Schiedsrichter im Krankenhaus

DFB-Pokal: Osnabrück gegen RB Leipzig abgebrochen!

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Schiedsrichter Martin Petersen konnte das Spiel nach dem Feuerzeugwurf nicht mehr fortsetzen.

Osnabrück - Nach einem Eklat ist das DFB-Pokalspiel zwischen dem Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück und dem Zweitligisten RB Leipzig am Montagabend beim Stand von 1:0 abgebrochen worden.

Schiedsrichter Martin Petersen war beim Stand von 1:0 in der 71. Spielminute von einem Feuerzeug am Kopf getroffen worden und zog sich zunächst in die Kabine zurück. Der Referee aus Stuttgart pfiff die Partie danach nicht mehr an. Zum Zeitpunkt des Abbruchs stand es nach einem Treffer von Halil Savran nach 23 Sekunden 1:0 für Osnabrück.

Als Leipzig-Stürmer Davie Selke von einem VfL-Abwehrspieler auf dem Weg Richtung Tor gebremst wurde, lief der Osnabrücker Ersatzspieler Michael Hohnstedt auf das Feld und provozierte Selke. Als Petersen die Gemüter beruhigen wollte, wurde er von dem Feuerzeug getroffen und wendete sich mit schmerzverzerrtem Gesicht ab. Der Referee ging in die Kabine, aus der er nicht mehr zurückkehrte. Wie schwer Petersen verletzt wurde und ob der Wurf ihm oder dem neben ihm stehenden Leipziger Davie Selke galt, war zunächst unklar. Das rote Feuerzeug wurde allerdings aus dem VfL-Fanblock geworfen.

Erst 26 Minuten, nachdem die Begegnung abgebrochen worden war, wurden die Zuschauer darüber informiert. Der Bus mit den Leipzigern war da schon vom Parkplatz gefahren. „Das Sportgericht wird entscheiden müssen“, twitterte RB Leipzig.

Die mitgereisten Leipziger Fans zeigten sich aber nach dem Abbruch siegessicher. Sie feierten trotz des Rückstands in ihrer Kurve und skandierten lautstark „Sieg“. Betretene Gesichter gab es derweil bei den Osnabrückern Spielern und beim VfL-Anhang.

„Das ist natürlich ein Debakel für uns“, sagte der Osnabrücker Manager Lothar Gans der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist einer von 13 000 im Stadion, aber das ist nicht zu entschuldigen. Es tut mir sehr leid.“ Der Schiedsrichter wurde in ein Krankenhaus gebracht.

"Wir sind erschüttert und traurig"

„Wir sitzen alle in der Kabine und sind total erschüttert und traurig. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir sind uns sicher, dass wir das Spiel gewonnen hätten. Was jetzt passiert, weiß ich auch nicht“, sagte VfL-Spieler Nicolas Feldhahn. Über die Wertung des Spiels muss nun das DFB-Sportgericht entscheiden.

Dabei sah alles nach einer Überraschung durch den Drittligisten aus, die Osnabrücker hatten ihrem Ruf als Favoritenschreck einmal mehr alle Ehre gemacht. In der Saison 2009/10 waren die Lila-Weißen als Drittligist ins Viertelfinale vorgedrungen und hatten dabei auf dem Weg die Bundesligisten Hamburger SV und Borussia Dortmund eliminiert. Drei Jahre davor hatten die Niedersachsen das Achtelfinale erreicht.

Der zweitligaerfahrende Savran erzielte für den Außenseiter den schnellen Führungstreffer. In der Folgezeit entwickelte sich eine hitzige und turbulente Partie mit vielen harten Zweikämpfen und weniger Torszenen, in der die Gastgeber dem zweiten Treffer die meiste Zeit näher waren als Leipzig dem ersten. Die von Ralf Rangnick trainierten Gäste enttäuschten auf ganzer Linie.

Vor neun Jahren war nach einem ähnlichen Vorfall das Zweitrundenspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC abgebrochen worden. Beim Stand von 2:0 für den Berliner Bundesligisten war einer der beiden Schiedsrichter-Assistenten in der 81. Minute von einem gefüllten Hartplastikbecher am Nacken getroffen worden. Die Partie vom 25. Oktober 2006 wurde zugunsten von Hertha BSC gewertet.

dpa/SID

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