Vor dem Duell mit Bayern

Nach Trauer um Malanda: Wolfsburg zurück im Alltag

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Junior Malanda verstarb am 10. Januar 2015 bei einem Autounfall.

Wolfsburg - Im Fußballgeschäft bleibt kaum Zeit für Trauer. Zwar wird beim Rückrundenstart des verstorbenen Junior Malanda gedacht, doch der Alltag hat den VfL Wolfsburg bereits wieder eingeholt.

Wechselwirbel um Ivica Olic, Transfergerüchte um Andre Schürrle, Gehaltspoker um Vieirinha: Nach dem Unfalltod von Junior Malanda hat der Fußball-Alltag den VfL Wolfsburg schneller eingeholt als gedacht. Die Schlagzeilen lenken ein wenig von der großen Herausforderung ab, zum Rückrundenstart am Freitag (20.30 Uhr/ARD und Sky) gegen Rekordmeister Bayern München erstmals ohne Malanda spielen zu müssen.

„Wir werden gut vorbereitet sein“, sagte VfL-Manager Klaus Allofs. Die psychische Belastung für die Spieler aber ist enorm. Es wird eine Schweigeminute geben, beide Teams werden Trauerflor tragen, und die Fans planen eine emotionale Choreografie zu Ehren des vor drei Wochen bei einem Autounfall verstorbenen Belgiers.

Selbst die Bayern-Profis reisen mit flauem Gefühl an. „Es wird eine komische Stimmung im Stadion geben“, sagte Nationaltorhüter Manuel Neuer: „Wir denken natürlich an Malanda, alle Fußballer haben mitgelitten.“

Für Klaus Allofs war der plötzliche Tod des beliebten Malanda auch ein schmerzlicher Verlust. Doch er musste sofort als Krisenmanager funktionieren. Mit viel Fingerspitzengefühl und klugen Entscheidungen wie der um einen Tag verspäteten Anreise ins Trainingslager nach Kapstadt und dem Einbeziehen des renommierten Psychologen Andreas Marlovits verhinderten Allofs und Trainer Dieter Hecking eine kollektive Depression.

Zudem bleibt im Fußballgeschäft kaum Zeit für Trauer. Kurz vor Transferschluss ist Allofs' Verhandlungsgeschick an vielen Fronten gefragt. Vor allem der Wechselwunsch von Stürmer Olic zum Ligakonkurrenten Hamburger SV kommt für den Bundesliga-Zweiten vor dem Spitzenspiel gegen Bayern zur Unzeit.

„Aus Respekt vor ihm haben wir uns mit dem Thema beschäftigt und sind zu der Entscheidung gekommen, dass er bleibt“, sagte Allofs dem kicker. Der 35-Jährige Olic hätte gern seine letzten Profijahre bei seinem Ex-Klub verbracht und dort anschließend eine zweite Karriere gestartet.

Zumindest die HSV-Fans geben den Kampf um ihren früheren Liebling nicht auf: In Anlehnung an den Hollywood-Film „Free Willy“ um einen gefangenen Orca diskutieren die Anhänger im sozialen Netzwerk Twitter unter dem Hashtag „freeolic“ über die geplante Rückholaktion.

Die Hamburger hoffen, dass der VfL nachgibt, wenn ihm der Transfer-Coup mit Weltmeister Schürrle gelingen sollte. Über Zwischenhändler soll Wolfsburg schon die Transferbedingungen abgeklopft haben, im Raum steht eine Ablöse von 30 Millionen Euro an den FC Chelsea.

Diese Summe könnte der VfL theoretisch stemmen, doch die UEFA untersucht gerade, ob die 100-prozentige Tochter des Volkswagen-Konzerns die Regularien des Financial Fair Play einhält. Allofs dementiert die Spekulationen um Schürrle nur halbherzig: „Es gibt nichts Konkretes zu vermelden.“

Das trifft auch auf den Verhandlungspoker mit Vieirinha zu. Der Nationalspieler aus Portugal hat durch eine starke Hinrunde das Interesse anderer Klubs geweckt, zumal er am Saisonende ablösefrei den Klub wechseln könnte. Schalke 04 und PAOK Saloniki sollen Vieirinha bereits verlockende Angebote gemacht haben.

Auf Allofs wartet in den kommenden Tagen also viel Arbeit. Am Freitag aber wird all das in den Hintergrund rücken. Wenn auch nur für eine kurze Zeit.

SID

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