Coach Dieter Hecking: „Nicht prickelnd“

Nach Pleite gegen Bayer: Wölfe fürchten sich vor Real

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Dieter Hecking: „Mit so einer Leistung wie gegen Bayer oder davor zuhause gegen Darmstadt wird es nicht prickelnd werden."

Wolfsburg - Vor dem Champions-League-Hit gegen Real Madrid ist die Stimmung bei den Wölfen im Keller. Nach dem 0:3 in Leverkusen herrscht Sorge, gegen die Spanier unter die Räder zu geraten.

Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking blickt nach der bitteren 0:3-Pleite bei Bayer Leverkusen mehr mit Sorge als Vorfreude dem Champions-League-Hit gegen Real Madrid entgegen. „Mit so einer Leistung wie gegen Bayer oder davor zuhause gegen Darmstadt wird es nicht prickelnd werden“, meinte er nach dem frustrierenden Auftritt im „El Plastico“ der Bundesliga-Werksclubs am Freitag.

Der deutsche Fußball-Vizemeister muss nicht nur fürchten, am Mittwoch gegen Cristiano Ronaldo und Co. unter die Räder zu kommen, sondern kann die Rückkehr in die Königsklasse so gut wie abschreiben. „Wenn man die Leistung gesehen hat, verbietet es sich, darüber nachzudenken. Gewinnt man keine Spiele, braucht man nicht nach oben zu gucken“, sagte ein verärgerter VfL-Coach und schimpfte: „So wie wir heute aufgetreten sind, sind wir keine Mannschaft.“

"Würden bis Morgenfrüh sitzen, wenn ich damit anfange"

Es gebe viele Erklärungen dafür, dass auf dem Platz im VfL-Team Einheit und Harmonie fehle - auch, weil es außerhalb zuviel Unruhe gab. „Da würden wir bis Morgenfrüh sitzen, wenn ich damit anfange“, sagte Hecking. Die Verletzungsprobleme will er nicht anführen, denn mit Julian Draxler, André Schürrle oder Max Kruse habe man „immer noch eine ordentliche Mannschaft, die sehr gut Fußball spielen“ könne. Am Ende der Saison werde man „sehr kritisch“ Bilanz ziehen.

Dazu gehören auch die Eskapaden des vom Training freigestellten Dänen Nicklas Bendtner und denen von Nationalspieler Max Kruse. „Ich hätte mir gewünscht, dass Max, nach dem Trubel der vergangenen Zeit, eine bessere Leistung gebracht hätte“, kritisierte Hecking enttäuscht.

Kapitän Diego Benaglio hält es für falsch, die Misere auf unschöne Begleitumstände zu reduzieren. „Das wäre zu einfach. Das liegt an uns allen, wir müssen uns an die Nase packen“, meinte der Schweizer Torwart. Er sieht mit gemischten Gefühlen dem Spiel gegen Spaniens Superteam entgegen. „Real wird eher keine Angst vor dem VfL Wolfsburg haben“, fürchtet Benaglio. „Ich hatte das Gefühl, dass Real Madrid schon zu viel in den Köpfen rumgespukt ist, im Umfeld und bei der Mannschaft“, mutmaßte Julian Draxler bei „Sky“.

Allofs blickt gegen Real nach vorne

Auch VfL-Sportdirektor Klaus Allofs („Das ist Stückwerk gewesen“) sparte nicht an Kritik, will sich aber den großen Fußball-Tag gegen Real Madrid nicht gänzlich vermiesen lassen. „Wer weiß, ob die Spieler so etwas noch einmal erleben. Deshalb muss man es genießen“, sagte er. „Ich denke, dass wir eine andere Mannschaft sehen werden.“

Während der DFB-Pokalsieger im Europacup-Rennen auf der Strecke zu bleiben droht, ist Bayer 04 wieder oben auf. „Nun können wir das Ziel Champions League noch aus eigener Kraft erreichen“, freute sich Bayer-Coach Roger Schmidt und sprach nicht nur wegen des dritten Sieges in Serie von einem „Abend, den man nicht schöner hätte malen können“.

Schließlich feierte Nationalspieler Lars Bender nach fünf Monaten sein Comeback und der Zwölf-Millionen-Euro-Mann Charles Aranguiz - er hatte vor dem Saisonstart einen Achillessehnenabriss erlitten - sein spätes Debüt. „Lars hat es super gemacht“, befand Sportdirektor Rudi Völler, der seinen Werksclub „wieder gut im Rennen“ weiß. Dank der Tore von Julian Brandt (27.), Javier „Chicharito“ Hernández (73.) und Wladlen Jurtschenko (87.). „Jetzt haben wir auf einen wichtigen Konkurrenten sieben Punkte Vorsprung“, sagte Vereinschef Michael Schade. „Das ist die halbe Miete. Deshalb glaube ich, dass wir zumindest für die Europa League schon mal planen können.“

dpa

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