"Mangel an hundertprozentiger Professionalität"

Jens Lehmann kritisiert junge Nationalspieler

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Berlin - Mitgefühl für Bastian Schweinsteiger, aber kein Verständnis für Julian Draxler: Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann hat die Verletzungsanfälligkeit junger Nationalspieler mit deutlichen Worten kritisiert.

Für den „Kniefall“ seines langjährigen Nationalmannschafts-Kollegen Bastian Schweinsteiger hat er Mitgefühl, für die Blessur von Jung-Nationalspieler Julian Draxler kein Verständnis. Der langjährige Auswahl-Torhüter Jens Lehmann hat die Verletzungsanfälligkeit junger Akteure im DFB-Trikot mit deutlichen Worten kritisiert.

„Das ist nicht gut für die Nationalmannschaft. Das ist meistens ein bisschen Mangel an hundertprozentiger Professionalität“, sagte der WM-Dritte von 2006 dem SID am Rande der Laureus-Veranstaltung in Berlin. Der Muskelbündelriss des Wolfsburgers Draxler nach nur 20 Minuten Spielzeit wundere ihn: „Da muss vorher irgendetwas nicht gestimmt haben, normal ist das nicht.“

Ganz anders beurteilt der 46-Jährige die Lage um Nationalmannschafts-Kapitän Schweinsteiger. „Das ist ein Spieler, der seit zehn, zwölf Jahren auf Champions-League-Niveau spielt. Der hat eine Weltkarriere gemacht“, betonte Lehmann, der bei Schalke 04, Borussia Dortmund und dem FC Arsenal in London das Tor hütete.

Seit dem Wochenende droht Bundestrainer Joachim Löw überdies ein weiterer EM-Ausfall. Nun steht auch die Teilnahme von Emre Can bei der Endrunde im Sommer in Frankreich auf der Kippe. Die Verletzung des 22-Jährigen aus dem spektakulären Europa-League-Spiel des FC Liverpool gegen Borussia Dortmund (4:3) hat sich als mehrfacher Bänderriss im rechten Knöchel herausgestellt, der Mittelfeldspieler wird mindestens einen Monat ausfallen.

Noch prekärer ist indes Schweinsteigers Situation. Der Spielführer des Löw-Teams, der mit dem Weltmeister seinen ersten EM-Titel anstrebt, ist schon seit dem 23. März wegen eines Innenbandteilrisses im Knie außer Gefecht. Selbst sein Arbeitgeber Manchester United rechnet nicht mehr mit einem Comeback des 31-Jährigen in dieser Saison.

Bei den „Reds“ hingegen hofft Trainer Jürgen Klopp auf eine rasche Genesung seines Stammspielers, der bei einem zügigen Heilungsverlauf die EM noch nicht endgültig abschreiben muss. „Wir werden alles versuchen, um ihn so schnell wie möglich zurückzubringen. Aber eine bestimmte Zeit kann ich da nicht nennen“, äußerte der frühere BVB-Coach.

Allemal drängt die Zeit, denn bis zum Auftaktspiel der deutschen Mannschaft am 12. Juni in Lille gegen die Ukraine sind es nur noch 56 Tage. Besonders für Schweinsteiger kann das höchst problematisch werden. Denn seine aktuelle Blessur ist bereits die zweite Knieverletzung seit seinem Wechsel nach England. Schon von Januar bis März musste „Schweini“ pausieren.

Doch noch verbreitet man beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) Optimismus. „Ich weiß, dass “Basti' alles tun wird, um bis zum EM-Turnier wieder fit zu sein„, sagte Löw. Ersatzkapitän Sami Khedira (Juventus Turin) will sich mit einem möglichen EM-Aus für Schweinsteiger ebenfalls noch nicht abfinden: `Jeder, der ihn abschreibt, macht einen großen Fehler.“

sid

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