Geständnis des FIFA-Präsidenten

Blatter räumt Absprache über Stimmen vor WM-Vergabe ein

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Eigentlich sollte die WM 2022 in den USA stattfinden und nicht in Katar. 

Zürich - Mit einem Rundumschlag gegen Europa und die USA hat sich der suspendierte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (Schweiz) erneut in die Diskussion über die Zukunft des Fußball-Weltverbandes eingeschaltet.

In einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur TASS inszenierte sich der 79-Jährige erneut als treibende und maßgebliche Kraft der Reformbewegung. Zugleich deutete Blatter Absprachen bei der Vergabe der Weltmeisterschaftsendrunden 2018 und 2022 an.

„Ich hätte 2014 so mutig sein und zurücktreten sollen. Aber damals haben mich fünf der sechs Kontinentalverbände eindringlich gebeten, weiterzumachen, weil sie verloren wären, wenn die UEFA die Präsidentschaft übernähme“, sagte Blatter und unterstellte der Europäischen Fußball-Union einen „Anti-FIFA-Virus“.

Der wegen Korruptionsverdacht für 90 Tage gesperrte Walliser drohte den Verbänden vom alten Kontinent denn auch mit Machtverlust beim Umbau der FIFA: „Warum sollte Europa drei Vizepräsidenten in der FIFA-Exekutive haben, obwohl Afrika doch mehr Mitgliedsverbände hat?“ Die Ernsthaftigkeit seiner Drohung unterstrich Blatter mit der Darstellung des FIFA-Reformkomitees als seine Handlanger: „Wir brauchen ein Gleichgewicht der Regionen. Das Komitee arbeitet meine Agenda ab. Ich habe ihnen vorgeben, was sie zu tun haben.“

Blatter deutete zudem an, dass innerhalb der FIFA-Exekutive vor der Vergabe der umstrittenen WM-Endrunden 2018 und 2022 Einigkeit darüber geherrscht habe, die Turniere an Russland und die USA zu vergeben. „Wir wären in den größten Ländern der Erde gewesen“, sagte der Schweizer: „Alles war gut, bis Nicolas Sarkozy ein Treffen mit dem heutigen Emir von Katar hatte. Nach dem anschließenden Essen hat Michel Platini gesagt, es wäre gut, 2022 nach Katar zu gehen“, behauptete Blatter.

Der englische Verband, der sich ebenfalls um das Turnier 2018 beworben hatte, reagierte prompt. Man werde „der Sache auf den Grund gehen“, sagte FA-Präsident Greg Dyke: „Aber ich vermute, er wird antworten, missverstanden worden zu sein.“

Nachdem UEFA-Chef Michel Platini (Frankreich) aus Blatters Sicht wegen seiner ebenfalls bis Januar gültigen Suspendierung keine Chance mehr auf die Wahl zum neuen FIFA-Chef hat, bemüht sich der Eidgenosse auch um eine Aufsplittung der Europa-Fraktion hinter der Kandidatur von UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino: „Speziell in Nordeuropa sagen Leute, dass es das Ende für Europa wäre, wenn er antritt. Die meisten Nationalverbände mögen Infantino nicht, und alles, was ich an ihm mag, ist, dass er aus dem gleichen Dorf kommt wie ich.“

Über seine Theorien von einer politischen Verschwörung Europas und der USA gegen seine Person hinaus teilte Blatter nach der vom FBI ausgehenden Verhaftung mehrerer FIFA-Funktionäre in Zürich auch gegen die USA aus: „Selbst wenn man über eine US-Übernahme der FIFA spricht - Fußball, der richtige Fußball, da, wo das richtige Geld ist, wo die guten Spieler sind, die bedeutenden Wettbewerbe, ist Europa. Die Amerikaner können es nicht übernehmen.“

Zu seinen persönlichen Ambitionen äußerte sich Blatter rund vier Monate vor der Wahl seines Nachfolgers auf dem Kongress am 26. Februar 2016 in Zürich erwartungsgemäß nicht eindeutig: „Ich hoffe, dass ich dann wieder als FIFA-Präsident da sein werde. Dann könnte ich wenigstens den Kongress leiten.“

SID

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