Der General als Reformer

Van Gaal bittet bei ManUnited um Zeit

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Hoffnungsträger in Manchester: Louis van Gaal.

Manchester - Louis van Gaal steht vor einer schweren Aufgabe. Der Coach soll den kriselnden englischen Rekordmeister Manchester United zurück zu alter Stärke führen. Schon vor dem ersten Spiel bittet er um Zeit.

 „Willkommen in Vanchester“ steht auf einem großen roten Reklameschild in der Lever Street in der Innenstadt von Manchester. Über dem Schriftzug ist Louis van Gaal abgebildet. Natürlich in Jubelpose. Der neue Trainer des englischen Fußball-Rekordmeisters Manchester United ist vor dem Start der Premier-League-Saison der wichtigste Mann in der Stadt. Seine Aufgabe: Er soll den Club nach einer Krisen-Saison wieder auf Kurs bringen.

In den Pubs gibt es nur eine Meinung: Van Gaal ist der Transfer des Sommers. Er soll den Traditionsverein zum 21. Meistertitel führen - mindestens aber zurück in die Champions League. Nach dem trostlosen Jahr unter Coach David Moyes ist die Sehnsucht der Anhänger groß. Sie wünschen sich den Beginn einer neuen Ära unter dem oft als „General“ bezeichneten Niederländer. Ein gutes Omen: Van Gaal bestreitet sein erstes Heimspiel am Samstag gegen den Gegner, gegen den United-Legende Sir Alex Ferguson im Mai 2013 ein letztes Mal in Old Trafford auf der Trainerbank saß: Swansea City.

Was dazwischen war, wollen die United-Fans am liebsten vergessen. Unter Moyes und dem späteren Interimstrainer Ryan Giggs wurde der Club in der vergangenen Saison Tabellensiebter. Zum ersten Mal seit 1990 war United damit schlechter platziert als Rang sechs. In der Liga wurden sieben Heimspiele verloren - selbst für Außenseiter wie Newcastle, Sunderland oder West Bromwich war die einstige Festung Old Trafford plötzlich einnehmbar. Zum ersten Mal seit 1990 verpasste der Club einen europäischen Wettbewerb - eine Schreckensbilanz.

Die Zahlen zeigen auch, vor was für einer Mammutaufgabe van Gaal steht. „Er muss das Chaos beseitigen, dass Moyes hinterlassen hat“, schrieb der „Guardian“. Dazu muss der neue Boss eine Reform starten - so wie damals bei den Bayern, als er Bastian Schweinsteiger zum zentralen Mittelfeldspieler machte oder David Alaba, Holger Badstuber und Thomas Müller aus dem Hut zauberte und den Münchnern am Ende eine neue Art des Fußballs beigebracht hatte.

Mit ein paar kleinen Veränderungen ist es bei United nicht getan. Ende Juli gab er zu, er habe eine „kaputte Mannschaft“ übernommen. Nach dem 2:1-Sieg im letzten Testspiel am Dienstag gegen den FC Valencia warb er um Geduld: „Man kann nicht alles in drei oder vier Wochen verändern. Um etwas zu entwickeln, braucht man Zeit“.

Offenbar ist Coach aber auf einem guten Weg. United ist unter ihm in allen sechs Vorbereitungsspielen ungeschlagen geblieben. „Das gibt uns viel Selbstvertrauen“, sagt der 63-Jährige, der noch im Juli als Bondscoach die Niederländer auf Platz drei der WM in Brasilien geführt hatte.

Die Spieler vertrauen ihm und haben auch sein 3-5-2-System angenommen. „Wir wissen genau, was er will. Und wir sind überzeugt, dass wir gewinnen werden, wenn wir tun, was er sagt“, meinte Mittelfeldspieler Tom Cleverley. Zugang Ander Herrera lobte: „Er ist unser Anführer“. Torjäger Wayne Rooney hat van Gaal schnell auf seine Seite gezogen. Er machte ihn zum Kapitän. Zwischen beiden bahnt sich eine erfolgsversprechende Partnerschaft an.

Doch es gibt auch Zweifel, ob die Arbeit van Gaals schnell greift. United-Legende Paul Scholes rechnet nicht damit, dass sein Verein ins Titelrennen eingreifen kann. „Dafür haben sie nicht genug Spieler verpflichtet“, glaubt der frühere Mittelfeldstar. Zwar hat van Gaal für Luke Shaw (FC Southampton) und Herrera (Atletico Bilbao) zusammen 56 Millionen Pfund (ca. 70 Millionen Euro) ausgegeben, durchschlagenden Erfolg auf dem Transfermarkt war ihm bislang aber nicht vergönnt.

Nach den Abgängen der Verteidiger Rio Ferdinand, Nemanja Vidic und Patrice Evra muss vor allen Dingen in der Abwehr nachgebessert werden. Auch ein überragender Mittelfeldspieler würde dem Projekt von van Gaal guttun.

Hoffnungslos ist Scholes aber auch nicht. Zur Begründung zieht er einen Vergleich mit Ex-Coach Ferguson heran: Van Gaal „sieht wie ein beängstigender Mann aus. Gut. Sir Alex war manchmal auch ein beängstigender Mann.“ Weitere Parallelen sind von United-Fans erwünscht.

dpa

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