Tränengasgranaten und viele Einsatzkräfte

EM-Krawalle: Jetzt rüstet Frankreichs Polizei für Risikopartien auf

Paris - Schon wieder zieht nach einem EM-Spiel Tränengas durch eine Innenstadt. Frankreichs Behörden verteidigen ihr Vorgehen in Lille - und rüsten sich vor weiteren Risikospielen.

Neue Zusammenstöße mit englischen Fans heizen die Sorge vor weiteren EM-Ausschreitungen zusätzlich an. Die Behörden in der nordfranzösischen Stadt Lille sprachen nach dem Tränengaseinsatz der Polizei von „extrem punktuellen Scharmützeln“ nach dem Spiel Russland gegen Slowakei. Im nahegelegenen Lens wollen die Behörden alles tun, um Krawalle rund um das britische EM-Duell England gegen Wales am Donnerstag zu verhindern.

„Die Devise lautet, das Terrain zu besetzen“, sagte die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, am Vormittag. „Wir werden alles tun, damit es ein Fest bleibt.“ In der 32 000-Einwohner-Stadt waren 1400 Polizisten und Gendarmen im Einsatz.

Auch für das als Risikopartie eingestufte deutsche EM-Spiel gegen Polen (21:00 Uhr, live im TV und Live-Stream) im Pariser Vorort Saint-Denis am Abend gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Unter anderem wurde der Verkauf von Alkohol um das Stade de France eingeschränkt. An der deutschen Grenze hielt die Bundespolizei Ausschau nach deutschen Hooligans auf dem Weg zum Spiel. An der A 44 bei Aachen zogen die Beamten drei bekannte Gewalttäter aus dem Verkehr und untersagten ihnen die Ausreise.

Die Auseinandersetzungen in Lille am Vorabend waren nach offizieller Darstellung im Wesentlichen von betrunkenen Briten provoziert worden. Die Präfektur des Départements Nord lobte die Polizei: Diese habe alles getan, um Zusammenstöße zwischen Briten und Russen zu verhindern. „Es gab keine echte Schlägerei dieser Sorte.“ Die Beamten hätten bei zwei Gelegenheiten insgesamt zehn Tränengasgranaten eingesetzt, um Gruppen aus mehreren Hundert Menschen zu zerstreuen.

Am vergangenen Wochenende hatte es rund um das EM-Spiel England-Russland in Marseille schwere Krawalle gegeben. Weil die Fans beider Mannschaften sich nun in der gleichen Gegend aufhalten, standen die beiden Spiele in Nordfrankreich unter enger Beobachtung.

Rund um das EM-Spiel in Lille nahm die Polizei am Mittwoch 37 Menschen fest, viele davon allerdings nur wegen Trunkenheit. Nur drei Festnahmen ereigneten sich am Abend - also im Zeitraum der Auseinandersetzungen. Über den ganzen Tag wurden 51 Menschen von Rettungskräften versorgt, darunter war kein Schwerverletzter.

Wegen der Krawalle von Marseille sollten drei Russen am Donnerstag im Schnellverfahren vor Gericht, wie der Staatsanwalt der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte. Sie gehören zu der Gruppe von 43 Russen, die am Dienstag in der Nähe von Cannes festgenommen worden waren. 20 weitere aus dieser Gruppe werden wegen Störung der öffentlichen Ordnung ausgewiesen und sitzen in Abschiebehaft. Unter ihnen ist nach Angaben der Allrussischen Fan-Vereinigung (WOB) auch dessen Vorsitzender Alexander Schprygin. Die übrigen 20 sind wieder auf freiem Fuß. Schprygin gilt mit seinem Fanverband als ein Drahtzieher der Ultras in Russland, dem Gastgeberland der WM 2018.

Seit Beginn der Fußball-Europameisterschaft hat die französische Polizei 323 Menschen vorläufig festgenommen. Ihnen werden nach Angaben des Innenministeriums insbesondere Gewalttaten, Diebstahl oder Sachbeschädigung vorgeworfen. 196 von ihnen seien für längere Zeit in Polizeigewahrsam genommen worden. Elf Täter wurden den Angaben zufolge bereits verurteilt.

dpa

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