Nach Rücktritt aus Nationalmannschaft

Selbst Staatspräsident Macri wird zum Messi-Bittsteller

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Lionel Messi ist aus der argentinischen Nationalmannschaft zurückgetreten.

Buenos Aires - Argentinien macht mobil, um den Weltfußballer nach seinem Rücktritt aus der Nationalelf zum Umdenken zu bewegen.

Im Fall Lionel Messi wird sogar Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri zum Bittsteller. Der 57-Jährige rief den Star des FC Barcelona nach dessen Rücktritt aufgrund der Finalniederlage bei der Copa America gegen Chile höchstpersönlich an und bat ihn, die Entscheidung nochmals zu überdenken.

Einen Tag nach der von Messi verkündeten Demission macht Argentinien noch ganz ungläubig mobil für einen Sinneswandel des Weltfußballers. Macri habe Messi nach Informationen eines Sprechers am Telefon erklärt, wie stolz er auf die Leistung der Mannschaft sei und ihm empfohlen, nicht auf die Kritik zu hören. Rücktritt vom Rücktritt? Der 29 Jahre alte Ausnahmespieler wird jedenfalls förmlich bekniet, den Albiceleste weiter zur Verfügung zu stehen. Auch Diego Maradona schaltete sich ein.

"Messi muss in der Nationalelf weitermachen", sagte Argentiniens Fußball-Legende: "Er ist noch nicht am Ende, weil er in der Form nach Russland kommen kann, um Weltmeister zu werden." Die WM-Endrunde in zwei Jahren ohne Messi ist auch für "El Diez" undenkbar.

Fans flehen Messi an

Als der Flieger mit den Verlierern am Montagabend in Buenos Aires landete, fanden sich einige Hundert Fans am Flughafen ein und skandierten: "Messi geh' doch nicht!" Auf Plakaten stand: "Messi, wir verdienen dich nicht, aber bitte bleib", "Messi, wenn du im Himmel spielst, werde ich sterben, um dich zu sehen" oder "Ich liebe dich mehr als meine Alte". Mehr Sympathiebekundung, wenn auch skurril, geht wohl kaum...

Der Bürgermeister der Stadt Mendoza, Rodolfo Suarez, hat sogar einen öffentlichen Aufruf in den sozialen Netzwerken platziert. Der Hashtag "Geh nicht, Lio" gehörte zu den meist benutzten Schlagwörtern am Tag danach. Im Herz des argentinischen Weinbaus zeigt der zweimalige Weltmeister am 1. September im WM-Qualifikationsspiel gegen Uruguay sein neues Gesicht.

Maradona möchte seinen "unvollendeten" Nachfolger nach der dritten Finalpleite in Folge persönlich umstimmen. "Ich will mit ihm sprechen und gegen alle kämpfen, die ihn alleine gelassen haben", sagte der 55-Jährige mit verbalen Giftpfeilen in Richtung AFA-Verbandsspitze.

Argentinien hofft auf Hintertür

Die heimischen Medien klammern sich im Rücktritts-Statement an einen Satz, der noch eine Hintertür offen lässt. Auf die Frage, ob es das definitiv war, hatte Messi rätselhaft geantwortet: "Ich denke schon, keine Ahnung, zumindest fühle ich es jetzt so."

Doch dann folgten Aussagen wie "Die Entscheidung ist gefallen" und "Ich verlasse das Team, ohne es geschafft zu haben". Mit "es" ist das Ende der nun schon 23 Jahre währenden titellosen Zeit gemeint. Der Pokal-Hamster des FC Barcelona war viermal nahe dran, doch 2007, 2015 und am Sonntag blieb bei der Copa America nur Silber, das sich wie Blech anfühlte. Und auch 2014 beim 0:1 nach Verlängerung im WM-Endspiel gegen Deutschland war "La Pulga", dem Floh, die Krönung verwehrt.

Dass nicht nur die erneute Final-Niederlage gegen Chile, sondern auch der Frust über die krisengeschüttelte AFA zum Rücktritt beitrug, ließ Messi schon in den letzten Tagen durchblicken. "Wenn ihr wollt, werde ich nach dem Finale sagen, was ich von der AFA denke", hatte Messi noch in den USA zornig angekündigt, nachdem er per Instagram ein Bild aus dem Flieger zum verspäteten Abflug zum Copa-America-Endspielort gepostet hatte.

Ins gleiche Horn stößt auch Maradona, sieht Messi als Sündenbock, der von "allen Desastern, die sie bei der AFA gemacht haben", ablenken soll. Im Verband tobt seit dem Tod des langjährigen Präsidenten Julio Grondona im Jahr 2014 ein Machtkampf hinter den Kulissen. Messis Demission macht die angespannte Lage noch explosiver.

sid

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