Nach Slowakei-Spiel

Starker Julian Draxler: Behält er seinen Platz im Viertelfinale?

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Julian Draxler gelingt im Achtelfinale gegen die Slowakei ein bemerkenswertes Spiel für Deutschland. Behält er seinen Platz im Viertelfinale?

München - Julian Draxler gelingt im Achtelfinale gegen die Slowakei ein bemerkenswertes Spiel für Deutschland. Behält er seinen Platz im Viertelfinale?

Tor vorbereitet, Tor gemacht – und dann noch von allen Seiten gelobt worden: Es war der Tag des Julian Draxler. Er meldete sich nach einer guten und einer mediokren Partie sowie einer Pause zurück. Sein Vorteil gegenüber Mario Götze: Draxler ist weniger mit sich selbst beschäftigt, er konnte ziemlich befreit aufspielen. Er tat es. Und wer sagt, die Deutschen hätten niemanden, der das Eins-gegen- eins beherrscht? Ihm liegt es, über beide Seiten dribbelte er, bereitete das 2:0 vor und legte selbst zum 3:0 nach.

Nach dem 3:0 im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei geriet vor allem Mario Gomez, Nutznießer einer Draxler-Vorlage zum 2:0, ins Schwärmen: „Er hat zwei brilliante Zauberfüße“, sagte der Mittelstürmer über den Kollegen, der mal über rechts, mal über links kam. Und Gomez fügte an: „Wir wissen ja, was dieser Junge kann.“

Nun, wusste man es? Oder war es mehr eine Ahnung, die sich bislang noch nicht erfüllt hatte, seit Julian Draxler 2011 bei Schalkes Profis aufgetaucht war und der damalige Trainer Felix Magath ihm geraten hatte, es mit der Schule sein zu lassen und alles auf die Fußballkarte zu setzen. Draxler hat darauf nicht gehört, ist weiter zum Unterricht gegangen. Als er 2012 mit ins EM-Trainingslager des DFB durfte, nahm er nach Sardinien und Südfrankreich die Schulbücher mit – Lernen fürs Abi. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff assistierte. Nur ins endgültige Aufgebot schaffte Draxler es nicht. Die Reifeprüfung schaffte er,

Er wurde 2014 Weltmeister, spielte sogar ein paar Minuten beim 7:1 gegen Brasilien; doch er war keine Säule der Mannschaft, eher ein Mitläufer. Er wirkte unvollendet. Einer, der vieles ziemlich gut kann, aber in keiner Kategorie der beste Mann ist – und darum kein Stammspieler. Als er merkte, dass er in seiner Karriere nicht vorankam, forcierte er den Weggang aus seinem Schalker Umfeld. Er bandelte mit Juventus Turin an, entschied sich dann aber für den VfL Wolfsburg.

Julian Draxler: Prototypen des jungen deutschen Fußballers

Vorige Woche hat ihn „Der Spiegel“ auf mehreren Seiten beschrieben. „Der Sohnemann“ war die Geschichte überschrieben. Sie schilderte Draxler als Prototypen des jungen deutschen Fußballers. Gut ausgebildet, professionell, zielstrebig, höflich, aber auch glatt, nirgendwo anecken wollend. Julian Draxler lud die Redakteure in sein zu großes Eigenheim in Wolfsburg, für das er einen Koch engagiert hat, der ihm alle drei Mahlzeiten täglich zubereitet. Er will alles richtig machen; Ernährung rechnet er dazu. Teure Autos kaufe er sich nicht, verriet Draxler. Doch so übersichtlich wie sein Fuhrpark ist auch das Bücherregal. Zwei Bücher: die Bibel und eine Anlagefibel für Fußballprofis.

Vor zehn Wochen fürchtete Julian Draxler, er würde das große Turnier in Frankreich verpassen. Er hatte einen Muskelbündelriss erlitten. Er schaffte es trotzdem, und schon im Trainingslager in Ascona wurde deutlich, dass er auf der linken Offensivposition eine Nummer-eins-Lösung sein könnte.Löw ließ ihn gegen die Ukraine spielen, stellte ihn gegen Polen auf, nahm ihm allerdings in der zweiten Halbzeit raus. Gegen Nordirland gab es keinen Einsatz. „Das war dann nicht leicht für mich“, erklärt Draxler, „aber ich habe im Training gezeigt, dass ich den Kopf nicht hängen lasse.“

Am Sonntag nach dem Frühstück sagte Löw zu Draxler, dass er im Achtelfinale ins Team zurückkehren würde. Es gab sogar „eine Eins-zu-eins-Ansprache“, wie Draxler verriet. „Der Trainer hat zu mir gesagt, dass ich die Eins-gegen-eins-Situationen suchen soll. Er weiß, was ich kann.“

Lothar Matthäus: Könnte sein, dass Julian Draxler seinen Platz behält

Dass Julian Draxler auch im Viertelfinale wieder spielen darf, hält Weltmeister Lothar Matthäus für wahrscheinlich. Im Interview mit Sky Sport News HD sagte er: "Julian Draxler hat die Leistung gebracht, die man von Mario Götze erwartet hat. Mario hat ordentlich mitgespielt, aber Julian hat gestern überzeugt und ich könnte mir vorstellen, dass er seinen Platz im nächsten Spiel behält."

Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel betonte nach dem Spiel im ZDF-Interview: "Die Entscheidung für Julian Draxler war richtig."

Und Draxler selbst? Im ZDF erklärte er, dass er auf einen erneuten Einstaz im Viertelfinale am Samstag hofft. "Ein sehr schöner Tag für mich und die Mannschaft. Ich habe im Training Vollgas gegeben, dass ich da bin. Ich hoffe, dass ich im nächsten Spiel wieder ran darf. Italien und Spanien sind Riesen-Fußball-Nationen, wir sind gespannt, wer der Gegner wird."

(Übrigens: Wie Sie das Achtelfinale Italien gegen Spanien live im Free-TV und Live-Stream sehen können, haben wir bereits zusammengefasst.)

Pressestimmen zu Julian Draxler

Auch die internationale Presse registriert Julian Draxlers Top-Leistung im Achtelfinale gegen die Slowakei. Das schreiben die Zeitungen: 

  • Tuttosport (Italien): "Draxler, der bisher bei dieser EM nicht geglänzt hatte, ist unbesiegbar."
  • Repubblica (Italien): "Zwei Fakten beeindrucken: Deutschland hat noch kein einziges Tor einstecken müssen und Müller, der eigentlich der Star des Turniers sein sollte, hat sich noch nicht in Bewegung gesetzt. Löw hat sehr wahrscheinlich die ideale Ordnung gefunden. Seine Truppe ist eine raffinierte Mannschaft. Löw kann es sich erlauben, Müller im Schatten zu halten, denn der Regisseur ist Julian Draxler. Ein Spieler mit einem Engelsgesicht und einem Dribbling wie ein Teufel."
  • "El Mundo Deportivo" (Spanien): "Der Panzer ist wieder unaufhaltsam. Es war eine Draxler-Show mit Spielzügen, die selbst Zinedine Zidane unterzeichnet hätte."
  • „Blick“ (Schweiz): „Draxler zaubert Deutschland in den EM-Viertelfinal. Der Weltmeister gibt sich an der EM keine Blöße.“
  • „Aftenposten“ (Norwegen): "Die Weiß- und Schwarzgekleideten zeigten zum ersten Mal bei dieser EM Größe - und einer der Geniestreiche war ohne Zweifel, Julian Draxler aufzustellen."

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