Nach Wechsel zu Manchester United

"Schweinsteiger muss eine Schippe drauflegen"

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Bastian Schweinsteiger.

München - Bastian Schweinsteiger startet nach seiner Ankunft auf der Insel gleich zu einer US-Tour mit Manchester United durch.

Viel Zeit zum Eingewöhnen in Manchester blieb Bastian Schweinsteiger nicht. Nachdem der 30-Jährige am Sonntagabend in der englischen Metropole mit einem Privatjet aus München angekommen war, ging es für den Weltmeister am Montag direkt in die USA weiter. ManUnited bereitet sich an der Westküste in Seattle und San Francisco mit vier Spielen auf die neue Saison in der Premier League vor.

Nach einem enttäuschenden Jahr, das für den 20-maligen Meister nur auf Platz vier endete, soll Schweinsteiger die „Red Devils“ wieder zu neuen Höhen führen. Es sei eine „tolle Herausforderung“, betonte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach einer letzten Radltour am Sonntagnachmittag mit Freundin Ana Ivanovic durch München - wohl wissend, dass die Erwartungen auf der Insel in ihn riesig sind. Schweinsteiger soll unter seinem Ex-Trainer Louis van Gaal in die Fußstapfen von Klub-Ikonen wie Paul Scoles, David Beckham, Ryan Giggs oder Eric Cantona treten.

Für „Kaiser“ Franz Beckenbauer ist der Wechsel von Schweinsteiger nach 17 Jahren beim FC Bayern in die Premier League aber durchaus ein Wagnis. „Es ist mutig, in diesem Alter den Schritt zu wagen. Auf der Insel muss er noch mehr tun als beim FC Bayern, wo man seine Leistung kennt. In England muss er eine Schippe drauflegen“, sagte Beckenbauer der Bild und fügte an: „Einen Wechsel in die USA hätte ich eher verstanden.“

England-Kenner Dietmar Hamann hält dagegen. „Ach was! England ist genau die richtige Herausforderung. Ich bin sicher, er kann mit Manchester United um den Titel spielen - und den Bayern zeigen, was sie nicht mehr an ihm haben“, sagte der frühere Nationalspieler, der elf Jahre bei Newcastle, Liverpool und Manchester City spielte, der Bild. Schweinsteiger werde es „lieben, in der Premier League zu spielen“, betonte auch Kumpel Lukas Podolski.

Ein Jahr vor der EURO 2016 in Frankreich wollte Schweinsteiger nicht in die zweitklassige Major League Soccer (MLS) flüchten, sondern sich auf höchstem europäischem Niveau noch einmal beweisen. Und wo könnte er das besser als bei Manchster United, dem größten Klub der Welt - und bei einem Trainer Louis van Gaal, der ihn aus Münchner Zeiten sehr schätzt und den Wunsch-Transfer maßgeblich beeinflusste?

„Er ist ein überragender Fußballer, der alles gewonnen hat. Er ist sehr, sehr wertvoll für jede Mannschaft, das wird er in Manchester auch sein“, meinte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff ist überzeugt, dass sich „Schweini“ bei ManUnited durchsetzen wird: „Einer wie Basti, der von seiner Leidenschaft lebt, wird sich dort schnell einfügen.“

Mit seiner Art Fußball zu spielen, hat der Mittelfeldspieler in der Tat das Zeug dazu, sich auch auf der Insel nachhaltig in Erinnerung zu bringen. Die Engländer lieben heroenhafte Auftritte, wie ihn Schweinsteiger vor genau einem Jahr im WM-Finale gegen Argentinien (1:0 n.V.) hingelegt hatte, als er trotz blutender Kopfwunde und Fußverletzung durchhielt und zum Gesicht des deutschen Triumphes wurde.

Für Ex-Trainer Jupp Heynckes besitzt der 30-Jährige ohnehin schon Heldenstatus, weshalb er den Wechsel auch bedauert. „Bastian war die Seele und das Herzstück der Mannschaft. Er tat alles für die Mannschaft, nicht für sich. So einen Spieler wird es nicht mehr geben beim FC Bayern“, sagte Heynckes dem kicker und sprach von einer „Ikone und Identifikationsfigur. Bastian Schweinsteiger ist in einem Atemzug mit Franz Beckenbauer und Gerd Müller zu nennen.“

500 Pflichtspiele bestritt Schweinsteiger für die Bayern, nun erfülle er sich einen „letzten Traum in meiner Karriere“, sagte er vor dem Abflug am Sonntag. Sein „schwerer Schritt“ wurde ihm von United mit einem Gehalt von 140.000 Pfund/Woche und einem Vertrag bis 2018 erleichtert. Die Bayern erhalten angeblich rund 20 Millionen Euro Ablöse - und van Gaal seinen Lieblingsspieler.

Dies sei „genau die Verpflichtung, die United braucht“, schrieb die renommierte Times. Und vielleicht ist es auch die nötige Luftveränderung, die Schweinsteiger braucht. Bundestrainer Joachim Löw verspricht sich für seinen Kapitän „einen weiteren Schub und Ansporn“.

SID

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