DFB-Team will "Tabelle korrigieren"

Deutschland will Revanche gegen Polen - Löw warnt

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Joachim Löw ist seit Juli 2006 Bundestrainer der Nationalmannschaft.

Frankfurt/ Main - Deutschland will das holprige Länderspieljahr gegen Polen und Schottland wettmachen. Aber Bundestrainer Löw warnt vor dem Tabellenführer.

Die Anspannung steigt - und Zweifel an einem Erfolg gegen Polen werden von den Fußball-Weltmeistern konsequent ausgeblendet. Das erste Training mit allen 23 Spielern inklusive Mesut Özil hat den Glauben an die Rückkehr zu alter Stärke und den Sprung auf Platz eins im Topspiel der EM-Qualifikation am Mittwoch weiter gestärkt. Auch Oliver Bierhoff glaubt fest an einen Sieg auf Knopfdruck. „Die Mannschaft war immer da, wenn es darauf ankommt. Da bin ich zuversichtlich“, erklärte der Teammanager vor der Partie am Freitag (20.45 Uhr/RTL) im ausverkauften Frankfurter Stadion. „Wir wollen die Tabelle korrigieren“, formulierte Bierhoff den Auftrag.

Wohl acht Weltmeister in der Startelf gegen Polen

Thomas Müller und Co. müssen gegen die konterstarken Polen beweisen, dass sie nach einer bislang holprigen EM-Ausscheidung tatsächlich den Schalter einfach wieder umlegen können. „Es ist ein sehr wichtiges Spiel gegen den Tabellenersten, da werden wir an die Grenzen heranmüssen“, sagte Bayern-Profi Müller, der als einer von acht erwarteten Weltmeistern in der Startelf endlich wieder in einem Länderspiel den Glanz von Brasilien verbreiten soll. „Wir sind mit dem letzten Jahr nicht zufrieden, aber das lassen wir hinter uns“, sagte Bierhoff.

Deutschland will Platz eins der EM-Quali-Gruppe

Vor den letzten vier Spieltagen liegt Deutschland (13 Punkte) hinter Polen (14) und vor Schottland (11) auf Platz zwei, der für das direkte EM-Ticket ausreichen würde. Aber die Messlatte wird höher gelegt. „Wir haben als Weltmeister klar den Anspruch, die Tabelle anzuführen“, betonte Bierhoff. Ein Druckspiel wie gegen Polen sei auch eine Chance, dass sich die Mannschaft weiter entwickeln könne.

„Im Oktober wollen wir dann nachlegen, damit wir uns mit der EM konkret beschäftigen können“, ergänzte der Manager. Das EM-Stammquartier am Genfer See ist bereits ausgesucht. Für die Vorbereitung wird Ascona in der Schweiz favorisiert, wo das DFB-Team schon während der EM 2008 gewohnt hatte.

Kompletter Kader trainiert - Özil weiter fraglich

Am Mittwoch konnte Bundestrainer Joachim Löw erstmals mit allen 23 Spielern trainieren. Auch Spielmacher Özil, der zuvor wegen einer Reizung der Patellasehne pausiert hatte, stand auf dem Übungsplatz. „Wir sind froh, dass alle gesund sind“, bemerkte Bierhoff. Eine „definitive Prognose“, ob Özil gegen Polen im offensiven Mittelfeld auflaufen kann, konnte der DFB aber immer noch nicht geben.

„Die Polen sind im Augenblick Tabellenführer, sie haben ein Wohlgefühl, eine Euphorie in ihrer Mannschaft“, warnte Löw vor einem starken Gegner: „Sie spielen viel auf Konter, ähnlich wie es beispielsweise die Portugiesen machen. Am gefährlichsten sind sie immer, wenn der Gegner den Ball verliert, dann haben sie drei, vier hervorragende Offensivspieler.“

Bierhoff adelt Lewandowski

Vor allem auf Robert Lewandowski muss die deutsche Defensive um Jérôme Boateng und Mats Hummels achten. „Es ist beeindruckend, wie er sich als einer der besten Stürmer in Europa positioniert hat“, lobte Bierhoff den Bayern-Star: „Aber ich freue mich über ein enttäuschtes, trauriges Gesicht bei ihm nach dem Spiel.“

Das Hinspiel in Warschau hatte das DFB-Team mit 0:2 verloren, es war die erste Niederlage gegen den Nachbarn überhaupt. „Auch in Polen haben wir es eigentlich sehr gut gemacht und einfach versäumt, die Tore zu machen“, erinnerte Bierhoff. Die Arbeit der Trainer sei schon seit Wochen darauf fokussiert, „wie man gegen tief stehende Gegner Lösungen findet“, berichtete der Manager mit Blick auch schon auf das anschließende Spiel am Montag in Glasgow gegen Schottland.

DFB-Team will Revanche gegen Polen

„Jetzt geht es wirklich rund. Wir haben mit Polen noch eine Rechnung offen. Es ist kein Spiel, in dem man im Vorbeigehen die Punkte mitnimmt“, erklärte Müller, mit fünf Treffern der beste deutsche Torschütze in der Qualifikation. Auch Lukas Podolski, in Polen geboren und inzwischen bei Galatasaray Istanbul angestellt, prophezeite: „Es wird ein hartes Spiel.“ Real-Madrid-Star Toni Kroos ergänzte: „Es ist ganz normal: Wenn man den einen oder anderen Punkt liegen lässt, kommt man hinten heraus unter Druck. Ich bin absolut überzeugt, dass wir uns qualifizieren werden.“

Nationalspieler setzen Zeichen für Flüchtlinge

Außerhalb des Fußballplatzes setzte der Weltmeister ein Zeichen der Solidarität für die vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. In einem Video beziehen die Nationalspieler angeführt von Kapitän Bastian Schweinsteiger Position gegen Hass, Aggression und Gewalt, aber für ein weltoffenes Deutschland. „Wir müssen als Fußball, als Nationalmannschaft, vorneweg ein Zeichen setzen“, erklärte Bierhoff. „Wir stehen in der Öffentlichkeit. Meine Meinung ist, dass wir als eines der reichsten Länder der Welt in der Lage sind zu helfen“, sagte Kroos.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Neuer - Rudy, Boateng, Hummels, Hector - Schweinsteiger, Kroos - Müller, Özil, Reus - Götze

dpa

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