Letztes Spiel der EM-Qualifikation

Löw warnt vor Georgien: "Konzentration schärfen"

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Jogi Löw warnt seine Spieler vor dem letzten Spiel in der EM-Quali gegen Georgien.

Leipzig - EM-„Finale“ in Leipzig: Nach einer Qualifikation mit Pleiten und Pannen zittert der wankende Weltmeister Deutschland dem „Endspiel“ gegen Georgien entgegen.

Joachim Löw nippte bedächtig und äußerlich gelassen an seinem Espresso, ehe er zum Weckruf für seine Weltmeister ansetzte. „Wir sind im Moment nicht so tödlich für den Gegner, wie wir das schon waren“, monierte der Bundestrainer und mahnte vor dem „Finale“ um ein EM-Ticket am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) gegen Außenseiter Georgien in Leipzig: „Es gilt, die Konzentration und die Sinne zu schärfen.“

Ein Punkt würde im abschließenden Qualifikationsspiel gegen den 110. der Weltrangliste für Frankreich 2016 (10. Juni bis 10. Juli) zwar reichen. Doch nach einer Ausscheidungsrunde mit Pleiten und Pannen wie beim blamablen 0:1 am Donnerstag in Irland gehen die Stars „nicht mit dem besten Gefühl ins Spiel“, wie Torwart Manuel Neuer meinte.

Löw sieht sich als Psychologe gefordert. „Wir müssen ein bisschen in die Köpfe rein und mit den Spielern reden, dass sie sich aus der Überlegenheit nicht zu sicher fühlen“, sagte er nach dem Arroganzanfall von Dublin. Die Mannschaft müsse „begreifen, dass eine Chance vielleicht die allerletzte im Spiel oder in dieser Woche ist“. Neuer versprach wenige Minuten nach Löw artig: „Wir werden die Chancen nutzen.“

Doch Dublin hat Spuren hinterlassen - auch bei Löw. „Der Frust war groß“, sagte er, „aber es ist nichts Dramatisches passiert. Wir sind Tabellenführer und haben gegen einen Gegner alles in der Hand, der nicht zu den Topmannschaften in Europa gehört.“

Die Teilnahme an den Play-offs ist sicher, an eine Wiederholung der „Schmach von Tirana“, wo Deutschland im Dezember 1967 mit Günter Netzer und Wolfgang Overath beim 0:0 gegen Albanien das einzige Mal ein EM-Ticket verspielte, will niemand denken. „Wir sind nach wie vor selbstbewusst genug, um zu sagen: Wir werden die Qualifikation aus eigener Kraft schaffen“, sagte Löw.

Bundestrainer Löw muss personell umstellen

Es gelte aber, die Effizienz vor dem Tor wieder klar zu erhöhen, sagte Löw. Dieses Problem ziehe sich „wie ein roter Faden durch die Qualifikation“, monierte er und rechnete vor, dass die Weltmeister sechs Großchancen benötigten, um ein Tor zu erzielen. Nach dem Ausfall von Mario Götze, dessen schwere Adduktorenverletzung Löw als „Schock“ bezeichnete, ist der Coach ohnehin zu Umstellungen im Offensivbereich gezwungen. Für Götze dürfte Karim Bellarabi in die Startelf kommen. Thomas Müller rückt in die Spitze, Mesut Özil auf die „Zehn“.

Hinter dem Einsatz von Kapitän Bastian Schweinsteiger steht weiterhin ein Fragezeichen. Die Muskelverhärtung des 31-Jährige habe sich „ein bisschen entspannt“ und es bestehe Hoffnung, sagte Löw. Aber: „Sobald ein kleines Risiko besteht, wird er nicht spielen.“ Dann müssen es auf der „Doppelsechs“ der formschwache Toni Kroos und Ilkay Gündogan richten.

Löw gab an, nach Dublin viel gegrübelt zu haben. „Wo muss man etwas verändern, wo gibt es Stellschrauben, was müssen wir verändern?“, habe er sich gefragt. Die wichtigste Erkenntnis: „An unserer Spielweise, unserer Spielidee gibt es für mich keinen Zweifel. Das ist der absolut richtige Weg!“

Fußball-Zwerg Georgien wird in der Weltrangliste der FIFA zwischen Simbabwe und Botswana gelistet. Dass selbst Weltmeister in der EM-Quali scheitern können, musste bisher nur Italien erleben, das die Endrunde 1984 verpasste. Wenn die DFB-Auswahl hingegen als Weltmeister in eine EM-Quali ging, erreichte sie bisher immer das Turnier - und dort auch das Finale (1976 und 1992).

„Jeder kennt die Lage, jeder kennt die Tabelle, und jeder kann rechnen“, sagte Neuer, und fügte mit einem Schmunzeln an: „Hoffe ich.“ - Die voraussichtliche deutsche Aufstellung: Neuer - Ginter, Boateng, Hummels, Hector - Kroos, Gündogan - Bellarabi, Özil, Reus - Müller. - Trainer: Löw

SID

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