikkommission vom Vorwurf der Bestechung und sonstiger Unregelmäßigkeiten freisprechen lassen wollte. Wir warten auf den Tag, an dem bei der FIFA endlich wieder der Sport und Werte wie Menschen- und Bürgerrechte im Vordergrund stehen.“

Dagmar Freitag (Vorsitzende des Bundestags-Sportausschuss):  „Auch hier zeigt sich, dass es offensichtlich gut ist, wenn Staatsanwaltschaften mit den ihnen zur Verfügung stehenden Instrumenten ermitteln können. Das hat eine ganz andere Qualität als von Sportverbänden selbst eingesetzte sogenannte Ethik-Kommissionen.“

Özcan Mutlu (sportpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen):  „Die Razzia und die Festnahmen bei der FIFA zeigen: der Weltfußballverband steht am Abgrund, und mit ihm FIFA-Präsident Sepp Blatter. Wir fordern die Aussetzung der für Freitag angesetzten Wahlen des FIFA-Präsidenten, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, und eine Neuvergabe der verschobenen Fußballweltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar. Ein Neuanfang in der FIFA ist überfällig.“

Frank Steffel (CDU, MdB und Obmann im Sportausschuss):  „Es ist ein gutes Signal der Schweizer Behörden, den seit Monaten vorhandenen Gerüchten und Korruputionsvorwürfen endlich mit der erforderlichen Konsequenz zu begegnen und dabei keine Rücksicht auf Namen und Prominenz zu nehmen.“

Greg Dyke (Präsident des englischen Fußballverbands FA):  „Man muss fragen, ob die Wahl unter diesen Umständen stattfinden sollte. Die Dinge haben sich geändert und unsere Delegation wird am Donnerstag mit den Kollegen in der UEFA diskutieren, wie unsere Position aussieht und wie wir weiter vorgehen wollen."

Richard Weber (Chef der US-Steuerfahndung): „Dies ist die Weltmeisterschaft des Betrugs, und heute zeigen wir der FIFA die Rote Karte. Heute ist ein gute Tag für Fußballfans und ein großartiger Tag für den globalen Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung.“

Video: FIFA-Verhaftungen erschüttern die Fußball-Welt

von Sebastian Dorn/sr, mit Material von dpa und sid

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