Für die Sicherheit in Stadien

Weniger Karten für Auswärtsfans?

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Das Innenministerium überlegt, das Kontingent an Auswärtskarten zu reduzieren.

Frankfurt/Main - Die Innenminister der Länder wollen die Polizeieinsätze rund um die Spiele der Fußball-Bundesligen „flexibler“ gestalten und ziehen dabei auch eine Reduzierung der Kartenkontingente für Auswärtsfans in Betracht.

Weniger Auswärtsfans gleich weniger Randale? Mit dem nächsten fragwürdigen Vorstoß haben die deutschen Innenminister der Länder die Sicherheitsdiskussion im Fußball erneut befeuert. Bei den sogenannten Hochrisikospielen soll künftig über eine Reduzierung oder Einschränkung der Kartenkontingente für Auswärtsfans nachgedacht werden, beschlossen die Innenminister und Innensenatoren bei ihrer Frühjahrskonferenz in Mainz. Gespräche mit den Vereinen und Verbänden sollen umgehend folgen.

„Damit können wir bei Hochrisikospielen die Sicherheit verbessern“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Freitag in Mainz: „Es geht darum, dass bei wichtigen Spielen Tausende Beamte gebunden sind. Das muss maßvoll reduziert werden.“

Mit den Maßnahmen soll „beispielsweise eine Pufferzone zwischen rivalisierenden Fans in den Stadien eingerichtet“ werden, schrieb das Innenministerium Rheinland-Pfalz in einer Presseerklärung: „Die Handlungsoptionen der Polizei bei Hochrisikospielen der ersten drei Fußballligen sollen gestärkt werden.“ Der Vorschlag überrascht, weil er größtenteils schon so praktiziert wird.

„Generell ist unser Eindruck, dass die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen auf einem guten Niveau ist, auch weil es gelungen ist, dass die Interessen der Fußballfans eine angemessene Rolle spielen“, sagte Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), dem SID: „Von daher stehen wir diesen Vorschlägen eher skeptisch gegenüber, weil sie eine unnötige Unruhe ins Feld bringen und die Gräben zwischen Fans und den Behörden wieder vertiefen können.“

Fans immer wieder in der Kritik

Bislang steht dem Gastverein (in den ersten beiden Ligen) grundsätzlich ein Ticket-Kontingent zu, das mindestens zehn Prozent der jeweiligen Stadionkapazität umfasst. Allerdings nur, wenn die Rechtsorgane des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) keine Sanktionen verhängt haben oder aber gemäß der Sicherheitsrichtlinien der Deutschen Fußball Liga (DFL) keine „besondere Gefahrenlage“ besteht. Entschieden wird über diese von der Liga, dem Heim- und Gastverein sowie den Sicherheitsinstitutionen, steht in den Statuten.

Dennoch stehen die anreisenden Fans immer wieder in der Kritik, zumindest der kleine, randalierende Teil. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte in der Rheinischen Post deshalb personalisierte Tickets. In der vergangenen Saison demolierten rund 300 „Fans“ des Hamburger SV auf ihrem Weg zum Spiel bei Weder Bremen einen Zug. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 100. 000 Euro, das Bahn-Unternehmen will den Ultras künftig die Mitreise verweigern.

Wegen der hohen Kosten im Nordderby schwelt zudem ein Streit zwischen der DFL und dem Bundesland Bremen. Entgegen vorausgegangener Beschlüsse der Innenministerkonferenz wird der Senat wohl einen Gebührenentscheid über 425.718,11 Euro für den Polizeieinsatz während des Risikospiels am 19. April (1:0) an die Verbandszentrale in Frankfurt/Main schicken.

„Die DFL bleibt bei ihrer Auffassung zum Vorgehen des Bremer Senats. Der Vorstoß ist inhaltlich nicht zielführend und rechtlich fragwürdig. Der Profi-Fußball wird sich daher mit allen zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln dagegen wehren“, hatte die DFL mitgeteilt. Bremen ist bislang das einzige Bundesland, das eine Rechnung schicken will - Kritiker werfen dem Senat vor, jedes Mittel zu nutzen, um den klammen Haushalt zu sanieren.

Laut Bremer Polizei sind beim Nordderby rund 950 Beamte im Einsatz gewesen, die 9537 Arbeitsstunden geleistet haben, darunter 500 Polizisten aus Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein und von der Bundespolizei. „Bremen muss deshalb insgesamt rund 200.000 Euro an die beteiligten Polizeien überweisen und kommt für Übernachtungskosten in Höhe von etwa 15.000 Euro auf“, teilte die Behörde mit: „Die restlichen rund 210.000 Euro fielen als Mehrkosten bei der Polizei Bremen an.“

SID

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