Abstimmung am Freitag

Maradona nennt FIFA-Boss Blatter einen "Diktator"

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Diego Maradona hat keine gute Meinung über Sepp Blatter.

Paris - Zu einer eigenen Kandidatur als FIFA-Chef hat sich UEFA-Präsident Michel Platini auch aus Machtkalkül nicht durchringen können. Kurz vor der Abstimmung attackiert der Franzose nun Amtsinhaber Joseph Blatter.

UEFA-Boss Michel Platini hat mit Sticheleien über Joseph Blatters angebliche Angst vor dem Rentnerleben die letzte Phase des Machtkampfes um den FIFA-Thron eingeläutet. Kurz vor der Abstimmung beim Kongress des Fußball-Weltverbandes am Freitag in Zürich beschuldigte der Franzose seinen einstigen Förderer, beim FIFA-Kongress am Freitag aus purem Egoismus eine fünfte Amtszeit anzustreben. „Aber wenn er die FIFA wirklich lieben würde, sollte er ihre Interessen wichtiger nehmen als seine“, sagte der Franzose in einem Interview der Sportzeitung „L'Équipe“ (Montag).

Platini selbst hatte auf eine Kampfkandidatur bereits im vergangenen Sommer verzichtet. Einziger verbliebener Kontrahent ist der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein, der nun von Platini auch offiziell unterstützt wird. „Er sagt, was der denkt und er hat keine Angst, den Status quo zu verändern“, sagte Platini über seinen Kollegen als FIFA-Vizechef. „Er kann einen Mehrwert bringen und ist jemand, der im Team arbeiten kann“, ergänzte der UEFA-Chef - eine Fähigkeit, die er Blatter offenbar abspricht.

Prinz Ali dankte Platini umgehend für dessen Hilfe. „Ich bin außerordentlich geehrt von der Unterstützung von Präsident Platini“, schrieb der Jordanier am Montag bei Twitter. Zudem richtete er eine Internet-Videobotschaft an die 209 FIFA-Mitglieder, in der er auch mit Hochglanz-Aufnahmen Fußball spielender Kinder für den Wechsel an der Spitze des skandalumtosten Weltverbandes warb. Indirekten Zuspruch bekam er auch von Fußball-Legende Diego Maradona, der in einer Kolumne der englischen Zeitung „The Telegraph“ wieder einmal Blatter als „Diktator“ verunglimpfte.

Platini mokierte sich vor allem darüber, dass Blatter sein Versprechen an die Europäer aus dem Jahr 2011 gebrochen habe. „Er hat uns in die Augen geschaut und gebeten, ihn für seine letzte Amtszeit zu unterstützen“, sagte Platini. Er habe damals den UEFA-Verbänden auf Basis einer „Lüge“ die Empfehlung zur Wahl Blatters gegeben.

Dass der 79 Jahre alte Schweizer erneut antrete, hat laut Platini nichts damit zu tun, dass dieser wie von ihm selbst behauptet „seine Mission“ beenden wolle oder noch „große Pläne“ für den Weltfußball habe. „Nein - er hat einfach Angst vor der Zukunft, weil er sein Leben an die Institution gegeben hat, bis zu dem Punkt, an dem er sich selbst mit der FIFA komplett identifiziert“, sagte Platini. Diese „Angst vor der Leere“ könne er sogar verstehen. Für seine eigene Karriere hoffe er, den Zeitpunkt für das richtige Ende im Gegensatz zu Blatter nicht zu verpassen.

Die Aussichten auf einen Sieg Al-Husseins in Zürich sind minimal. Blatter hat die Stimmen aus Afrika und Ozeanien bereits versprochen bekommen. Auch aus Nord- und Mittelamerika und sogar aus Asien - der Heim-Konföderation des Prinzen - dürften die meisten Stimmen an den seit 1998 regierenden Schweizer gehen. In einem letzten Wahlkampf-Update stellte Al-Hussein genau diesen Konföderationen mehr WM-Startplätze in Aussicht - ein alter Trick von Blatter.

Die UEFA-Spitze um Platini - der selbst kein Stimmrecht hat - und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach will sich am Mittwoch am Rande des Europa-League-Endspiels in Warschau noch einmal zu Konsultationen treffen. Einen Tag später tagen alle 54 UEFA-Mitglieder wenige Stunden vor der Kongresseröffnung in Zürich. „Ich bin selber gespannt, ob es einen geschlossenen Auftritt der Europäer geben wird“, sagte Niersbach der Deutschen Presse-Agentur.

Der DFB kann nach seinen klaren Aussagen für einen Wechsel nur noch für Prinz Ali stimmen. Lieblingskandidat Michael van Praag hatte wie Luis Figo in der Vorwoche seinen Rückzug verkündet, um die minimalen Aussichten Al-Husseins nicht noch mehr zu schmälern. Letztlich wird es für die Anti-Blatter-Koalition primär noch darum gehen, eine Zwei-Drittel-Mehrheit Blatters zu verhindern, den FIFA-Chef damit in einen zweiten Wahlgang zu zwingen und ihm zumindest eine symbolische Niederlage beizubringen.

dpa

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