Taktik-Tüftler mit klaren Spielideen

Trainerduell Löw gegen Conte: Wer hat den besseren Plan?

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Antonio Conte gegen Joachim Löw: Wer hat den besseren Plan am Samstag?

Evian-les-Baines - Deutschland gegen Italien heißt das Viertelfinale am Samstag. Das ist auch das Duell der Trainer Jogi contra Conte: Wer hat den besseren Plan?

Update vom 2. Juli 2016: Heute Abend gilt es für die DFB-Elf! Um 21:00 ist in Bordeaux Anstoß für das Klassiker-Duell Deutschland gegen Italien. Kann Jogi Löw den ersten Sieg in einem Pflichtspiel gegen die Squadra Azzurra holen? Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie das Viertelfinale Deutschland gegen Italien heute live im TV und im Live-Stream sehen können.

Deutschland gegen Italien – es ist das Aufeinandertreffen des amtierenden Weltmeisters gegen den von 2006, die Neuauflage des EM-Halbfinals von 2012 und das Duell zwischen Jogi Löw und Antonio Conte. Der Bundestrainer hat die DFB-Elf in den vergangenen zehn Jahren vom Rumpel- zum Spitzenfußball geführt, der Italiener die Squadra Azzurra seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren umgekrempelt und wieder in die Erfolgsspur gebracht. Jogi contra Conte – wer hat am Samstagabend den besseren Plan?

Zwei Taktik-Tüftler auf der Suche nach der perfekten Spielidee. Ständiger Wegbegleiter ist dabei die Frage, auf welche Spielzüge der Gegner schon vorbereitet ist – und auf welche nicht. Nicht ohne Grund bezog Löw die taktischen Varianten des Gegners mit ein, als er nach einer möglichen Systemumstellung gefragt wurde. „Ich denke natürlich auch darüber nach, mit welchem Plan die Italiener uns schlagen wollen. Das lasse ich in meine Überlegungen mit einfließen“, betonte der Bundestrainer. Dafür könnte er sogar seine bewährte Ausrichtung umkrempeln. „Wir müssen unsere Stärken zeigen und unseren Fußball durchziehen“, erklärte Löw. „Das geht mit einer Vierer-, aber auch mit einer Dreierkette.“

Weicht Löw vom gewohnten 4-2-3-1 ab?

Es wäre allerdings schon eine große Überraschung, sollte er plötzlich vom gewohnten 4-2-3-1 abweichen. Es ist dem Weltmeister auf den Leib geschneidert, die Mechanismen funktionieren. Jeder weiß, was er auf dem Platz zu tun hat. Interessanter sind eher die personellen Alternativen. Götze oder Draxler? Kimmich oder Höwedes? (siehe Seite 30) Aber: Die Möglichkeit, Conte auf dem falschen Fuß zu erwischen, wäre ungleich größer.

Ebenso wie das Risiko – diese Erfahrung hatte Löw bei der EM 2012 schon einmal machen müssen. Beim Halbfinal-Aus vercoachte er sich komplett, opferte die eigenen Stärken, um Italiens Regisseur Andrea Pirlo aus dem Spiel zu nehmen. „Der Plan ist damals nicht aufgegangen. Diese Niederlage war sehr schmerzlich“, gab Löw in diesen Tagen zu Protokoll. Gleichzeitig betonte er aber auch: „Das war für mich eine gute Lehre. 2014 hat sie mir bei meinen Überlegungen geholfen.“ Und 2016?

Conte ist ein cleverer Taktiker

Sein Schuss muss gut überlegt sein, schließlich steht ihm mit Conte ein ähnlich cleverer Taktiker gegenüber. Der Ex-Coach von Juventus Turin ist anders als die meisten italienischen Trainer. „Conte ist ungeheuer wichtig für diese Mannschaft“, sagte Verteidiger Leonardo Bonucci: „Er gibt uns eine klare Spielidee vor, und an der haben wir in den letzten zwei Jahren gearbeitet.“ Bei seiner Amtsübernahme 2014 forderte er von seinen Spielern „eine Mannschaft zu sein und keine einfache Auswahl“.

Seine Akteure folgen ihm und setzen Contes Vorgaben perfekt um. Geheimfavorit Belgien schlugen die Italiener in der Gruppenphase ebenso mit 2:0 wie Spanien im Achtelfinale. Beide Male gelang es Contes Team, den Ballbesitz des Gegners einzudämmen und keine Räume in Strafraumnähe anzubieten. Zum ersten Mal seit Langem überzeugt die Squadra Azzurra dabei auch wieder fußballerisch. Doch hundertprozentig zufrieden ist der Perfektionist an der Seitenlinie nie – deshalb kann es durchaus vorkommen, dass er wie gegen Spanien aus Wut einen Ball auf die Tribüne jagt. Er ist eben anders als seine Vorgänger. Das macht es für Löw allerdings kein bisschen einfacher.

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