Wer wird Blatter-Nachfolger?

Niersbach: Platini sagt noch nichts über den FIFA-Thron

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DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Zürich - UEFA-Boss Michel Platini (59) hat auch innerhalb der Europäischen Fußball-Union noch nicht bekannt gegeben, ob er bei der Wahl des neuen FIFA-Präsidenten antreten wird.

„Er hat keine klare Aussage dazu getroffen, er hat überhaupt keine Aussage zu diesem Thema getroffen“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (64) nach einer Reihe von informellen Gesprächen rund um das Finale der Champions League der ARD.

Nach der Rücktrittsankündigung des FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter (79) am vergangenen Dienstag würde Platini als einer der Favoriten bei der kommenden Abstimmung ins Rennen gehen, die im Rahmen eines außerordentlichen Kongresses Stand jetzt zwischen Dezember 2015 und März 2016 stattfinden soll.

„Es sind vorerst Signale erkennbar, dass viele Vertreter von den anderen Kontinenten - auch aus Asien - gewillt sind, den Weg der UEFA mitzugehen“, sagte Niersbach: „Der richtige Weg ist jetzt zunächst die Einberufung eines Kongresses. Aber da sind wir noch nicht. Es ist zum jetzigen Moment wichtig, dass wir die Unterstützung für den Weg bekommen. Dass am Ende des Weges auch ein Name stehen muss, und dass ich persönlich nicht verhehle, dass ich dort einen europäischen Namen sehen möchte, ist klar - aber so weit sind wir noch nicht.“

Auch der kuwaitische Scheich Ahmad al Sabah (51) und der südkoreanische Auto-Milliardär Chung Mong-Joon (63), die als mögliche Kandidaten gehandelt werden, weilten am Wochenende zu Gesprächen mit der UEFA in Berlin.

„Wir wollen formal alles richtig machen - bei aller Emotion und aller Betroffenheit“, sagte Niersbach mit Blick auf die tiefe FIFA-Krise: „Auch aus meiner Sicht ist das die schlimmste Situation, die ich im Fußball je erlebt habe. Aber wir müssen die Dinge so betrachten, wie sie nun einmal sind. Wir können nicht fordern, dass Sepp Blatter von heute auf morgen zurücktritt. Er ist der gewählte Präsident der FIFA. Diese Entscheidung kann nur er selbst treffen.“

Deutlich lehnte Niersbach eine eigene Kandidatur ab. „Ich sehe mich nicht als künftigen Kandidaten für die FIFA-Präsidentschaft“, sagte er. Sollte Platini kandidieren und gewinnen, wäre aber ein Platz an der UEFA-Spitze frei.

Politiker fordern Untersuchung der WM-Vergabe an Deutschland 2006

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, hat eine Aufklärung der Gerüchte um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland gefordert. „Nach den Vorkommnissen der letzten Tage muss allen klar sein, dass hinter jeder einzelnen Vergabe einer FIFA-WM Fragezeichen auftauchen“, sagte die SPD-Politikerin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Der Grünen-Politiker Özcan Mutlu forderte in einem dem Blatt vorliegenden Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine Überprüfung der Bewerbung und die Veröffentlichung der Prüfungsberichte. „Bisher findet um die Vergabe der Fußball Weltmeisterschaft 2006 noch keine breite Diskussion statt. Umso größer sollte unser gemeinsames Interesse sein, zweifelsfrei deutlich zu machen, dass die Weltmeisterschaft 2006 ohne Korruption oder andere Vergünstigungen an Deutschland vergeben und ausgerichtet wurde“, sagte Mutlu.

Die Sportbeauftragte von Transparency International, Sylvia Schenk, unterstützt die Politiker. „Wir müssen wissen, was auf der politischen Ebene damals passiert ist. Es geht um Aktivitäten der früheren Bundesregierung, des Außenministeriums und in der deutschen Entwicklungshilfe. Wie sah der Lobbyismus der Deutschen aus?“, sagte Schenk der „FAS“

Die bislang veröffentlichten Untersuchungsergebnisse der US-Justiz geben keine Hinweise auf Korruption im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2006 an Deutschland. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schloss Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe aus. „Wir hatten die absolut beste Bewerbung, und das hat uns die FIFA von einer unabhängigen Kommission bestätigt“, sagte Niersbach.

sid/dpa

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