Er träumt von einer Bundesliga-Karriere

Flüchtling Manneh beflügelt Fantasien bei Werder

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Ousman Manneh.

Bremen - Dieser Werdegang ist für einen Flüchtling untypisch. Der 18-jährige Ousman Manneh floh aus Gambia nach Deutschland. Nun träumt er von einer Karriere als Profi-Fußballer bei Werder Bremen.

Ousman Manneh hat etwas geschafft, von dem zigtausend andere Flüchtlinge nur träumen können. Dem 18-Jährigen, der Anfang 2014 als Minderjähriger aus Gambia ins Flüchtlingsheim Bremen-Lesum kam, winkt dank seiner Fußballkünste ein Leben in sicheren Verhältnissen. Im März unterschrieb er bei Werder Bremen einen Vertrag bis 2018, danach stieg er mit Werder II in die 3. Liga auf, und am Dienstag feierte er mit vier Toren in 15 Minuten beim Testspiel in Wilhelmshaven ein bemerkenswertes Debüt im Profi-Team.

„Löst der 18-Jährige die Lücke im Werder-Sturm im Alleingang“, fragte selbst der Werder-Liveticker nach der ungewöhnlichen Tor-Gala. Und auch Manneh, umlagert von Autogrammjägern, wunderte sich. „Ich war nervös und bin jetzt selbst überrascht. Wenn mir das vorher einer erzählt hätte, dass ich vier Tore mache, ich hätte es nicht geglaubt“, sagte der Stürmer. Bereits am vergangenen Samstag hatte er beim Start der 3. Liga das Siegtor für Werders U23-Team beim 2:1 in Rostock erzielt.

Dass der junge Mann, der das Fußballspiel an der Gambia Rush Soccer Academy in seinem Heimatland erlernte, sofort den zu Schalke 04 gewechselten Torjäger Franco Di Santo ersetzen kann, daran glaubt auch Alexander Nouri nicht. „Ousman ist unheimlich auf Fußball fokussiert, er muss aber noch einige Dinge lernen. Dennoch hat er Anlagen, die unsere Fantasie beflügeln“, sagte der Trainer der Werder-Reserve der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Seine Aufgabe ist es, die Talente an das Profi-Team heranzuführen. „Grundsätzlich traue ich das jedem meiner Spieler zu“, sagte Nouri.

Er absolvierte auch Probetrainings bei Schalke und Hamburg

Manneh ist sehr athletisch, er wirkt ruhig und abgeklärt. Über die Beweggründe seiner Flucht und die detaillierten Umstände spricht er wie viele seiner Landsleute nicht. Gambia wird von Diktator Yahya Jammeh regiert, der westafrikanische Staat zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. „Seine Herkunft als Flüchtling ist in der Mannschaft absolut kein Thema“, versicherte Trainer Nouri. „Er ist ein sehr positiver Typ. Für sein Alter wirkt er erwachsen und reif.“

Ähnlich beurteilte Peter Moussalli vom Blumenthaler SV den Angreifer, der nach seiner Flucht zunächst für Blumenthal kickte. „Er ist der feine, korrekte Kerl geblieben, als den ich ihn kennengelernt habe“, sagte Blumenthals Sportlicher Leiter dem „Weser-Kurier“. Manneh absolvierte auch Probetrainings beim HSV und auf Schalke, entschied sich aber für Werder. „Hier in Bremen ist meine erste Heimat in Deutschland, ich fühle mich zu Hause“, erklärte er.

Im Flüchtlingsheim muss Ousman Manneh längst nicht mehr leben. „Er hat mit einem Landsmann eine WG gegründet und sich ein soziales Netzwerk aufgebaut“, berichtete Nouri. Dazu gehört auch ein Berater. „Ousman fühlt sich wohl, sonst könnte er nicht diese Leistungen bringen“, fügte der Coach hinzu.

dpa

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