Rangnick fordert harte Strafen für gewaltbereite Fans

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Die Angriffe von KSC-Fans begannen bereits im Stadion mit einem Transparent: "Rangnick: Hure des modernen Fussballs!" Foto: Uli Deck

Karlsruhe (dpa) - Für Ralf Rangnick ist eine Rote Linie überschritten. Nach Schmähgesängen, Provokationen, Drohungen und nun auch direkten Konfrontationen fordert der Sportdirektor von RasenBallsport Leipzig harte Strafen gegen vermeintliche Fans gegnerischer Teams.

"Ich kann nur sagen, die Erfahrung in England hat gezeigt, da helfen nur ganz klare, harte Strafen. Sonst hilft da gar nichts", erklärte Rangnick nach dem Montagsspiel der 2. Fußball-Bundesliga beim Karlsruher SC (0:0). Er betonte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: "Momentan überschreiten die Chaoten klare Grenzen. In 20 Jahren Profi-Fußball habe ich so etwas noch nicht erlebt."

Aus Protest ist inzwischen Hass geworden. In Karlsruhe war es vor und nach dem Spiel nicht nur bei verbalen Angriffen gegen das sächsische Team geblieben. Angeblich "Besorgte Fußballfans aus Karlsruhe" hatten die Anhänger der Sachsen schon im Vorfeld der Partie wegen "diverser Aktionen" in einem Brief vor der Anreise gewarnt. Einige von ihnen waren dann offenbar vor der Partie in das Leipziger Mannschaftsquartier eingedrungen.

"Mir wurde geschildert, dass da rund 20, wenn auch nicht vermummte, aber mit Kapuzen versehene Fans ins Restaurant reingekommen sind. Aus unserer Sicht war das Glück, dass die Spieler noch nicht im Essensraum, sondern noch auf ihren Zimmern gewesen sind. So etwas geht gar nicht", sagte Rangnick.

Nach dem Spiel hinderten der Polizei zufolge rund 200 Anhänger der Badener Rangnick sogar am Verlassen des Wildparkstadions. Vertreter des KSC und das Sicherheitspersonal hätten den aufgebrachten Mob jedoch beruhigen können, gegen vier Fans seien Platzverbote ausgesprochen worden. "Ich lasse mich davon aber nicht einschüchtern", sagte der 56-Jährige.

Während der gesamten Partie musste Rangnicks Team Hohn und Spott aus dem Fanblock der Badener einstecken. Von der Partie des "Wahren Fußballs gegen die Ware Fußball" war da unter anderem auf Bannern die Rede. Dabei wurde auf die Stadionordnung hingewiesen, die "Dosen und ätzende Flüssigkeiten" verbiete.

RB Leipzig stößt aufgrund seiner Vereinsstrukturen und der fehlenden Tradition bei vielen Fußball-Anhängern auf Ablehnung. Nach Fan-Protesten hatten etwa in der jüngeren Vergangenheit einige Clubs, unter anderen auch Bundesligist VfB Stuttgart, bereits terminierte Testspiele mit dem Zweitliga-Aufsteiger wieder abgesagt.

In erster Linie ist es der kommerzielle Aspekt des Unternehmens RB Leipzig, der zunächst für Unmut, nun aber für Gewalt sorgt. Hinter dem Fußball-Projekt in Leipzig steht der milliardenschwere Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz aus Österreich. Dieser wurde beim RB-Gastspiel in Aue in Nazi-Uniform dargestellt. Zudem stürmten Auer Anhänger nach dem Spiel den Rasen und hinderten die Gästespieler am Auslaufen. Es war der erste direkte Angriff auf die Leipziger. Karlsruhe setzte nun noch einen drauf.

Rangnick fordert eine Strategie, wie das Problem in den Griff zu bekommen sei. "Ich sehe einfach die Gesamtentwicklung in diesem Bereich sehr kritisch. Es gibt momentan eine sehr starke Zunahme der Gewaltbereitschaft. Bei uns in Deutschland werden Fans nicht hart genug bestraft", sagte er. Bei der Absicherung von Fußballspielen könne man nicht nur die Polizei in die Pflicht nehmen. "Vereine, Verbände und der Staat müssen daran arbeiten." Er schlägt unter anderem vor, personalisierte Eintrittskarten für die Spiele zu vergeben.

"Der KSC hat keine Feindbilder", sagte der Karlsruher Sportdirektor Jens Todt der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt verschiedene Wege zum Erfolg, wir haben unsere eigenen." Der Verein distanziere sich von jeder Gewalt, Aufrufen zu Gewalt und Schmähungen handelnder Personen anderer Vereine.

Spielbericht

Ankündigung KSC-Ultras

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